7
Erſt wenn unſre Schule als ein vom Geiſte Gottes getragenes, in der Liebe Chriſti verbundenes organiſches Ganze daſteht, dann erſt iſt ſie im Stande, die ihr angewieſene Aufgabe zu erfüllen, mit allen ihr beſonders zu Gebote ſtehenden Mitteln die Jugend zu bereiten und auszurüſten für ihren himmliſchen und irdiſchen Beruf.
Sobald nun der Knabe in eine ſolche Gemeinſchaft eintritt, ſo iſt es zuerſt der Geiſt der chriſtlichen Schule, der auf ihn einwirkt und ihn umgiebt, wie die reine Atmosphäre, in welcher der ganze Menſch wachſen und gedeihen ſoll. War es bisher und bleibt es auch ferner noch die Aufgabe der Familie, beſonders das innige Glaubens⸗ und Gemüthsleben der Jugend auszubilden und zu entfalten, ſo kommt nun auch die Schule noch mit ihrer Einwirkung auf das jugendliche Gemüth hinzu und übernimmt mit der Familie Hand in Hand und in enger Gemeinſchaft zugleich mit der Pflege des Geiſtes beſonders die Ausbildung des Willens und des Charakters. Die erſte Aufgabe der Erziehung aber iſt auch hier, wenn in Wahrheit jede Schule„ein Garten Gottes“ werden ſoll, den natürlichen Menſchen in Zucht zu nehmen, damit das Ebenbild Gottes im wiederge⸗ bornen Menſchen frei werden könne, und dieſe negative Aufgabe der Erziehung wird in unſern höhern Schulen um ſo nothwendiger, als theils in den Jahren der geſteigerten körperlichen Entwickelung der natürliche Menſch in ſeiner Blöße ſich mehr herauskehrt, theils aber auch beſonders in größeren Anſtalten die gleichſam korporative Gemeinſchaft, in welcher die Jugend dem Geſetz und der Schule gegenüber ſich befindet, durch wechſelſeitige Anregung dazu beiträgt, den böſen Geiſt des Ungehorſams und jeglicher Unſitte zu nähren. Ein ſolcher Geiſt der Sünde muß hier ſich brechen, muß in heiliger Scheu zurückweichen vor dem höhern Geiſt, der den ganzen Organismus der Schule trägt und bis in alle Glieder durchdringen ſoll. Gott iſt ein Gott der Ordnung und der Gerechtigkeit; es iſt ſeine Ordnung, die in unſerer Schule waltet, und ſeine Gerechtigkeit, die hier von uns gehandhabt wird. Das ſollen auch die Schüler früh empfinden und ſollen lebendig ſich bewußt werden, daß ſie in aller Ordnung unſerer Schule, in allen Geſetzen und auch Strafen ſich nicht dem Gutdünken und der Willkür ihrer Lehrer unterwerfen, ſondern daß ſie mit willigem Gehorſam und mit Selbſtverläugnung dem Willen Gottes und der von Gott eingeſetzten Ordnung ſich zu fügen haben, und daß jede Auflehnung heimlich oder offenbar, in Gedanken und Worten oder gar in der That eine Auflehnung iſt gegen Gottes Gebot. Aller⸗ dings ſoll ſolche Zucht, wie ſie der Menſch in der Kraft des h. Geiſtes ſein ganzes Leben an ſich zu üben hat, früh ſchon von innen heraus von jedem an ſich ſelbſt geübt werden, ſo daß der Wille des Gemüths in freier Uebereinſtimmung ſich befinde mit dem Willen des göttlichen Geſetzes, aber bis es dahin gekommen iſt, tritt noch das Geſetz, hier zwar der Schule, mit ſeinen Forderungen an ihn heran und kommt ſeinem eigenen ſchwachen Willen zu Hülfe. Daran bildet ſich dann in der Jugend die Fähigkeit, aus innerm Antrieb ſich ſelbſt zu verläugnen, dem höhern Willen, der Autorität ſich zu unterwerfen, und in ſolcher Fähigkeit wurzelt ſelbſt und reift die Kraft und Energie des ſittlichen Willens, die Feſtigkeit und Sicherheit des chriſtlichen Charakters.
Aber dieſe Aufgabe der Erziehung wird nicht nur an dem Geſetz, der Ordnung und dem Zuſammen⸗ leben der Schule, ſie wird auch an dem Unterricht, der Arbeit des Lernens und Zuſammenlernens geübt. Hier nämlich gilt es vor Allem, die dem natürlichen Menſchen angeborene vis inertiae auszutreiben, damit dafür friſche Arbeitsluſt und Arbeitskraft an die Stelle trete; die innere Zerfahrenheit und Zerſtreuung zu überwinden, damit der jugendliche Geiſt innerliche Sammlung und Spannkraft gewinne, und äußere wie innere
Unordnung und Haltungsloſigkeit zu entfernen, damit vielmehr eine feſte innere Haltung, Pünktlichkeit und 1*


