Jahrgang 
1861
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flügelte; in ſechs bis ſieben Tagen machte eine Staatsdepeſche den Weg, zu dem ein rüſtiger Fußgänger neun⸗ zig Tage brauchte. Ein perſiſches Heer und eine Garde, die Zehntauſend, waren ſchlagbereit; perſiſche Garni⸗ ſonen lagen an den wichtigſten Punkten: zu Daskylium, zu Celänä, an der Halysbrücke, an den ciliciſchen Thoren, zu Memphis; und den Satrapen der Provinzen waren perſiſche vom König ernannte Kriegsoberſten beigegeben. Eine Münze galt, wo immer die königlichen Farben anerkannt waren; ein ausgebildetes Polizei⸗ ſyſtem, Controle der Reiſenden fehlte nicht: überall waren dieAugen undOhren des Königs. Auch auf die künſtliche Einheit einer gutgeſchulten Beamtenariſtokratie ward Bedacht genommen; die Kinder der perſiſchen Vornehmen wurden am Hofe für wichtige Poſten erzogen; reiche Belohnungen und furchtbare Strafen ver⸗ fehlten nicht, von der überwältigenden Macht des Königs, die durch einen überſchwenglichen Prunk den Vor⸗ ſtellungen der Menge zugleich angepaßt und wieder in eine unnahbare Ferne gerückt war, den höchſten Begriff zu geben; und die bevorzugte Stellung endlich, welche der König der Nation, welcher er ſelbſt angehörte, da⸗ durch gab, daß er alle Perſer für ſteuerfrei erklärte, legte das Reichsintereſſe einer ganzen tüchtigen und tap⸗ fern Nation als ihre eigenſte Sache ans Herz.*) Dies waren äußere Stützen, mannigfach und zum Theil gut; eine innere Durchdringung war es nicht. Das Wichtigſte von Allem, die geiſtige Ueberlegenheit, fehlte dem herrſchenden Barbarenvolk. Sehen wir nun, wie ſich zu dieſer Regierungsweiſe die Alexanders verhält.

Wir würden uns nicht ausdrücken wie Droyſen, der Alexander den Plan einerIneinsbildung des Orients und Occidents zuſchreibt: dies iſt keiner der Begriffe, mit denen das Alterthum zu rechnen pflegte. Er wollte, würden wir ſagen, das große Reich, das er zuſammenerobert hatte, auch wirklich regieren; re⸗ gieren aber heißt Einheit ſchaffen, und in Beziehung auf dieſe Einheit-ſchaffende Thätigkeit läßt ſich der Unter⸗ ſchied zwiſchen ſeiner und der perſiſchen Regierungsweiſe einfach dahin ausſprechen, daß Alexander das ganz that, was ſie nur halb gethan hatte, daß er in ihren Mechanismus ſeinen eigenen überlegenen Geiſt, den Geiſt eines überlegenen Volksthums, des macedoniſchen, und den Geiſt einer überlegenen Cultur, der helleniſchen, hineintrug. Auch für Alexander lag der wichtigſte Einheitspunkt für das bunt zuſammengeſetzte Reich in der Perſon des Monarchen, und ſeine letzten Kämpfe hatten, wie wir ſahen, weſentlich den Zweck, dieſe monar⸗ chiſche Vollgewalt feſtzuſtellen. Er regierte nicht mehr mit dem Rath der Freunde, ſondern berieth nur mit denen, deren Sachkenntniß und Einſicht er zu einem beſtimmten Zweck bedurfte, Griechen, Macedoniern, Per⸗ ſern; und es iſt bezeichnend genug, daß die für eine ſolche Selbſtregierung wichtigſte Stelle das Amt eines Geheimſchreibers oder Kanzlers,uαsus ein Grieche, Eumenes von Cardia(Arr. 7, 4, 6), bekleidete. Alle Befehle, alle Gnaden und Beförderungen gingen von ihm aus; an die Stelle der unabhängigen Gewalten traten die höfiſchen Ehren, die goldenen Kränze und andere Ordenszeichen(Arr. 7, 5, 4; Diod. 17, 64), die glänzenden Dienſtcarrieren. Indem Alexander die Rückkehr der politiſchen Flüchtlinge in die griechiſchen Städte anordnete, ſprach er es aus, daß er ſich an die korinthiſche Convention nicht mehr gebunden glaubte, und daß die alten politiſchen Gegenſätze der Ariſtokratie und Demokratie in dem neuen Reiche verſöhnt oder verboten ſein ſollten, und was den macedoniſchen Adel betrifft, ſo dürfen wir nur an das eine Beiſpiel des Peuceſtas und ſeine glänzende Laufbahn erinnern(Arr. 6, 9, 3; 10, 1; 28, 3; 30, 2; 7, 6, 3;3 5, 4; 23, 1), um den raſchen Uebergang dieſes Adels zum Hof- und Dienſtadel zu vergegenwärtigen. Auch der Zauber der äußeren Formen ward nicht verſchmäht; die überaus glänzende und prächtige Einrichtung des Hofſtaats vergegenwärtigt uns eine Stelle bei Athenäus(12, p. 537. 8; Schloſſer 3, 1, 240 ff.); und wenigſtens den Barbaren gegenüber wies er auch die Mittel nicht ganz von der Hand, welche die dienſtwillige Superſtition des Orients und die noch dienſtwilligere Schmeichelei der Griechen ihm entgegentrug. Aber ganz anders als die Perſer, welche ihren König in ein heiliges Dunkel entrückten, war er vielmehr überall gegenwärtig; er ſtand ſelbſt an der Spitze jeder großen und kleinen Unternehmung, unter allen Einſichtigen, Tüchtigen und Thätigen der Einſichtigſte, Tüchtigſte und Thätigſte.

) Dunker, Geſch. des Alterth. 2, 605 647 mit den Beweisſtellen.