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denſelben gleichzeitig dorthin geſtiffet war. Den Anfang der Feier machte das Lied aus W. Tell III. 1, ein⸗ ſtimmig geſungen; es folgten Vorträge Schiller'ſcher Dichtungen und des bekannten Goethe'ſchen Epilogs von Schülern der verſchiedenen Klaſſen; darauf der Schlußchor aus der Glocke, vierſtimmig; auf dieſen die Feſt⸗ rede, geſprochen von Dr. Jäger, einem Landsmann des Dichters; zuletzt Schiller's Reiterlied, einſtimmig und von dem verſammelten Publikum in ſehr erhöhter Stimmung mitgeſungen.
Im December ſtarb an der Unterleibsſchwindſucht der Ober-Secundaner Wilhelm Marx, geboren den 14. Mai 1843 zu Ober⸗Coſtens bei Kirchberg, Stiefſohn des Herrn Malers Stuhl hierſelbſt, welcher durch ſein muſterhaftes Betragen und recht erfolgreichen Fleiß allen, die ihm nahe ſtanden, nur Freude gemacht und die beſten Hoffnungen erregt hatte. Am 16. Dec. begleiteten ihn Lehrer und Schüler zu ſeiner letzten irdiſchen Ruheſtätte.
Am 27. Januar verlor die Schule durch den Tod, nach einem kaum neuntägigen Krankenlager, in Folge eines gaſtriſch-nervöſen Fiebers den Oberlehrer Dr. E. Aug. Fritſch. Geboren den 15. März 1801 zu Siegen, hatte ſich derſelbe zuerſt einem bürgerlichen Geſchäfte gewidmet, bis er, von regem Wiſſensdrange getrieben, in einem Alter von faſt 19 Jahren in die Quarta des Gymnaſiums zu Frankfurt a. M. eintrat, welche Anſtalt er Oſtern 1825 mit dem Zeugniſſe der Reife verließ. Von da bis Herbſt 1827 ſtudirte er in Bonn Philologie, bezog Oſtern 1828 bis Oſtern 1829 die Univerſität zu Berlin, und folgte nach beſtandenem Examen und Erwerbung des Doctorgrades einem Rufe an das Gymnaſium zu Kreuznach, Mai 1829. Von dort ward er den 11. Februar 1836 an das hieſige Königl. Gymnaſium verſetzt, wo er noch in demſelben Jahre das Prädicat Oberlehrer und im Jahre 1851 den R. A.⸗O. IV. Klaſſe erhielt.*)
Die ergreifende Nachricht dieſes ſo unerwarteten Todesfalles theilte Prof. Dr. Kleine vor den ver⸗ ſammelten Schülern und Lehrern am Morgen bei der Schulandacht mit; die durch die Betheiligung des Gym⸗ naſiums und einer großen Anzahl Leidtragender aus allen Ständen beſonders feierliche Beerdigung fand Sonn⸗ tag den 29. Mittags ſtatt. Nach derſelben begaben ſich Lehrer und Schüler in die Gymnaſial-Aula, woſelbſt Dr. Jäger das Bild des lieben Entſchlafenen den Seelen der Anweſenden noch einmal vorführte, wie er ernſte Strenge geübt habe gegen ſich ſelbſt nicht minder als gegen die Jugend, wie aber unter dieſer ernſten Strenge geglüht habe die aufrichtigſte Liebe zu den ihm Anvertrauten, wie er mit hoher Energie nach dem Rechten und Wahren gerungen, für ſeine Ueberzeugungen muthvoll gekämpft und gelitten und mit höchſter Selbſtverleugnung in ſeinem Berufe unermüdlich gewirkt habe.
Den Ausfall an Lectionen ſuchten einſtweilen die Lehrer nach ihren Kräften zu decken.
Einen zweiten Schüler verlor die Anſtalt durch den Tod am 16. Februar d. J. Hermann Groos, Sohn des Geh. Regierungsraths Landraths Groos hierſelbſt, geboren zu Berleburg den 12. September 1841,
*) Seine neben ſeiner regen Amtsthätigkeit ununterbrochen fortgeſetzten wiſſenſchaftlichen Unterſuchungen über Gegenſtände der vergleichenden Grammatik hat er vorzüglich in drei Werken niedergelegt: 1) Die obliquen Caſus und die Präpoſi⸗ tionen der griech. Sprache; 2) Kritik der bisherigen Tempus⸗ und Modus⸗Lehre in der deutſchen, griech., lat. und hebr. Gram⸗ matik, und der philologiſchen Kritik, zur Reform jenes Gegenſtandes auch in den Grammatiken anderer Sprachen; 3) Philo- logische Studien. I. Band. Die Griechischen und Lateinischen Partikeln. 1. Theil. Die Adverbien. 2. Theil. Die Präpositionen. Außerdem in den Wetzlariſchen Schulprogrammen: De aoristo. 1836. De casuum obliquorum origine et natura deque genilivi singularis numeri et ablativi Graecae Latinaeque declinationis conſormatione. 1845. Probe einer Bearbeitung der griechiſchen und lateiniſchen Adverbien vom ſprachvergleichenden Standpunkte aus. 1851. Nam, enim, etenim, 4ol,„o. 1859. Endlich in einzelnen Abhandlungen in gelehrten Zeitſchriften; von dieſen liegen uns vor: 1) und 2) zwei Abhandlungen in Jahn's Jahrbüchern, IV. Suppl.⸗Band. 1. H. 1836.: Von der Form und Bedeutung der beiden Partikeln dy„ und„e, und: Ueber den Griechiſchen Gebrauch des Indicativs der hiſtoriſchen Zeitformen in hypothetiſchen Sätzen; in der Zeitſchrift für Alterthumswiſſen⸗ ſchaft Jahrgang 1854. 2. und 3. Heft: Von den Verneinungswörtern non, ne, haud; ou⸗, 2, 4-, dνο, in- vp-, ne-.— Dazu kommen noch von pädagogiſch⸗didactiſchen Arbeiten: 1) Gedanken über Sprach⸗Unterricht auf Gymnaſien, 1830; 2) Ueber Verbeſſerung des philologiſchen Unterrichts auf Gymnaſien, im Muſeum des Rhein.⸗Weſtfäl. Schulmännervereins. I. Bd. 6. H. 1846.


