Jahrgang 
1861
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ſo führt Grote's Darſtellung die Unterſuchung von ihrer philoſophiſchen Höhe auf den feſteren Grund politiſch⸗ pragmatiſcher Geſchichte zurück, und ſeine Darſtellung, nach der andern Seite hin übertreibend, erkennt in Alexander Nichts als den Eroberer, in ſeinen Organiſationen weſentlich nur militäriſche Einrichtungen zum Zwecke der Steuererhebung und Truppenwerbung. ²) Aber es ſcheint an ſich ganz undenkbar, daß ein Feld⸗ herrngenie, wie das Alexanders, nicht auch zugleich ein organiſatoriſches Genie geweſen ſei, während doch in der That die größere Hälfte des militäriſchen Genies in eben dieſem Talente des Organiſirens liegt. Ebenſo wenig iſt es denkbar, daß Alexander ohne anderen Zweck, als den der Machtbethätigung, gleichſam ſpielend von Eroberung zu Eroberung geſchritten ſei, ohne darauf zu denken, dieſe Eroberungen zum dauernden und fruchtbaren Beſitz zu machen: um ſo weniger, als der Gedanke einer Invaſion des perſiſchen Reichs ſchon ſeit mehreren Jahrzehnten die bedeutendſten Geiſter Griechenlands und Macedoniens beſchäftigte. 32) Man könnte freilich, indem man nach der Regierung Alexanders fragt, ſich durch einen Blick auf den Stand der Quellen entmuthigen laſſen. Es iſt für dieſen bezeichnend, daß die beſte, die wir haben, Arrians Anabaſis, eine 500 Jahre nach Alexanders Tode geſchriebene, allerdings vortreffliche Compilation von einigen hundert Seiten iſt; an eine Ergründung des Einzelnen alſo iſt nicht zu denken, aber die allgemeinen Züge ſind doch ſo groß und dauernd, daß ſie ſelbſt in dieſer Ferne der Zeiten und durch das trübe Medium mangelhafter Berichte hindurch noch lesbar ſind.

Die Regentenlaufbahn Alexanders zerfällt in drei weſentlich verſchiedene Perioden. In der erſten, welche bis zum Brande von Perſepolis reicht, trägt ſeine Stellung vorwiegend einen militäriſchen Charakter und ſeine Organiſationen werden noch hauptſächlich durch kriegeriſche Rückſichten beſtimmt; in der zweiten, vom Sturz des achämenidiſchen Throns bis zur Rückkehr vom indiſchen Feldzuge, tritt neben die militäriſche Rückſicht mehr und mehr das Bedürfniß dauernder politiſcher Organiſation und man könnte dieſe Zeit als die Periode des Kampfs oder des Gleichgewichts der beiden Elemente bezeichnen; in der dritten, von der Rück⸗ kehr aus Indien bis zu Alexanders Tod, tritt die Regententhätigkeit in den Vordergrund, und hier iſt es, wo von einem eigentlichen Regierungsſyſteme die Rede ſein kann.

I. Die militäriſche und politiſche Stellung Alexanders in dieſer Periode war eine ſehr verwickelte. Zunächſt als König der Macedonen war er ſo wenig unumſchränkt, als die deutſchen Könige des Mittelalters oder die griechiſchen Könige der Heroenzeit. Ariſtoteles führt(Pol. 5, 9.) die macedoniſchen Könige neben den ſpartaniſchen und molottiſchen als Beiſpiele des Unterſchieds zwiſchen Tyrannis und Königthum auf: die geſetzgebende Gewalt theilen ſie mit einem bewaffneten Adel, die richtende mit einem bewaffneten Volke. Allein wenn es ſchon zum Weſen des heroiſchen Königthums gehört, daß der kräftige und einſichtige Fürſt zwiefach mächtig, wie der ſchlaffe und einſichtsloſe zwiefach ſchwach iſt, ſo hatte zugleich durch die Thätigkeit Philipps eine kriegeriſche und erobernde, und zugleich organiſatoriſche(vgl. Arr. 7, 9 die Rede Alexanders 4) das Königthum weſentlich gewonnen, und es iſt beachtenswerth, daß Plato im Gorgias 479 A ſchon den König Archelaos einen Tyrannen nennt, womit man die zahlreichen Stellen vergleichen mag, in welchen Demoſthenes das kraftvoll Monarchiſche der Stellung Philipps hervorhebt. Der macedoniſche Adel war zwar noch nicht Dienſtadel, aber er war bereits auf dem Wege es zu werden. Dies zeigt ſich(neben den 0 νο, was

²) Seine Anſicht beſonders S. 352 369. Alexander as a ruler apart from military affairs not deserving of esteem. Eine gute und ausführliche Widerlegung von Grote's Standpunkt findet ſich in Edinburgh Review April 1857 Nr. CCXIV.

³) Am kürzeſten und deutlichſten erhellt dies aus der Stelle Iſocrates Philippus 119. 120., aus der hervorgeht, daß nicht nur Zweck und Umfang der Eroberung, ſondern auch die Mittel der Regierung und Verwaltung jener zu erobernden Länder einer genauen Erwägung und zwar durch klügere Männer als Iſocrates war unterzogen ward. Es wäre namentlich das 2908 ds Touντoνς vrida eπQõ leis aet roure 20mQ% der Erwägung Grote's zu empfehlen.

4) Dihazzos pdo zagalagdv ddds zlavfras aal dadgous Tlauudas dv un d τσν mνινεον σοgeꝛν 20cα, uoryxyε s νι τνν ομν s πQeQ⁹⁴h a 2eoν olalrogas depizνε zu νιριοις zad 7* m ᷣερωτοσς ⁵έηιςονμνσε.