Jahrgang 
1854
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die Schule einen Ephorus und einen Inſpector gehabt. Daß aber Roſinus wirklich inspector scholae war, erhellt klar aus dem, was Andreas Boktius in ſeiner Schulordnung, von welcher ſpäter die Rede ſein wird, be richtet. Roſinus hielt nicht nur monatliche Klaſſenprüfungen ab, ſondern wohnte in jeder Woche mehrere Male den Lectionen bei, und ehe der Rector die Geſetze den Schülern vorlas und erläuterte, was jährlich zweimal geſchah, trat der geiſtliche Inſpector auf, um in einer Anſprache den Schülern den Gehorſam gegen die Geſetze an das Herz zu legen. Auch übte er eine bedeutende Gewalt bei Handhabung der Disciplin aus und hatte überhaupt eine Stellung zur Schule, die einen Rector von nur einigem Selbſtgefühle drücken mußte. BoEtius war nach der Schilderung eines ſeiner Schüler, Chriſtoph Winers, von dem ich weiter unten ſprechen werde, serena fronte et affabili congressu amabilis, fügte ſich alſo wohl den Verhältniſſen. Sein Nachfolger dagegen, M. Friedrich Widebram, den derſelbe Winer censura gravi honorabilem nennt, war ſicherlich ein Mann von kräf⸗ tigem Charakter, da er ſich einer ſolchen Aufſicht nicht unterwerfen wollte 32). Als er ſein Amt antrat, kam Roſinus als Superintendent nach Weimar, und ſo trat wohl wieder das frühere Verhältniß ein, daß der Superin⸗ tendent der Ephorus der Schule war, ohne jedoch in die Thätigkeit des Rectors ſo einzugreifen, wie es Roſinus gethan hatte.

Zu allgemein gehalten und darum ungenau und in Uebertreibung ausartend iſt eine Stelle in Heuſingers Programm vom 4. April 1745: scholae lsenacensis restitutae initia atque incrementa cap. 5, die man zu⸗ nächſt zwar auf BoEtius, dann aber auch auf mehrere ſeiner Nachfolger beziehen muß. Nachdem er von der Umgeſtaltung der Schule durch Johann Friedrich und von den Verdienſten des Juſtus Menius geſprochen, fährt er ſo fort: Quae secuta sunt, illud, quod novis quotidie exemplis discimus, declararunt laborare scholas probe quamvis fundatas omnique alia laude florentes, nisi ii, quorum patrocinio tuendae sunt, ipsi quoque bonarum litterarum studiis plusque publicis quam suis commodis faveant. Postquam enim quem natura dederat vitae cursum peregit Joannes Fridericus, novi musei conditor, et iam antea vel aucto labori vel invidiae impar urbe cesserat Justus Menius, praeclari operis administer: tantum inde detrimenti cepit res scholasica, ut, nisi tempestiva subvenisset Jo. Casimiri et Jo. Ernesti, concordium per omnia fratrum pro- videntia, non ita facile restitui ea potuisset. Regendae enim disciplinae potestate ei, qui inde nomen habuit, erepta et alienae provinciae accessione facta non mirum est, si et docentium officia turbari et freni solvendi libido discentibus iniici coepit.

Allerdings geſchah unter und durch Johann Caſimir und Johann Ernſt viel für die Schule und unter den beiden Rectoren Valentin Weinrich(von 1583 1622) und ſeinem Sohne Jeremias(von 1622 1640) hob ſich die Schule, die nun fünf Klaſſen hatte, zu großem Rufe, allein was Heuſinger von Verminderung der Amtsgewalt des Rectors durch den geiſtlichen Inſpector ſagt, wiſſen wir mit Beſtimutheit zunächſt nur von Andreas Boktius, da ſchon deſſen Nachfolger Widebram ſich nicht beſchränken und einengen ließ. Von einem Verfalle der Disciplin unter Boëtius und gar unter dem kräftigen Widebram wird nirgend etwas gemeldet. Auch über Johann Purgold findet man nichts Ungünſtiges. Erſt unter deſſen Nachfolger Quirinus Biſſander (von 1566 1579) berichtet Paullini wieder von einem geiſtlichen Inſpector, dem Archidiaconus Georg Rhön, der auch abwechſelnd Iſokrates und Heſtodus in der Schule erklärt habe, und von Verfall der Disciplin. Heu⸗ ſinger weiſt aber in ſeinen Anmerkungen ſelbſt nach, wie andere Nachrichten über dieſen Quirinus Biſſander ſehr günſtig lauten, wie wenig Paullini hier Glauben verdiene, der aus einem perſönlichen Grunde Dinge von Biſſander berichte, die ſich nirgends beſtätigt finden; er ſagt ferner, wenn unter dieſem die S d was jedoch nicht zu beweiſen ſei, ſo liege die Schuld in den Zeitverhältniſſen; denn in dieſe Zeit fallen die Grumbachiſchen Händel und eine Peſt, die furchtbar in Eiſenach wüthete.; auch habe damals die Schule einen Ephorus gehabt, der wegen ſeiner Beſtechlichkeit habe abgeſetzt werden müſſen 4). So hat alſo Heuſinger das,

chule gelitten habe,

*) Paullini Annal, Isenac. p. 183: Widebramus noluit tolerare rivalem. Rector et Inspector coetus sui fidissimus Eben ſo in der dissert. de rectoribus etc.: anno MDL.VIIII. vocatus rector scholae Isenacensis(Widebramus), cui officio tribus annis dexterrime praefuit, inspector coetus sui fidissimus: alium quippe tolerare nolebat

*) Paullini Annal. p. 210 und 212, Rebhan p. 517