Jahrgang 
1903
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Hermannsschlacht vorangegangen, die allerdings erst später veröffentlicht wurde. Selbst Goethe huldigte staunend der deutschen Volkskraft in einem Siegesfestspiel.

Nach dem Sieg und der Befreiung erlebte das deutsche Volk bittere Enttäuschung, aber gerade in der Zeit der Reaktion bildeten sich immer mehr das politische Interesse und die öffentliche Meinung. Wie lebhaft das deutsche Nationalgefühl allmählich geworden war, zeigte sich bereits 1840 in der Entrüstung und Begeisterung, die durch eine frevelhafte Kriegsdrohung Frank- reichs erzeugt wurde. Aus dieser Zeit stammen die Lieder:Sie sollen ihn nicht haben, den freien deutschen Rhein von Becker, ArndtsAlldeutschland in Frankreich hinein, Schnecken- burgers Wacht am Rhein, unter deren Klängen die deutschen Heere nach 30 Jahren wirklich in Frankreich eindrangen, HoffmannsDeutschland, Deutschland über alles. Namentlich das letzte Lied, das seitdem immer wieder erklungen ist, hat dem nationalen Gedanken geradezu grossartige Dienste geleistet. Die Worte:Einigkeit und Recht und Freiheit sind des Glückes Unterpfand bezeichnen die beiden Hauptziele, nach denen man im 19. Jahrhundert strebte, die selbständige Be- teiligung des Volkes am staatlichen Verfassungsleben und die politische Einheit. Jenes Streben führte nach mancherlei Kämpfen, Irrungen und Hemmungen, die das deutsche Volk mündig mach- ten, 1850 zur Einführung der verheissenen konstitutionellen Verfassung und des Parlaments. Nicht weniger stark war das Bedürfnis nach der Einigung der deutschen Stämme. Von Max von Schenkendorf, dem 1. Kaiserherold, zieht sich das Sehnen durch das Jahrhundert bis zum 18. Januar 1871, wo das Hoffen zu Versailles nach siegreichem Kriege schöner erfüllt wurde, als man geahnt hatte. Es war ein Segen, dass Friedrich Wilhelm IV. 1848 die Kaiserwürde abgelehnt hatte. Die Zeit war noch nicht reif dazu; Preussen musste sich erst die führende Stelle in Deutschland verschaffen. Was der deutsche Zollvereip, die Frankfurter Nationalversammlung und der norddeutsche Bund vorbereitet hatten, wurde 1870 und 71 auf dem französischen Kriegsschau- platze erreicht. Erst in Bismarck erstand dem deutschen Volke der Alexander, der den gor- dischen Knoten zerhieb, dereine Mann aus Millionen, der von Geibel ersehnteMeister, der, o Deutschland, dich erbaut. Unauslöschlich wird die Erinnerung daran bleiben, was der allgeliebte Kaiser Wilhelm J. und sein getreuer Bismarck, der grösste Mann des Jahrhunderts, dem deuischen Volke gewesen, dass sie uns das deutsche Reich geschaffen und die Kaiserwürde erneuert haben.

Ihnen danken wir, dass unser gemeinsames grosses Vaterland heute machtvoll als Hort des Friedens dasteht. Ein einziges Gefühl beseelte das ganze Volk bei dem Tode des allgeliebten Kaisers, bei dem Scheiden des ersten Reichskanzlers aus dem Dienste und nachher aus dem Leben. Der Deutsche fühlt sich jetzt und legt Wert auf seine Eigenart und seine Sprache. Und mit Recht strebt unser tatkräftiger Kaiser darnach, dass die deutsche Flotte ebenso stark und achtung- gebietend sei wie das deutsche Landheer, dass Deutschland auch nach aussen an Macht gewinne und immer mehr zu der Weltstellung gelange, die ihm gebührt. Die deutsche Volksseele ist wie Dornröschen erwacht. Und zu dem jetzt äusserst erregbaren Nationalgefühl gesellt sich schon immer mehr das Nationalbewusstsein und ein gesunder Nationalstolz, der hoffentlich immer mehr Berechtigung erhält. Mit einiger Einschränkung, aber sicher mit mehr Recht als einst Geibel können wir ausrufen:Und es wird an deutschem Wesen noch einmal die Welt genesen.

Das 19. Jahrhundert ist aber nicht nur ein nationales, sondern auch ein soziales. Nachdem Fichte, seiner Zeit vorauseilend, bereits im Jahre 1800 soialistische Ideen geäussert hatte, drang besonders in den dreissiger Jahren der Sozialismus aus Frankreich ein. Er sieht