Jahrgang 
1854
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was er in einem früheren Programme geſchrieben hatte, ſpäter ſelbſt berichtigt. Endlich findet ſich bei Paullini über M. Adam Biſſander, den Bruder und Nachfolger des Quirinus Biſſander(von 1580 1583), nichts, was auf Verfall der Schule hindeutet, wiewohl auch in den Notizen über dieſen wie über deſſen älteren Bruder eine gewiſſe Gereiztheit Paullini's ſich nicht verkennen läßt.

Es läßt ſich aber aus dem Schluſſe der von Andreas Boktius verfaßten Schulordnung, deren zweiter Theil in dem Folgenden mitgetheilt wird, nicht verkennen, daß er ſich gedrückt fühlte und über Uebelſtände zu klagen hatte. Ob die ſchlechte Beſoldung der damaligen Schulmänner oder das Drückende des geiſtlichen Inſpectorates oder Mangel an Unterſtützung der Schule von Seiten der Eltern oder unfreundliche und unbillige Urtheile über die Schule und deren Lehrer Veranlaſſung dazu gegeben haben, läßt ſich nicht entſcheiden.

Was den wiſſenſchaftlichen Standpunkt und die Leiſtungen der Schule betrifft, ſo faͤllt Paullini Annal. p. 245 ein ſehr ungünſtiges Urtheil über dieſelbe von der Zeit an, wo ſie vier Klaſſen hatte, bis auf die beiden Weinrich. Er ſagt: In quatuor tantum celasses secta olim erat schola. In quarta seu infima docebantur pueri legere et haesitanter declinare nomina, et haec classis aliquando ducentos capiebat. In tertia tradebantur catechesis Lutheri, declinationes et coniugationes: adultiores in ea preves sententias ex vernacula in lati nam vertebant linguam, quod hodie quartani nostri faciunt- Quavis hebdomade tres horae explicationi unici distichi Catoniani assignabantur. In secunda discebant catechismum latinum et regulas aliquot grammuti cales. Exponebantur simul versus nonnulli Virgiliaui. Nullus vero graeca poterat legere. Summum arti- ficium triennis seu quadriennis primani erat paragraphos aliquot in latinum seu ex hoc in vernaculum transtulisse sermonem. Logica et Rhetorica omnino ignota, saltem pauciores inde discessuri pro viatico levem praegustum de hac vel ista habebant, ut si veteris et nostrae scholae faciem intueare, insignem profecto differentiam deprehendas, primani si quidem tunc vix eos fecere progressus, duos iam tertiani. Als ſeine Quelle nennt er eine handſchriftliche Rede Borſtelmann's, der im Jahre 1656 Rector wurde. Im Allgemeinen mag dieſe Schilderung nicht unwahr ſein, im Einzelnen enthält ſie Uebertreibungen. Zuerſt paßt wohl das, was Paullini nach Borſtelmann meldet, nicht blos auf die Eiſenacher Schule, ſondern betrifft mehr oder weniger alle damalige Schulen. Sodann muß man wohl bedenken, wie ſeit der Reformation das ganze 16. Jahrhundert hindurch Theologie und theologiſch⸗kirchliche Streitigkeiten die Gebildeten namentlich in den ſächſiſchen Ländern vorzugsweiſe in Anſpruch nahmen, ſo daß auch die Schulen, die von der Kirche ganz und gar abhängig waren, dieſe Richtung nehmen mußten; merkwürdig iſt es, welche Bedeutung neben Witten berg eine Zeit lang Eiſenach in dieſer Beziehung gehabt hat*). Sodann iſt es wohl möglich, daß die Leiſtun gen der Schule unter einzelnen Rectoren geringer waren, als unter anderen. Was Heuſinger zur Entſchuldi gung des Quirinus Biſſander gegen Paullini geltend gemacht hat, iſt ſchon erwähnt. Ja es widerſpricht ſich Paullini, da er an der einen Stelle meldet, unter dem eben genannten Rector habe der geiſtliche Inſpector Iſo krates und Heſtod in der Schule erklärt, und an der anderen, kein Schüler habe das Griechiſche leſen können. Ferner beruft ſich gegen Paullini Heuſinger im Programme vom 27. März 1746: docendi ratio in schola lsenacensi ante nostra tempora usurpata hodieque probata c. lI. auf M. Chriſtoph Winer, deſſen ich ſchon einige Male Erwähnung gethan habe. Dieſer, aus Großlupnitz gebürtig, beſuchte von 1555 bis 1563 die Eiſe⸗ nacher Schule unter den Rectoren Andreas Bobtius und Friedrich Widebram, wurde ſpäter Conrector der Schule zu Gotha und hierauf Pfarrer in Sundhauſen). Daß er ein für ſeine Zeit tüchtiger Lateiner war, beweiſt ein Bändchen Reden und Gedichte, die er hat drucken laſſen. Auch von Heuſinger wird er vir suae aetatis doctissimus genannt. Ueberhaupt beſaß der Mann gute philologiſche Bildung. Seine lateiniſch geſchriebene Autobiographie, die er der Schulbibliothek im Manuſcripte geſchenkt hatte, hat noch Heuſinger benutzt und theilt daraus folgende Stelle mit: Decem annorum puer in ludum litterarium(Iscuacensem) abducitur. Primos hic inferioribus classibus in re grammatica et latina lingua discenda formatores habuit Sebastianum Noı

²) Für einen Theologen, der patriotiſches Intereſſe hat, wäre dies gewiß eine Aufgabe von wiſſenſchaftlicher Bedeutung Rebhan's historia ecclesiastica Isenacensis iſt für dieſen Gegenſtand von großer Wichtigkeit.

Siehe Rebhan p. 515.