Jahrgang 
1857
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Anhänglichkeit und Ehrfurcht des jugendlichen Herzens ſich ein in den heiligen Ernſt, die ſchöne, fromme Sitte, den Geiſt der friedlichen, innigen Gemeinſchaft, der alle in Liebe durchdringt und verbindet. In liebevoller und doch ſtrenger Zucht erwachſen, lernt es früh ſich ſelbſt verläugnen, Demuth und Gehorſam üben und in Allem der Wahrheit dienen; was aber das Wichtigſte iſt, es erhält in dem früh geweckten und gereiften Ge⸗ fühl und Bewußtſein ſeiner Erlöſungsbedürftigkeit das innige Liebesverhältniß zu ſeinem Heiland, und damit die richtige und ſichere Stellung zu der Welt.

Aber doch vermögen auch ſo die Eltern nicht das ſchwierige und wichtige Werk der Erziehung allein zu Ende zu führen; ſie übergeben ihre Kinder, und es iſt wahrlich ein geweihter Augenblick, wo dies geſchieht, der Schule, daß nun auch die Lehrer in inniger Gemeinſchaft, in lebendigem Einverſtändniß mit ihnen als die Stellvertreter Gottes über ihre Seelen wachen, ſie dem Herrn zu bereiten, daß ſie an allen Stücken reich gemacht, an aller Lehre und in aller Erkenntniß in der Hand des Herrn als nutzbare Bauſteine erfunden werden zu ſeinem Werk. Wenn nun der in ſeiner innern Bildung ſo angelegte Knabe unſerer chriſtlichen Schule anver⸗ traut wird, ſo ſoll derſelbe Geiſt, der ihn in der Familie geleitet hat, ihn auch hier empfangen und weiter bilden. Die Schule iſt aber ebenſo wenig wie die Familie, wenn auch oft dazu entſtellt, ein atomiſtiſches Neben⸗ einander, das nur aus äußerlichen Gründen nothdürftig und mechaniſch zuſammengehalten wird, ſondern iſt und ſoll ſein ein organiſches Ineinander, durch einen Geiſt beſeelt und zu gliedlicher Gemeinſchaft und Ord⸗ nung innerlich verbunden. Wenn wir leſen, daß das Heidenthum am heiligen Heerde die Hausgötter auf⸗ ſtellte, von denen es Stiftung, Segen und Gedeihen der Familie herleitete; in der Schule das Bild der Minerva verehrte, welche ihnen jede Fertigkeit und Weisheit verleihen ſollte, ſo thaten ſie dies im dunklen Gefühl und Bewußtſein der ihnen noch verſchleierten Wahrheit. Wir aber ſtehen im hellen Licht dieſer Wahrheit und wiſſen es, daß es Gottes Geiſt iſt in Chriſto Jeſu, welcher wie in ſeiner heiligen Kirche, ſo ewig ſchöpferiſch in der chriſtlichen Familie und Schule waltet. Er das Haupt wir ſeine Glieder: ſo trägt und durchdringt er das Ganze, wie die Seele den Leib. Es iſt der h. Geiſt, welcher in uns und durch uns auch in der chriſtlichen Schule lebendig iſt, der ſeine Gnadenerweiſungen hier an alle, die in ſeinem Dienſte ſtehen, an Lehrer wie an Schüler richtet. Deſſen gedachten einſt unſere Väter zur Zeit der Reformation, wenn ſie die SchulenBrünnlein und Quellen der Stadt Gottes oder officinae und Werkſtätten des h. Geiſtes nannten, darinnen er die ſchönen, jungen Köpfe artet, formiret und zurichtet zu ſeinem Dienſt; wenn A. H. Francke in ſeiner Schulinſtruction die Lehrer erinnert,weil die Schulen ſein ſollen officinae spiritus sancti, Werkſtätten des h. Geiſtes, ſo ſollen billig alle praeceptores dahin trachten, daß ſie nicht nur ſelbſten ſein lebendige Tempel des h. Geiſtes, ſondern auch von ihnen alle Information und ſonderlich die chriſtliche Disciplin und Zucht in der Heiligung und in der Kraft des heiligen Geiſtes verrichtet werden möge.

Iſt es alſo der h. Geiſt, der wie in der chriſtlichen Kirche und Familie ſo in unſerer chriſtlichen Schule waltet, ſo ſoll ſich auch die Schule in allen ihren Einrichtungen und Sitten, in allen ioren Gliedern, in ihrem ganzen innern und äußern Gepräge darſtellen als eine lebendige Werkſtätte, als ein Organon des h. Geiſtes. Lehrer und Schüler ſollen es wiſſen und fühlen, wie ſie ſtehen und verbunden ſind, wie ſie wirken und arbeiten in des h. Geiſtes Kraft und Anleitung und wie ſie, ein jeder an ſeinem Theil nach der Gabe, die er von Gott empfangen hat, nicht Menſchen zu gefallen, ſondern Gottes Werk treiben zu ſeinem Dienſt und zu ſeiner Ehre.