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Auch für die Behandlung der zuvor perſiſchen Unterthanen in den weſtlichen Ländern des Reiches war in dieſer erſten Periode die militäriſche Rückſicht die maßgebende. In den Griechenſtädten genügte es, die antiperſiſche demokratiſche Partei ans Ruder zu bringen, da die oligarchiſche ſeit der Verbindung Spartas mit Perſien im peloponneſiſchen Kriege perſiſch geſinnt war. Dieß war ein leichtes und völlig ausreichendes Regierungsmittel; im Uebrigen behielten die Städte ihre Autonomie, und den Chiern und Rhodiern wurde die Beſatzung, ſobald es ohne Gefahr geſchehen konnte, auf ihre Bitte abgenommen(Arr. 1, 18. Curt. 4, 8). Einzelne Landſchaften, wie Phrygien, Cappadocien, Cilicien, das ſyriſche Küſtenland, erhielten ihrer Wichtigkeit wegen eigene Satrapen; an anderen Orten genügte es, die alten Lokalerinnerungen an die von den Perſern unterdrückte Selbſtſtändigkeit wieder wach zu rufen, ſo in Sardes, wo er(Arr. 1, 17, 4) die„alten lydiſchen Geſetze“ herſtellte; in Carien, wo die alte Landesfürſtin mit der Herrſchaft belehnt wurde(τοιασmνεαεινι Ʒταεs, ³νμισσςε⁸ε⁶ωσlαφςᷣ Arr. 1, 23); in Cypern, wo die einheimiſchen Dynaſten blieben; in Sidon, wo ein Fürſt aus dem Stamm der alten Könige erhoben wurde. Die ſorgfältigſte Organiſation erhielt Aegypten: das Militär⸗ kommando wurde zwiſchen zwei Offizieren getheilt; die Flotte erhielt ihren beſonderen Anführer; die griechi⸗ ſchen Anſiedler ſtanden unter ihrer eigenen Behörde; die ägyptiſchen Kreiſe behielten ihre einheimiſchen Nomar⸗ chen und einen ägyptiſchen Oberaufſeher; die libyſchen und arabiſchen erhielten griechiſche Vorſteher, und ein naturaliſirter Grieche aus Naukratis bekam die Leitung des Geldweſens. Die mannigfaltigen Beziehungen Aegyptens zur Hellenenwelt machten ihm hier ſeine Aufgabe verhältnißmäßig leicht.
Man ſieht, daß hier der Beſonderheit der verſchiedenen Völker reichlich Rechnung getragen war; da⸗ neben aber benutzte Alexander jedes Moment der Einheit, das ſich ihm darbot. Zunächſt lag die Einheit frei⸗ lich noch erſt in der Autorität ſeines Herrſcherwillens; wie er dieſe aufrecht erhielt, beweiſt die Beſtrafung der Tyrier und der Beſatzung von Gaza. ⁵) Das Verbrechen der erſteren beſtand darin, daß ſie ihn nicht ganz und unumwunden als Herrn anerkannten, das der Beſatzung von Gaza und ihres Commandanten nur darin, daß ſie nach dem Gottesurtheile der Schlacht bei Iſſus noch weiteren Widerſtand wagten. Doch bediente ſich Alexander auch der milderen und ſicherer wirkenden Mittel. Er gab den Bevölkerungen allenthalben das Schauſpiel der muſiſchen und gymniſchen Spiele der Griechen; er legte den Grund zu der weſtlichen Haupt⸗ ſtadt ſeines Reichs; er benutzte die dehnbaren Formen und Begriffe des Polytheismus, um die Sieger und die Beſiegten einander zu nähern. Dahin gehören die Opfer zu Memphis, die Tempelbauten zu Alexandria, das Opfer in Tyrus, die Aufrichtung des Belusheiligthums in Babylon und vornehmlich der Beſuch des Ammonstempels in der Oaſe. 6) Ganz anders aber als zu Memphis, Babylon oder Suſa verfuhr Alexander zu Perſepolis.
⁵) Die Beweisführung Grote's für die Schleifung des Betis p. 196 ſcheint uns ſo ſchlecht gelungen als möglich. Jene abgeſchmackte Ekelgeſchichte hat ſich faſt zufällig durch den ſchlechten Stil und Geſchmack, mit der ſie Hegeſias(zu deſſen Kennzeichnung vgl. Gellius Noct. Att. 9, 4) erzählt, in einer rhetoriſchen Schrift des Dionyſius von Halikarnaß(de comp. verb. 123— 125) erhalten und iſt dann auch von Curtius 4, 6, 28 in ſeiner Weiſe erzählt. Man darf die Geſchichte nur erzählen, um ſofort einzuſehen, daß ſie die Erfindung eines Rhetors iſt, der den Homer geleſen hatte und der wußte, daß Alexander ſich gern mit Achilleus verglich, dabei aber überſah, daß Achilleus den todten Hektor ſchleifte und nicht den lebenden, daß Homer dieß ſelbſt ein ſchmähliches Werk(deivedt undero sya Jl. 22, 395 und Jl. 24, 50 ff... pv„dg Oh patav deuiget teveiuον) nennt und das Unſchöne der Vorſtellung ſo fein durch den ſchützenden Götterſchild Apollons gemildert hat Il. 24, 18 ff.
6) Wir können hier nicht näher auf die viel beſprochene Geſchichte eingehen. Aber wenn Grote p. 202 meint,„it (die vorgebliche Abſtammung Alexanders von Zeus Ammon) seems rather to have been a genuine ſaith,— a simple exagge- ration of that vanity, which from the beginning reigned so largely in his bosom“, ſo muß man dagegen doch im Namen der geſunden Vernunft Verwahrung einlegen. Jedermann kennt die Proclamationen Napoleons auf eben dieſem ägyptiſchen Boden, daß der Koran an mehr als zwanzig Stellen von ihm ſpreche, daß er jedem Muſelman die geheimſten Gedanken ſeines Her⸗ zens offenbaren könne; ſo wenig das Napoleon glaubte, ſo wenig glaubte Alexander der Sohn des Zeus zu ſein, und aus den Quellen läßt ſich nicht einmal beweiſen, daß Alexander die politiſche Charlatanerie auch nur ſo weit getrieben habe, wie Napo⸗ leon in jenen Proclamationen.


