Jahrgang 
1902
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beseitigt werden, insbesondere wird Fehlern gegen die Accentlehre bei der Beurteilung von Uber- setzungen in das Griechische eine entscheidende Bedeutung nicht mehr beigelegt. Der neben dem Griechischen in den Klassen Tertia und Untersekunda eingeführte Ersatzunterricht ist so ge- regelt, daß die betreffenden Schüler das Zeugnis über die Versetzung in die Obersekunda eines Realgymnasiums hier erlangen können. Das Gymnasium erhielt ferner die Berechtigung, diesen vom Griechischen befreiten Schülern Zeugnisse der wissenschaftlichen Befähigung zum einjährigen Militärdienst auszustellen. Der französische Unterricht hat in den Tertien eine Schwächung er- litten; die wöchentliche Stundenzahl ist von 3 auf 2 herabgesunken. Doch ist durch eine Ver- stärkung dieses Unterrichts in Obersekunda und Prima ein Ausgleich gewonnen. Gewandtheit im Sprechen und sicheres Verständnis der gangbaren Schriftsteller wird mit Nachdruck angestrebt. Der Vernachlässigung wichtiger Abschnitte der alten Geschichte soll durch Wiederholungen in der Prima entgegengearbeitet, aber auch eine eingehende Behandlung der deutschen Geschichte des 19. Jahrhunderts mit ihren erhebenden Erinnerungen und großen Errungenschaften in dieser Klasse durch richtige Beschränkung des übrigen geschichtlichen Lesestoffs gesichert werden, die Erdkunde eine ausgiebigere Fürsorge finden. Im mathematischen Unterricht der Tertien hat sich die zu knapp bemessene Stundenzahl(3 statt 4) nicht erhöhen lassen, doch ist nach dem Fortfall der Trigo- metrie und Stereometrie in Untersekunda das Gymnasium eher in der Lage, mit der Planimetrie der strengen Schulung des Geistes zu dienen. Wo sich ungesucht die Gelegenheit bietet, schon im Rechenunterricht der unteren Klassen, besonders aber im mathematischen Unterricht der oberen Klassen soll durch Anwendung der Wissenschaft in anderen, dem Schüler naheliegenden Ge- bieten des Lebens, der Erdkunde, der Physik die genaue Auffassung der räumlichen Be- ziehungen und Zahlenverhältnisse, der mathematische Sinn, geübt werden. Im naturwissenschatt- lichen Unterricht haben Anschauung und Versuch größeren Raum einzunehmen; die technische Seite der Physik ist zu berücksichtigen, auch die Witterungskunde in den Unterricht hineinzuziehen. Für Schüler der Quarta und Tertia mit schlechter Handschrift ist besonderer Schreibunterricht eingerichtet. Im Zeichenunterricht soll die Fähigkeit, das Angeschaute in rascher Skizze darzu- stellen, besonders geübt und dahin gewirkt werden, daß namentlich diejenigen Schüler, welche sich der Technik, den Naturwissenschaften, der Mathematik oder der Medizin zu widmen gedenken, auch in Sekunda und Prima an dem LZeichenunterricht teilnehmen. Durch wesentliche Ver- stärkung der Pausen wie durch ausgiebigeren Betrieb körperlicher UÜbungen ist der Gesundheit noch mehr als bisher Rechnung zu tragen. Die Abschlußprüfung vor der Versetzung nach Ober- sekunda fiel weg; nur die vom Griechischen befreiten Untersekundaner haben die genügende An- eignung der dem Ersatzunterricht gestellten Aufgaben in einer besonderen Prüfung nachzuweisen. Für die Versetzung der Schüler wurden neue Bestimmungen erlassen, welche unter II in dem gegenwärtigen Jahresbericht(Seite 22 u. 23) abgedruckt sind. Bei der bewährten Pflichttreue und verständnisvollen Hingebung der Lehrerschaft ist zu hoffen, daß die neu getroffenen Maß- nahmen, welche eine Weiterführung der im Jahre 1892 eingeleiteten Reform, in einzelnen Punk- ten jedoch auch eine Rückkehr zu früheren Einrichtungen bedeuten, dem Gymnasium und der ihm anvertrauten Jugend zum Segen gereichen werden.

Der Oberlehrer Brass, der während der Osterferien 1901 an einem naturwissenschaftlichen Ferienkursus in Göttingen teilgenommen hatte, übernahm seinen Untericht erst am 27. April.