Jahrgang 
1854
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Es ſind dies die Männer, die i. J. 1573 abermals eine Kirchen⸗ und Schulviſitation in den Weimariſchen und Coburgiſchen Landen vornahmen, in Folge deren nach Rebhan p. 517. wenigſtens 70, nach Paullini p. 210. ungefähr 70, nach Müller S. 166. 95 Geiſtliche auf Befehl des Kurfürſten Auguſt, an den die Vi ſitatoren Protokoll und Bericht eingeſendet hatten, abgeſetzt wurden. Derſelbe Annaliſt berichtet noch, daßvor dem würcklichen Antritt der Viſitation 9 Superintendenten(darunter Barth. Roſinus in Weimar und Johann Altendorf in Eiſenach) und 7 Prieſter entlaſſen worden ſeien. Als Viſitatoren nennt er S. 164 folgende: 1) D. Iohannes Stösselius, geweſener Superintendent zu Heldburg, dann Professor Theologiae(in Jena) und zur ſelbigen Zeit Superintendent zu Pirna, 2) D. Fridericus Widebramus, damahls Paſtor zu Wittenberg, 3) D. Maximilianus Mörlinus, Superintendent zu Coburg, 4) M. nachgehends D. Martinus Mirus, Pfarrer und Superintendent zu Jehna, 5) Laurentius Lindemann und 6) Lucas Thangel, beede der Rechten Doctores und Raͤthe, 7) Wolff von Eichenberg und 8) Moritz von Heldrit zu Harras.

Rector der Eiſenacher Schule war damals Quirinus Biſſander.

Endlich iſt die letzte Beſtätigung dieſer Schulordnung im dritten Jahre des Rectorates des M. Valentin Weinrich ausgeſprochen in folgenden Worten:

Huic scholasticae legum constitutioni rationem docendi conformem, praeceptorum laude dignam diligen- tiam, et honestam morum disciplinam invenimus et deprehendimus, quod autographo nostro testamur. Actum Calendis Augusti anno Chri. 86.

Michaël Wirth D. Cancellarius. M. loh. Dinckelius pastor et superintend. Coburgensis ¹⁰).

Warum damals wieder die Approbation erfolgte, läßt ſich auf eine ſehr wahrſcheinliche Weiſe erklären. Kurfürſt Auguſt von Sachſen, Vormund der beiden Söhne Johann Friedrichs des Mittleren, Johann Caſimir und Johann Ernſt, denen die Herzogthümer Coburg und Eiſenach zugehörten, war am 11. Februar 1586 ge⸗ ſtorben; ſie waren mündig geworden und traten nun ſelbſt die Regierung an. Am 7. Februar des folgenden Jahres wurden ſie durch ihre Bevollmächtigten am kaiſerlichen Hofe zu Prag mit ihren Ländern belehnt.

Boktius leitet ſeine Schulordnung ſo ein: Nos quibus munus informandae pueritiae mandatum est, agno- scimus nos duabus potissimum curis omni studio incumbere debere, alteri ut studia puerorum provehantur, alteri ut mores eorum honeste regantur. Zu dieſem Behufe wird der ganze Cötus in vier Klaſſen getheilt und jeder ein beſonderer Lehrer und Lectionsplan zugewieſen. Der erſte Theil de cura provehendi studia pue- rilia fängt mit einer kurzen Einleitung an, in welcher als Aufgabe der Schule aufgeſtellt wird: doctrina pieta- tis, lingua latina et cum hac si fieri possit coniungenda lingua graeca. Die Löſung dieſer Aufgabe beruht auf einer ſtufenweiſe fortſchreitenden, dem Alter und der Faſſungskraft der Schüler der einzelnen Klaſſen ent ſprechenden Ausführung des Lectionsplanes. Dann folgt eine ſehr in das Einzelne gehende, Stoff und Me⸗ thode vorzeichnende Darlegung dieſes Planes.

Wenn nun auch Andreas Boktius neben ſeinen berühmten Zeitgenoſſen, Valentin Friedland Trotzendorf, Michael Neander und Johannes Sturm nicht genannt wird und nicht genannt werden kann, ſo verdient er doch wegen dieſer Schulordnung die Beachtung der Schulmänner.

Die von Luther ohne Zweifel mit Melanchthon's Zuziehung getroffene Schuleinrichtung vom Jahre 1528 und 1538 enthielt nur die erſte und allgemeine Grundlage, auf welcher von eigentlichen Fachmännern das ge⸗ lehrte Schulweſen weiter geführt und aufgebaut werden mußte. Eine Anregung, eine allgemeine Norm war ge⸗ geben; welche Lehrgegenſtände den höheren Schulen zugewieſen werden müßten, welchen allgemeineren Zweck ſie zu verfolgen hätten als den ihnen durch die Reformation vorzugsweiſe zugewieſenen einſeitigen, junge Leute für den Dienſt der Kirche heranzubilden, mußte ſich erſt nach und nach bei der Entwickelung des proteſtantiſchen Schulweſens zeigen. Individuelle Anſichten machten ſich geltend, ausgezeichnete Perſönlichkeiten ſteigerten nach ihren eigenen Talenten und Leiſtungen die Aufgabe. Andere beſchäftigten ſich damit, Methode in die Praxis

1⁰) Ueber Dinckel, der eine kurze Zeu Rector der Schule in Gotha geweſen war, ſiehe Geſchichte des Geyunaſtüms zu othn von Schulze S. 43 und 58.