Jahrgang 
1861
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Es ſcheint ein auffallender Widerſpruch zwiſchen der ſpäteren Politik Alexanders gegen die Perſer und dem, was wir von der Niederbrennung des Palaſtes und der Plünderung der Stadt Perſepolis leſen. Welche Genugthuung dieſer Brand den Griechen gewährt habe, leſen wir bei Plutarch Al. 37: es war ge⸗ wiſſermaßen eine Ergänzung der Zerſtörung von Theben, welche gleichfalls als eine Sühne für Verſchuldung aus der Perſerzeit dargeſtellt ward Arr. 1, 9, 6;3 ein Hauptmotiv aber mag geweſen ſein, den Perſern die Vergeblichkeit ferneren Widerſtands nahe zu legen und den Völkern Aſiens nachdrücklich jene Offenbarung zu geben, an welche ſie mehr noch als die Europäer glauben, die der Macht. Dieſe That ſchließt den erſten Theil der Regentenlaufbahn Alexanders, und daß Alexander ſchon zuvor gewußt hat, daß jetzt eine Zeit komme, wo er etwas Anderes ſein müſſe als König der Macedonier und Hegemon der Griechen, das beweiſen die Unterhandlungen mit Darius, in denen er ſich zum erſten Mal νο mi Mois dοσ(Arr. 2, 14) nennt. Um dies,9αœσ, wirklich zu werden, dazu bedurfte es aber noch eines ernſtlicheren Kampfes, als der gegen die Trümmer der großen Armee des Darius oder gegen die Aufſtände in Bactrien und Sogdiana war.

II. Wir betreten damit die vielbeſprochenſte Periode in Alexanders Regierung, vom völligen Sturz des Achämenidenreiches bis zur Rückkehr aus Indien. Man liebt es, dieſe Periode als eine Zeit der Ent⸗ artung darzuſtellen, und auch Grote p. 254 ff. führt dieſe Auffaſſung mit den Mitteln einer glänzenden Ge⸗ lehrſamkeit ausgeſtattet wieder vor. Dies iſt ein fruchtbares Feld für Declamationen, aber hiſtoriſch nicht haltbar; moraliſch betrachtet iſt der Alexander, der Attalus tödten ließ und Theben zerſtörte, derſelbe Mann, wie der, welcher Perſepolis verbrannte und Parmenio tödtete. Wohl aber iſt er ein anderer politiſch be⸗ trachtet; und man wird dieſe Periode und die Veränderung, die mit Alexander vorging, richtiger erkennen, wenn man ſie auffaßt als eine Zeit des Uebergangs von der unmöglich gewordenen beſchränkten Monarchie zu der nothwendig gewordenen abſoluten Monarchie.

Es iſt nicht erſprießlich und nicht nothwendig, das Einzelne jener vielberedeten Vorfälle, die Hinrich⸗ tung des Philotas, die Ermordung des Parmenio, die Tödtung des Klitus und die Beſtrafung des Kalli⸗ ſthenes 7) noch einmal zu unterſuchen. Bei jedem dieſer Fälle öffnet ſich der Vermuthung ein weites Feld, weil uns gar keine authentiſchen Akten mehr vorliegen, und doch ſind dies Fälle, bei welchen man von dem Hiſtoriker die ganze Strenge des Geſchworenen verlangen müßte. Was aber deutlich iſt, iſt dies: Alexander konnte, nachdem er Herr von Aſien geworden, nicht mehr wie ein König von Macedonien regieren. Eine nationale Monarchie wie die macedoniſche iſt naturgemäß eine beſchränkte; als König von Macedonien und als Feldherr hatte Alexander die Angelegenheiten mit ſeinem Sulονοs 1oνν ετων‚ der zugleich Staatsrath und Kriegsrath war, beſprochen, und daß er dabei nicht immer einen ganz leichten Stand hatte, könnten die überlieferten Anekdoten von Parmenions Rathſchlägen und Alexanders Antworten, die alle etwas Gereiztes haben, beweiſen, wenn es nicht ſchon in der Natur der Sache läge. Aber jetzt war er Herr eines zwanzig⸗ fachen Länderraums mit einer Menge verſchiedener Nationalitäten, und dies machte nothwendig, daß er in viel unbedingterer Weiſe als bisher über ſeine Truppenkräfte und namentlich über ſeine Talente mußte verfügen können. Er durfte, wenn er einen Griechen(wie Eumenes von Kardia z. B.) in ſeiner Umgebung hatte, der zu einem beſtimmten hohen und ſchwierigen Poſten ſich beſonders eignete, nicht erſt fragen müſſen, was die Macedonier zu ſeiner Ernennung ſagten; er durfte, wenn er Krateros zum Oberbefehlshaber eines Trup⸗ pencorps, zum Satrapen einer Landſchaft machen wollte, nicht erſt fragen, ob Philotas auch damit zufrieden

7) Zum mannhaften Vertreter des freien Hellenenthums, zu dem Grote den Kalliſthenes gern machen möchte, eignet ſich dieſer eitle Sophiſt, von dem Droyſen ein wenig ſchmeichelhaftes, aber, wie wir fürchten, wohlgetroffenes Porträt ent⸗ worfen hat, durchaus ſchlecht. In dem Fragment, das wir von ſeinem Buche haben(Alexandri hist. script. ed. Geier p. 237), beſchreibt er den Marſch Alexanders an der pamphyliſchen Küſte und ſagt von der See: Lᷣιααναστmςωαηι qεαοσ⁶φοενον ooν τ suetvov zogeias zu ν ro dyονςρν ν dναάeν, Ivοo νντ◻τρπνmsννυςρᷣοονυα τ d⁷m α ε2v. Daß ein ſolcher

Mann wenig Recht hatte, das z90s⸗vrer zu verweigern, das er ſo emphatiſch der pamphyliſchen See zuſchreibt, iſt wohl klar. 1*