Jahrgang 
1903
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Träger der Kaiserkrone, welcher, durchdrungen von den Pflichten seines Herrscherberufs, so tat- kräftig und unermüdlich für Deurschlands Grösse und Wohlfahrt eintritt. Möge jubelnde Be- geisterung aus allen Gauen des Landes ihm heute beweisen, dass die Autorität der Krone noch nicht geschwunden ist, wie der Monarch in düstrer Stimmung wohl einmal klagte. Scharen wir uns heute allesamt um seinen Thron mit dem Gelöbnis unverbrüchlicher Treue und dem Schwur: Allezeit treu bereit für des Reiches Herrlichkeit!

II.

Zu einer hochbedeutsamen Jubelfeier haben wir uns heute hier vereinigt. Wir feiern das zwei- hundertjährige Bestehen des Königreichs Preussen. Und in der Tat, es war ein höchst wichtiges Ereignis in der Geschichte unseres Vaterlands, dass am 18. Januar 1701 der brandenburgische Kurtürst Friedrich III. sich und seiner Gemahlin in Königsberg die Krone aufs Haupt setzte und inmitten der Würdenträger des Staats und der Stände von den Vertretern der Kirche feierlich zum König in Preussen gesalbt wurde.

Er erntete damit die Frucht von dem, was in fast 300 Jahren die Hohenzollern als Mark- grafen und Kurfürsten gesät hatten. Die Mark Brandenburg, das Herzogtum Preussen, die klevischen Lande und alle Landesteile waren nun unter einem gemeinsamen Namen zu einem Ganzen vereinigt. Und erst als Königreich nahm das vom Grossen Kurfürsten geschaffene Staatswesen wirklich eine würdige und freie Stellung dem Kaiser und den europäischen Mächten gegenüber ein. Die Hauptbedeutung der Rangerhöhung lag aber darin, dass sie eine Aufgabe für die Zukunft enthielt. Und die preußischen Könige haben diese Aufgabe verstanden. Nachdem der 1. König den Grund zur Grösse Preussens gelegt hatte, vollendeten seine Nachfolger das Werk so, dass wir uns heute mit Stolz und Freude als Preussen fühlen und mit Dank ihrer Arbeit gedenken.

Immer kräftiger breitete der Hohenzollernaar seine Schwingen. Immer mehr wuchs Preussen unter seinen neun Königen an Land, Macht, Ansehen und inneren Gütern.

Gegenüber der von Friedrich I. entfalteten königlichen Pracht hatte Friedrich Wilhelm I. das Verdienst, ein sparsamer Hausvater und der Begründer des preußischen Heeres zu sein. Ihm folgte der zugleich als Feldherr, als Staatsmann und als Denker geniale Friedrich II., der 2. Hohenzoller, dem die Geschichte den Beinamen des Grossen gegeben hat. Unter dem edlen Sohn seines Nachfolgers, dem Gemahl der unvergesslichen Königin Luise, erlebte Preussen seine Demütigung, aber auch seine Erhebung und staatliche Erneuerung. Friedrich Wilhelm IV. ragte sodann durch ideales Streben hervor. Wilhelm I. fügte zur Königskrone die Kaiserkrone und be- wies sich nicht nur als Kriegshelden, sondern auch als Friedefürsten. Allzufrüh sank sein ritter- icher Sohn Friedrich III. ins Grab. Seit zwölf Jahren erfreuen wir uns nunmehr der Regierung un- seres allverehrten Königs und Kaisers Wilhelms II., dem das deutsche Volk immer mehr Vertrauen und Liebe entgegenbringt.

Der weihevollen Stimmung und der geschichtlichen Bedeutung des heutigen Tages ent- spricht entschieden ein Rückblick. Die einzelnen historischen Tatsachen sind allerdings fast