Jahrgang 
1929
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Die Reifeprüflinge des vorigen Jahres ſind ihren erſtmaligen Entſchließungen in Bezug auf die Berufswahl treugeblieben. Hedwig Kämpfer iſt Oſtern ds. Is. in die Pädagogiſche Akademie in Frankfurt aufgenommen worden.

Einer von ihnen hat uns nach dem 1. Semeſter folgendes Zeugnis ſeines Studienprofeſſors überſandt:

Beſcheinigung!

Herr Stud. phil.......... ſtudiert ſeit einem Semeſter in Gießen Germaniſtik. Schon in dieſer Zeit iſt er durch ſeinen Fleiß und ſeine Kenntniſſe aufgefallen, die die des Durchſchnittsſtudenten weit übertreffen. Er hat eine aus geſprochene Begabung für das Studium von Sprachen, und mit Hilfe der guten Vorbildung, die er mitbrachte, und eines außergewöhnlichen Fleißes iſt er bereits auf eine Stufe wiſſenſchaftlicher Arbeit gelangt, die nur ſelten von ſo jungen Semeſtern erreicht wird. Für ſeine wiſſenſchaftliche Befähigung kann ihm das beſte Zeugnis ausgeſtellt werden.

Die Direktion des Deutſchen Seminars: Vietor o. Profeſſor.

Berufsberatung.

Es liegt weder im Intereſſe der Kinder, noch der Eltern, noch des Kauf⸗ mannsſtandes, wenn heute als Vorbedingung für den Eintritt in die Kaufmanns lehre die mittlere Reife verlangt wird. Die geiſtige Beweglichkeit, die die höhere Schule bis zu dieſem Zeitpunkt an Schulſtoffen vermittelt, kann der junge Mann bei geeigneter Führung auch als Lehrling erwerben, wenn er mit 14 Jahren in ein Geſchäft eintritt, und er hat vor dem höheren Schüler voraus, daß er ſich praktiſch im Anſchluß an das gegenſtändliche Denken der Volksſchule eher ein ſtellen kann, als der oftmals verbildeteEinjährige, der erſt wieder aus den abſtrakten Gefilden in die Wirklichkeit hinabſteigen muß. Drei Jahre koſtbare Zeit! Wieviel könnte da an geiſtigen Werten für den Beruf durch private Ar⸗ beit gewonnen werden! Von 14 Jahren ab kann dann der Junge ſchon Wirt⸗ ſchaftswerte mitſchaffen, die jetzt dem Volke verloren gehen, weil eine Überzahl von Schülern die Schulbänke drückt, um erſt eineBerechtigung zu erlangen. Sollte für die Weiterbildung in einem praktiſchen Beruf ein Mehr von wiſſen ſchaftlichen Kenntniſſen nachgewieſen werden müſſen, ſo müſſen Mittel und Wege gefunden werden, dem im praktiſchen Beruf ſtehenden jungen Menſchen dieſe Dinge zu vermitteln. Die Merkblätter für die Berufsberatung ſind von den Schülern gerne genommen worden. Bei der Berufswahl traten noch immer be⸗ deutend in den Vordergrund die Rückſicht auf die Wirtſchaftsverhältniſſe des einzelnen und die Frage nach der Möglichkeit, überhaupt irgendwo unterzukom⸗ men. Der Andrang zum Univerſitätsſtudium ſcheint nachzulaſſen; von unſeren

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