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eigne Wortschatz dem Hasse nicht Nachdruck genug verlieh, da man sich des elsässischen Spottaus- druckes für den Altdeutschen:„Schwob“ bediente. Den Wohlklang der deutschen Sprache empfindet der Franzose nicht, Deutsch reden gilt ihm soviel als Stroh hacken. Es ist ja natürlich, dass in Ro- manen und Novellen, die auf die breite Masse des Volkes wirken sollen, das Bild des Siegers als Karikatur erscheint. Der feinsinnige Alphonse Daudet vergleicht in seinem„Robert Helmont“ Trommel und Pfeife mit Kannibalenmusik, die nur würdig sei zu Kannibalentänzen aufzuspielen. Es kränkt ihn, daß die barbariſchen Kriegerhorden der Goten die schöne Heerstrasse der para- diesischen Isle de France ungestraft betreten dürfen. Wie Daudet, so erwirbt sich auch der Ge- lehrte Hippolyte Taine die Sympathien aller Chauvinisten, wenn er in den„Origines de la France contemporaine“ als spezifisch germanische Eigenschaften angiebt: ein kalter, schwerfälliger, der Kultur widerstrebender Sinn, Trunkenheit und Brutalität.
Kein heiligeres Gefühl als Liebe zum Vaterland! Und sicher ist der Franzose ein guter Patriot. Wie schlicht und ergreifend spricht dies Empfinden aus V. Hugos Gedicht„Choix entre les deux Nations.“ Nachdem er unter der Widmung„A l'Allemagne“ seiner Bewunderung für dieses Land Ausdruck gegeben, seine Grösse gepriesen, es als Hort der Gerechtigkeit und Vater- land der Helden, als Bezwingerin des zwiefachen römischen Jochs durch Arminius und Luther gefeiert, seine grünen Auen, blonden Gretchen, stolzen Ströme und gewaltigen Gebirge bewundert, vermag er in der Widmung„A la France“ vor bebendem Entzücken nur die Worte zu stammeln „O ma mere!“ Indes der Franzose steigert nur zu leicht alle seine Gefühle ins Masslose. Einsei- tiger, engherziger Patriotismus, der nichts anderes neben sich anerkennt, wird zum Chauvinismus, und der hat von jeher seine üppigsten Blüten in Frankreich getrieben. Die Enge des sich ab- schliessenden Nationalsinnes ist uns zuwider, die wir die Idee des Weltbürgertums vertreten, die der Wandertrieb auch in Gedanken gern zu fremden Gefilden führt. Der Franzose verlässt ungern die Grenzen seiner Heimat. Er kann im fremden Lande nicht beobachten, es hindern ihn seine mangelhaften Sprachkenntnisse oder die Unlust mit dem Fremden zu plaudern, der nicht gut französisch spricht. Daher behandelt er das Ausland mit Oberflächlichkeit; er kennt deutschen Geist und deutsche Sitten nicht, trotz des ausgleichenden Wirkens einer Mme de Staél, eines Grimm, trotzdem die Emigranten sich Jahre lang in deutschen Landen aufgehalten haben. Wie könnte sonst Gauthey de Latour in seiner Bearbeitung der Marseillaise dem„vermessenen Despoten“ König Wilhelm das Wort in den Mund legen:„Deutschland bin ich!“(eine Variation des herri- schen„l'Etat, c'est moi!“) und von Sklavendiensten des deutschen Volkes reden. Wie wäre sonst folgende Schilderung möglich, die sich in dem Roman„Le Brigadier Frédéric, histoire d'un Français chassé par les Allemands“ der bekannten elsässischen Schriftstellerfirma Erckmann- Chatrian findet. Sobald die Deutschen die Verwaltung der annektierten Provinzen in die Hand genommen, so heisst es da, versetzt ein Wagen die einheimische Bevölkerung in Aufregung. Ein Mann führt die vorgespannte Mähre am Zügel. Unter dem Leinendach des Wagens: ein von Schmutz starrender Hund und eine alte, runzliche Frau. Wie die Ameisen wimmeln im Stroh Kinder herum, die natürlich strohblond sind, und deren dicke Leiber den Kartoffelgenuss verraten. Die Frau sucht diesen Wesen das Ungeziefer ab. Die Zigeunerbande soll den Typus des deut- schen Beamten darstellen. In nicht enden wollender Reihe ziehen solche Wagen ein: Steuerbe- amte, Schreiber, Schullehrer, Förster, und alle brechen beim Anblick der fruchtbaren elsässischen Täler in laute Rufe der Bewunderung aus, können aber trotzdem im gelobten Lande die Erinne- rung an die Lumpenstrasse daheim nicht vergessen, d. h. sie bleiben knickerig und knauserig.


