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ein Held und grosser General; nach dem Falle von Metz verflucht ihn ganz Frankreich als Vaterlandsverräter; im Jahre 1888 verkünden Plakate an allen Anschlagsäulen den Parisern, dass er in Madrid„krepiert“ sei.„A Berlin, à Berlin!“ ruft die durch Siegeshoffnungen berauschte Menge den ins Feld ziehenden Truppen zu; so heisst sie die Politik ihres Kaisers gut, der schon in Russland und China, in Oesterreich und Mexiko den französischen Waffen zu glänzenden Er- folgen verholfen. Gegen den Geschlagenen von Sedan aber flammt der ganze unersättliche Hass der in ihrem Stolz verletzten Nation auf. Hätte er sich einen heldenhaften Abgang zu sichern verstanden, mit dem Tode im Schlachtengetümmel das hereingebrochene Unglück gesühnt, vielleicht hätte er einen zweiten Thiers gefunden, der die Napoleonische Legende wieder erstehen liess. So traf ihn die ganze Verantwortung auch für die Fehler der Nation; so ergossen sich über sein Haupt alle Schalen des Hohnes und Spottes. V. Hugo kann nicht Worte genug finden, um seiner Verachtung gegen„Napoléon le petit“, die Parodie des grossen Napoleon, Ausdruck zu verleihen. Aus dem Blutbad bei Sedan, dem Ringen zweier Völker um das Schicksal, so lesen wir in des Dichters„Année Terrible“, ertönt plötzlich der feige Ruf:„Je veux vivre!
Le canon stupéfait se tut, la méelée ivre
S'interrompit...— le mot de l'abime était dit.“
Et l'aigle noire ouvrant ses griffes attendit.
Und alle Helden Frankreichs von Karl dem Grossen bis
„Napoléon, plus grand que César et Pompée,
Par la main d'un bandit rendirent leur épée.“
In den Tagen des Sturmes bricht die leidenschaftliche Wildheit des Kelten wieder hervor, der gegen die Götter und die entfesselten Naturgewalten zu den Waffen griff; offenbart sich die ganze Selbstsucht und Grausamkeit des Romanen, dem Stiergefechte eine Augenweide sind. Dieser Geist der Zügellosigkeit zeugte die Schreckensszenen der Bartholomäusnacht und die blutigen Toll- heiten der Kommune, die Dragonaden und die Mordbrennereien in der Pfalz, feierte Orgien unter den disziplinlosen Banden der grossen Revolution. Da zeigt sich der Mangel an männlichem Mut, an Selbsterkenntniss und Selbstbeherrschung, Selbsthilfe oder Entsagung im Charakter des Franzosen. Würdelos ist die blinde Gehässigkeit, die sich nach dem Kriege von 70/71 in ge- meinen Schimpfreden Luft macht. Jede Verleumdung, jede Lüge scheint gegen die Deutschen erlaubt, die doch als ehrliche Gegner in einen ehrlichen Krieg gezogen sind. Lumpen, Banditen, Barbaren, germanische Horden, Schinder, Brandstifter, Kinder- und Frauenmörder, wilde Tiere, Ungeheuer mit Menschenantlitz, stinkendes Viehzeug: das sind noch die sanfteren Töne aus dem Register, welches französische Dichter und Novellisten spielen lassen. Charakteristisch für den Tom mancher dieser volkstümlichen Revancheerzählungen ist eine Unterhaltung wie die folgende:„Hast Du viele Preussen niedergemacht, Onkel?— Ja, viele.— Sind sie sehr hässlich?— Hässlicher als die Raupen.— Und sehr böse?— Böser als Nattern.— Ist es wahr, dass sie sich niemals waschen?— Doch, alle halbe Jahre einmal.— Hast Du viele Gefangene gemacht?— Nein, nie- mals.— Warum nicht?— Weil sie so schmutzig sind, dass man sie nur mit der Zange anfassen kann.— Was machtest Du mit ihnen?— len tötete sie, das giebt einen sehr guten Dung.“ Dass auch die Lyrik ähnliche Proben echt französischer Humanität in Fülle bietet, bedarf nicht der Erwähnung. Rasend vor Wut verkündet V. Hugo den Feinden Frankreichs ihren Untergang: „Wälzt Felsblöcke herbei, reisst das Pflaster auf; vergiftet die Brunnen, erschlagt die Schlafen-


