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der eben im Begriff ſtand, ſeine Abiturientenprüfung abzulegen, ward an jenem Tage ein Opfer einer unheil⸗ baren Lungenſchwindſucht, an der er ſchon ſeit Jahren ebenſo geduldig gelitten, wie er ſie durch chriſtlichen Muth und ſtarke Willenskraft zu bekämpfen geſucht hatte. Am 20. jenes Monats begleiteten Lehrer und Mit⸗ ſchüler feierlichſt auch ihn zur letzten Ruheſtätte. Die vortrefflichen Anlagen von Geiſt und Herz hatten bereits herrliche Blüthen bei ihm getrieben und zu den ſchönſten Erwartungen berechtigt, die leider der Tod abſchnitt!
Am 9. März wurde unter dem Vorſitz des Herrn Geheimen Regierungs⸗ und Schulraths Dr. Land⸗ fermann, die mündliche Abiturienten-Prüfung abgehalten. Die Schüler, welche außer Groos ſich zu der⸗ ſelben angemeldet hatten und die ſämmtlich das Zeugniß der Reife erlangten, waren:
1) Ferdinand Jung, aus Wetzar, evangeliſch, alt 18 J., 8 ½ J. auf dem Gymnaſium. Er ſtudirt in Berlin auf dem Friedrich-Wilhelms⸗Inſtitut Medicin.
2) Ferdinand Naumann, aus Wetlar, evangeliſch, alt 19 J., 9 ½ J. auf dem Gymnaſium; ſtudirt jetzt in Berlin Mathematik und Naturwiſſenſchaften.
3) Peter Schubmehl, aus Baumholder, Kreis St. Wendel, katholiſch, alt 20 J., 3 J. auf dem hieſigen Gymnaſium; hat ſich dem ſubalternen Verwaltungsdienſt beſtimmt.
Das Winter-Halbjahr ward am 3. April mit der Entlaſſung der Abiturienten und abgehenden Schüler geſchloſſen; zuletzt ward, ebenfalls vor der verſammelten Anſtalt, der Profeſſor Dr. Schirlitz, welcher 37 Jahre an hieſigem Orte, überhaupt aber 40 Jahre ſein Lehramt ſegensreich verwaltet hatte, durch den Prof. Dr. Kleine in höherem Auftrage von demſelben entbunden. Wegen zunehmender körperlicher Schwäche war ihm die Entlaſſung aus dem Staatsdienſt gewährt worden; und wurde derſelbe durch Verleihung des R. A.⸗O. IV. Klaſſe geehrt.*) Das Lehrer⸗Collegium widmete dem ſcheidenden lieben Amtsgenoſſen und Freunde eine Votivtafel als testimonium venerabundi piique animi. Möge nach den vielen Jahren treuer Arbeit ihm ein heiterer Lebensabend beſchieden ſein!
Am erſten Tage des Sommerſemeſters, dem 24. April, führte der Geheime Regierungs⸗ und Schul⸗ rath Dr. Landfermann den Unterzeichneten in das Directorat der Anſtalt, und den Dr. M. Kirchner, welcher bisher an dem Schindler'ſchen Waiſenhauſe und dann an dem Königl. Progymnaſium in Berlin zwei Jahre hindurch ſegensreich gewirkt hatte und zur Uebernahme des Religionsunterrichtes berufen war, in die durch den Tod des Dr. Fritſch vacant gewordene erſte ordentliche Lehrerſtelle in der Aula des Gymnaſiums öffentlich ein. Die Worte, welche bei dieſem feierlichen Acte der Königl. Commiſſarius ſowie der Unterzeich⸗ nete ſprachen, ſind oben mitgetheilt worden. Beiden neu Eintretenden war die wohlwollende Fürſorge der hohen vorgeſetzten Behörde, die zahlreiche Anweſenheit von Eltern der Schüler und das freundliche Entgegen⸗ kommen der künftigen Amtsgenoſſen eine herrliche Bürgſchaft eines geſegneten Wirkens. Nachdem es dann auch in Kürze gelungen war, die bewährte Tüchtigkeit des Herrn Lehrers Strunk für die Leitung des Geſang⸗
*) Samuel Chriſtoph Schirlitz, geboren den 4. Decbr. 1797, vorgebildet auf der Landesſchule Pforta unter dem Rector Ilgen, bezog Oſtern 1817 die Univerſität Leipzig zum Studium der Theologie und Philologie, ward nach abgelegter Prüfung pro facultate docendi Collaborator an der Lateiniſchen Hauptſchule des Waiſenhauſes zu Halle; erwarb den Doctortitel; Oſtern 1823 folgte er dem Rufe eines Gymnaſiallehrers für alte Sprachen, Geſchichte und Geographie an das hieſige Gymnaſium, erhielt im Februar 1824 das Prädicat Oberlehrer, im März 1837 den Titel eines Königl. Profeſſors. Etwa 25 Jahre lang, bis zum Jahre 1857, hat er auch den Religionsunterricht in den obern und mittlern Klaſſen der Anſtalt ertheilt und dieſe Lec⸗ tionen theilweiſe bis zu ſeinem Abgang fortgeführt.
Folgende litterariſche Erzeugniſſe von ihm liegen uns vor: 1) Handbuch der alten Geographie für Schulen. 2. verb. Aufl. 1837. 2) Anleitung zum Ueberſetzen aus dem Deutſchen in's Lateiniſche für untere Klaſſen. 2. Aufl, 1845. 3) Materialien zu lateiniſchen Stilübungen für mittlere und höhere Klaſſen in Gelehrtenſchulen. 4¼) Die lateinischen Stilübungen in den obern Klassen, methodisch und practisch unterstützt. 5) Vorſchule zum Cicero. 6) Grundzüge des chriſtlichen Wandels. 7) Griechisch- Deutsches Wörterbuch zum neuen Testamente. 2. Aufl. 1858. 8) Der deutſche Afterkaiſer Tile Kolup gegen Ende des 13. Jahrh. (in von Ledebur's„Allgem. Archiv für die Geſchichtskunde des Preuß. Staats. I. Band. 4A. Heft. S. 281— 340.“ J. 1836). Dazu verſchiedene Schulprogramme.


