Auf M. Bartholomäus Roſinus, den von Melanchthon empfohlenen erſten Rector der ſeit dem Jahre 1544 verbeſſerten und aus vier Klaſſen beſtehenden Schola provincialis, welche aus der alten St. Georgen⸗ Schule hervorgegangen war, folgte Andreas Boeétius. Aus den Notizen, die Rebhan, Himmel, Paullini und Andreas BoEtius junior, ein Sohn jenes, der einige Jahre dritter Lehrer der Schule und dann Diaconus in Eiſenach war, über ihn mittheilen und die Joh. Mich. Heuſinger in den Programmen: priorum scholae Isena- censis rectorum vitae, scholae Isenac. conrectores und scholae Isen. praeceptorum reliquorum vitae, in ſeiner gewohnten Weiſe als tüchtiger Kritiker benutzt hat, ergibt ſich Folgendes:
Andreas BoEtius der Aeltere war zu Guben in der Niederlauſitz am 22. Januar 1525 geboren und in ſeinem 13. Jahre auf die Eiſenacher Schule gekommen, deren Rector ſein Bruder Sebaſtian war ¹). Im Jahre 1542 beſuchte er die Wittenberger Univerſität, wo er vier Jahre blieb 2). Von Juſtus Menius empfohlen wurde er an Chriſtoph Dürfeld's Stelle am 13. März 1546 dritter Lehrer der Eiſenacher Schule und etwa 1548 Juſtus Cotta's Nachfolger im Conrectorat. Darauf, als Roſinus ſein Schulamt aufgab und eine geiſtliche Stelle annahm, wurde Boktius am 4. September 1551 Rector der Schule. Dieſes Amt verwaltete er acht Jahre. Dann wurde er am 11. September 1559 zu einem Diaconat in Eiſenach berufen, ſtarb aber ſchon am 23. Oktober deſſelben Jahres.
Paullini ſagt in ſeiner dissertatiuncula de rectoribus scholae Isenacensis, die Heuſtnger hat abdrucken laſſen, von ihm: Primo officii anno pro docentibus et discentibus leges conscripsit, quibus auctarium addidit Widebramus, quasque visitatores, Amsdorfius, Schnepfius, Stolzius, Jo. Luther Vinariensis, et postea a. MDLXX. Fridericus Wangenheimius, D. Joannes Wigandus et M. Bartholomaeus Rosinus, nec non a. MDLXXXVI. D. Michael Wirth, cancellarius Coburg., et M. Dinckel, superintendens ibidem approbarunt. Certe schola altiora sub eo sumsit incrementa: doctus quippe erat, pius et sedulus, urbis et eximium praecipuumque decus. Quia vero gradu academico carebat, inspectorem scholae nactus est M. Bartholo- maeum Rosinum, qui quovis mense omnes quatuor classes(tot enim erant) institutis examinibus visitabat. Dieſe letzte Notiz hat etwas Befremdendes und ſteht auch in gewiſſer Beziehung mit dem eben ausgeſprochenen Lobe im Widerſpruche. Da man Boktius ſchon ſeit längerer Zeit als Lehrer kannte, ſo mußte man doch wohl wiſſen, ob er ſich zum Rector eignete oder nicht. Alſo darum, weil er nicht tüchtig genug geweſen, erhielt er den„inspectorem scholae“ nicht; auch meldet dies Paullini nicht, ſondern gibt als Grund an, daß Boktius keinen akademiſchen Grad gehabt habe.
Sollte dieſer Umſtand Zweifel über ſeine Befähigung veranlaßt haben? Es iſt dies nicht wahrſcheinlich und ich erkläre mir die Sache vielmehr ſo. Seit der Reformation übte der erſte Geiſtliche in Eiſenach eine Art von Ephorie über die Schule aus. Als nun Johann Weis, früher Diaconus, Superintendent geworden war, folgte ihm Roſinus im Diaconat und ihm, der ſich in ſeinem Schulamte ſo trefflich bewährt hatte, übertrug
man wahrſcheinlich die Inſpection der Schule, die eigentlich dem Superintendenten zugehörte. Sonſt hätte ja
¹) Siehe Beiträge zur Geſchichte der Schule. I. Th. S. 26. 2) Förſtemann Album Academiae viteberg. p. 194 wird unter den im Winterhalbjahre von 1541 zu 1542 Inſcribirten unter dem 21. April angeführt: Andreas Boktius Gubnensis.


