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ſein werde. Gibt man aber dies zu, ſo iſt damit auch alles Uebrige im Princip zugeſtanden. Alerander mußte eine neue und eine breitere Grundlage für ſeine Herrſchaft ſuchen, und er that dies, indem er zunächſt den edelſten und begabteſten der unterworfenen Stämme, die Perſer, deren man überdies nicht entbehren konnte, weil ſie der regierende Stand im Achämenidenreich geweſen waren, den Griechen und Macedoniern zu nähern ſuchte. Er ernannte perſiſche Satrapen, nahm gelegentlich perſiſche Tracht an, zog perſiſche Große an den Hof, ſtrafte den Beſſos auf perſiſche Weiſe und verſuchte das perſiſche Ceremoniell an ſeinem Hoflager, dem er zugleich größere Pracht verlieh, einzuführen. Dies Alles iſt wenig anders zu beurtheilen, als die neue Hof⸗ und Ceremonienordnung Napoleons I., nachdem er erſter Conſul geworden, oder Napoleons III. nach dem 2. December. Dazu kam dann die Vermehrung des Heeres durch Contingente aus den unterworfenen Ländern, welche eine militäriſche Nothwendigkeit war, von Alexander aber ohne Zweifel von Anfang an auch unter einem anderen, dem politiſchen Geſichtspunkte betrachtet wurde.
Die Macedonier, vornehmlich die alten Generale Philipps, hatten dieſe Aenderung kommen ſehen und einen vollſtändigen Sieg Aleranders nicht viel weniger gefürchtet als die Perſer. Dies beweiſt aufs klarſte die Aeußerung Parmenions Arr. 2, 25, 2, der im„Rath der Freunde“ für Annahme der Vergleichsvorſchläge des Darius ſtimmte, eine Aeußerung, die, verglichen mit der oben angeführten Stelle des Iſocrates, uns Licht gibt über die Geſichtspunkte der altmacedoniſchen Partei und die, was aber hier nicht weiter zu erörtern iſt, darauf hindeutet, daß die Plane Philipps wahrſcheinlich nur bis zur Halys⸗ oder höchſtens Euphratgrenze reichten. Machte Alexander am Euphrat Halt, ſo konnte im Weſentlichen Alles bleiben wie bisher mit dem einen Unterſchied, daß der macedoniſche Adel die unterworfenen Länder als ſeine ausſchließliche Siegesbeute hätte betrachten können. Stolz, habgierig, halbeiviliſirt, wie ſie waren, betrachteten ſie das ganze Unternehmen nur als einen großen Beute⸗ und Plünderungszug, und mit ihrer Unzufriedenheit verband ſich der republikaniſche Stolz der Griechen, der ſich mehr und mehr auf die leeren Formen warf, nachdem die Sache verſchwunden war. Was wir nun mit einiger Beſtimmtheit ſagen können, iſt, daß dieſe Verhältniſſe zweimal zu Verſchwö⸗ rungen in der unmittelbarſten Nähe des Königs führten; daß die ganze Lage der Art war, daß Alexander, um ſeine Autorität zu retten, ein Exempel ſtatuiren mußte; daß Philotas und Parmenio die Mißvergnügten führten oder vertraten; und daß Alexander nicht aus moraliſchen Gründen, ſondern ſchon aus Nützlichkits⸗ gründen die Maaßregeln gegen Philotas und Parmenio wohl würde unterlaſſen haben, wenn er ſich irgend auf andere Weiſe hätte helfen können. Daß Alerander innerlich nicht verwandelt war, beweiſt die Geſchichte des Klitus am deutlichſten, welche man ſo oft zum Beweiſe des Gegentheils hat anführen wollen. Sie be⸗ weiſt die ausgedehnte Redefreiheit, welche Alexander von Seiten ſeiner Waffengefährten vertragen konnte, denn nicht der faſt zufällige tödtliche Ausgang iſt das Bezeichnende dieſes Vorgangs, ſondern was dieſem vorauf⸗ ging; und daß Alexander in dieſem Zwieſpalt zwiſchen den ariſtokratiſchen und den monarchiſchen Elementen ſeines Reiches ſeine Klugheit nicht verlor, zeigt ſich in der Energie, mit welcher er das Weſentliche ſeiner Politik feſthielt— er vermählte ſich mit Roxane und theilte barbariſche Contingente ſeinem Heere zu— wäh⸗ rend er das Unweſentlichere, die Etikettenfrage, das a006ve2v, offenbar für die Macedonier fallen ließ; wenigſtens iſt ſpäter nicht mehr davon die Rede.
Aber Eins drängte ſich Alexander durch all dieſen Widerſtand deutlich auf, wozu ihn ſeine raſche Natur ſchon ohnehin trieb. Um unumſchränkt herrſchen zu können, um gleichmäßig über dem Groll der beſiegten Aſiaten und über dem Murren ſeiner europäiſchen Krieger zu ſtehen, mußte er noch höher ſteigen: er mußte noch eine Zeit lang Feldherr ſein, um unbedingt über die Kräfte ſeines Reiches verfügen zu können; und darin liegt die politiſche Seite und Nothwendigkeit des indiſchen Feldzugs begründet. Wir glauben nicht, daß bei dieſem indiſchen Feldzug die Dionyſos⸗ und Herakles⸗Legenden eine ſo große Rolle geſpielt haben, als Grote aufs Neue annimmt; ⁵) daß ſie in den griechiſchen Rhetorenſchulen eine große Rolle ſpielten, iſt gewiß.
8) p. 69. his mind was very accessible to religious and legendary seutiment.


