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veranstaltet hatten, verabschiedete sich Direktor Dr. Caesar am 8. Oktober in der Aula von der Schulgemeinde. Im Namen der Anstalt dankte Professor Prenzel ihm herzlichst für die uner- müdliche Treue gegenüber Lehrern und Schülern und verlieh dem tiefen Bedauern darüber, daß Direktor Caesar ihnen so bald wieder genommen worden sei, warmen Ausdruck. Die drei Worte
pietas, virtus, doctrina, schlichte Frömmigkeit, Mannestüchtigkeit, die sich in unbedingter Gewissen-
haftigkeit und vorbildlicher Hingabe an den Beruf beweist, sowie die auf Wissenschaft gegründete Kunst der Lehre, kennzeichneten ganz besonders sein persönliches und amtliches Wirken. Nicht minder stehe im Mittelpunkte seines Lebens und Strebens die Vaterlandsliebe. Er sei überzeugt, daß die Persönlichkeit des bisherigen Direktors einen dauernden Eindruck in der Geschichte des Wetzlarer Gymnasiums hinterlassen werde.
Am 15. Oktober übernahm Gymnasialdirektor Dr. Heep, der bereits früher 190 Jahre hier als Oberlehrer und zuletzt 3 ½ Jahre lang als Direktor am Kgl. Gymnasium in Marienwerder tätig gewesen war, die Leitung. Bei der Einführungsfeier begrüßte Professor Prenzel im Namen der Anstalt den neuen Direktor mit freundlichen Worten und sprach ein von ihm in gebundener Rede verfaßtes Gebet. Darauf hielt der Direktor folgende Ansprache:
Wenn ein Mann nach mehrjähriger Abwesenheit in die Heimat zurückgekehrt ist, dann findet er in unserer raschlebigen, auf dem Gebiete äußerer Kultur rasch fortschreitenden Zeit mancherlei Veränderungen vor. Das äußere Bild des Ortes hat sich vielfach verschönert, ist moderner, gefälliger geworden, während der alte Bestand, das innere Stadtbild im wesent- lichen dasselbe geblieben ist. Ahnliches findet er bei den Menschen. Die Jugend ist heran- gewachsen, hat sich kräftig entwickelt, und es wird dem Manne schwer, die einzelnen jungen Menschenkinder, die er früher genau gekannt hat, sofort wiederzuerkennen; aber unter den Erwachsenen, unter den Alten findet er manch bekanntes, befreundetes, ihm früher lieb gewesenes Gesicht.
Diesem Manne gleiche ich, oder vielmehr, ich bin es selbst. Auch hier sind in der Zeit meiner 3 ½ jährigen Abwesenheit nicht nur in der Stadt manche Veränderungen, Ver- schönerungen, Verbesserungen entstanden; auch die Stätte meiner früheren Wirksamkeit, unser Gymnasium, ist kraft der verständnisvollen Tätigkeit seines Leiters und semer kunst- sinnigen Amtsgenossen in den Innenräumen freundlicher, gefälliger, hübscher geworden; manches ist, der Neuzeit entsprechend, zweckmäßiger eingerichtet. Und wie finde ich die Menschen? Die damaligen Primaner und Sekundaner sind hinaus in die Welt gezogen, um sich zu einem Berufe vorzubereiten; aus meinen lieben, munteren und frischen Ober-Tertianern, die ich als Knaben zurückließ, sind ernst strebende, wackere Jünglinge geworden; und ich freue mich, gerade mit ihnen wieder in nähere Verbindung durch den Unterricht zu treten. In den meisten von Ihnen, meine verehrten Herren Kollegen, finde ich die altgeschätzten, ich darf wohl sagen, mir befreundeten Amtsgenossen wieder. Zwei Herren sind neu in das Kollegium als ständige Mitglieder eingetreten; in dem einen begrüßse ich einen alten Freund, in dem andern einen wackeren früheren Schüler von mir.
Und nun zu mir selbst. Es liegt, ich darf das sagen, eine arbeits- und erfahrungs- reiche Zeit hinter mir. Ich bin im fernen Osten im alten Ordenslande mit Menschen der verschiedensten Berufe und Lebensauffassungen in amtliche und gesellschaftliche Beziehungen getreten, ich habe Verhältnisse kennen gelernt, die von den hiesigen in manchen Stücken abweichen, ich hatte eine Anstalt zu leiten, deren Schüler sich durch gute Erziehung und durch eifriges, williges Arbeiten rühmlich hervortun, eine Anstalt, an der Männer wirken, die erfüllt sind mit Begeisterung für den Lehrberuf, Männer von echt preußischem Pflichtbe- wußtsein, mit denen zu wirken eine Freude war; ich hatte als Leiter eines pädagogischen Seminars junge Berufsgenossen in die Aufgaben des Amtes einzuführen, eine Tätigkeit, der


