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alles Feſte und Beſtehende, um mit heilloſer Willkür, mit der ganzen Anmaßung des Subjectivismus Alles in Frage zu ſtellen; oder da jeder Menſch, der ſeinen Blick ein wenig vom Irdiſchen, von der Materie aufrichtet, nach Nahrung für ſein Herz verlangt, wandte man ſich im Beſitz jener formalen Bildung wieder der Kunſt, zuerſt der antiken, dann auch der durch die antike befruchteten und genährten modernen Kunſt zu, ſuchte Be⸗ friedigung, wie wir das im Einzelnen ja täglich ſehen, in der äſthetiſchen Bildung und richtete weithin in unſern deutſchen Landen den Cultus des Genius auf. Doch weder der craſſe Realismus, der bei Allem erſt nach dem cui bono fragt, noch der ſubjektiviſtiſche Kriticismus, der ſein ô a05 G überall anſetzte, um mit ſeinen Zweifeln und Scheinbeweiſen alle Wahrheit und alles Beſtehende aus den Fugen zu heben, noch auch alle äſthetiſche Schwärmerei mit ihrem Götzendienſt vermochten dem armen, kranken Menſchenherzen Nahrung, Frieden und Seligkeit zu geben— und unſere höhere Schule ſtand unter dem Einfluß und in dem Dienſt ſolcher heidniſchen Bildung. Aber ſchon fängt durch die Gnade Gottes ein neuer Geiſt wie in der Kirche ſo auch in der Schule an ſich zu regen, der das Verlorne wiederzubringen ſucht, daß nun Familie, Schule und Kirche dem Dienſt des Herrn zurückgegeben anfangen ſich einander in Liebe und Gegenſeitigkeit des Wirkens zu nähern und zu verbinden. Soll jedoch ein wahrer Segen auf dieſer gemeinſchaftlichen Arbeit an unſerer Jugendbildung ruhen, ſo iſt noch dazu nöthig, daß jede von ihnen ihrer beſonderen, eigenthümlichen Aufgabe ſich bewußt vor Allem mit Treue für dieſe einſtehe, nicht aber ohne dringende Noth in das fremde Gebiet, wie es in unſern Tagen zum Theil geſchieht, ſtörend hinübergreife.
Die chriſtliche Schule mitten hineingeſtellt zwiſchen Familie und Kirche empfängt die Kinder wie aus erſter Hand aus dem mütterlichen Boden der Familie. Tritt nämlich das durch die Taufe in Chriſtum ein⸗ gepflanzte Kind in die Familie ein, ſo empfängt und umgiebt es zuerſt der Geiſt einer in Chriſto gegründeten, gottgeweihten Gemeinſchaft, in welcher es, wie ein geſundes Glied am Leibe, Theil hat an dem geheiligten Leben des Ganzen, welches es ſtill und unbewußt auf ſich wirken läßt, in welchem es wie die zarte Pflanze im warmen Sonnenlicht aufwächſt und gedeiht. Das Amt der Eltern an den Kindern, wozu ſie von Gott berufen ſind, iſt in ihren Kindern Chriſti Lämmer zu weiden, das Kind, das durch die Taufe dem Herrn angehört, ihm zu erhalten und nicht verloren gehen zu laſſen: es aufzuziehn in der Zucht und Vermahnung zum Herrn. Dabei gilt es nun vor Allem, das von Gott durch die Taufe in dem Kinde angefangene Gnadenwerk nicht aufzuhalten oder zu ſtören, ſondern die Seele des Kindes vielmehr durch Forträumung aller Hinderniſſe dafür zu öffnen und empfänglich zu machen, zu helfen, daß der in den Tod gegebene natür⸗ liche Menſch mit all ſeiner böſen Luſt und Neigung zur Sünde im Tode erhalten werde und täglich ein neuer Menſch aus ſolchem Tode auferſtehe. Wie friſch und fröhlich wächſt und gedeiht dann das Kind Gottes ohne menſchliches Zuthun von ſelbſt, daß wir nur voll Anbetung über die Wunderwerke Gottes ſtille zuſehen und des Herrn wunderbare Gnade preiſen müſſen. Das iſt die Aufgabe der chriſtlichen Erziehung, daß der geiſt⸗ liche Menſch wachſe, aber der natürliche abnehme; jener ſoll gelöſt werden dadurch, daß dieſer gebunden wird, damit das durch die Herrſchaft der Sünde entſtellte und verdunkelte Ebenbild Gottes an das Licht treten kann, In der Schule des Herrn zu wachſen, vom h. Geiſt ſich ziehen und züchtigen zu laſſen und ſeinen Eigenwillen Gott zum Opfer zu bringen im ſtillen, gläubigen Gehorſam— das ſoll an den Kindern wirken die chriſtliche Zucht der Eltern. Dabei lebt und wurzelt in der Familie das Kind mit der ganzen Innigkeit und Liebe,


