8
was wir in dieser Stunde des Abschieds fühlen, bringt trefflich das folgende Gedicht eines deut- schen Schülers zum Ausdruck: Fern, ferne im Osten, da gähnt ein Grab:; Da senkt man zu tausend die Toten hinab Für uns! Im Westen, da ragt manch Kreuz. schlicht und klein. Da liegen sie stumm in langen Reihn— Für uns! Und wo im Winde rauschet das Meer. Da gaben sie freudig das Leben her Für uns! Sie opferten Zukunft und Jugendglück. Sie kehren nie wieder zur Heimat zurück Für uns! Sie gaben ihr Alles, ihr Leben, ihr Blut. Sie gaben es hin mit heiligem Mut Für uns! Und wir? Wir können nur weinen und beten Für sie, die da liegen, bleich, blutig, zertreten Für uns! Denn es gibt kein Wort, für das Opfer zu danken; Ind es gibt keinen Dank für sie, die da sanken Für uns!
Habe Dank, du treuer Freund, für all das Gute, das du unserem Gymnasium erwiesen hast. Gott
schenke dir den seligen Frieden und spende deinen Angehörigen seinen reichen Trost! Dulce et decorum est pro patria mori.“
Im übrigen nahm das Schuljahr folgenden Verlauf:
Nachdem am 12. April die Aufnahmeprüfung abgehalten war. begann am 13. April nach einer gemeinsamen Andacht der Unterricht. Es traten 33 Schüler ein, und zwar in Ib. 1, in Il a: 1, in II b: 2. in III b: 1, in IV: 2, und in VI: 26 Schüler.
Am 14. April feierten wir am Schluß des Vormittags nachträglich den hundertsten
Geburtstag des Fürsten Bismarck. Herr Prof. Flex hielt die Festrede. Die in den Oster-— ferien anwesenden Schüler hatten an den am 1. April von der Bürgerschaft veranstalteten Bismarckehrungen, besonders an der Pflanzung einer Eiche aus dem Sachsenwalde, teilge- nommen. Der 21. April war der Tag, an dem vor 100 Jahren Karl August die Würde eines Großherzogs von Sachsen angenommen. hatte. Aus Rücksicht auf den Ernst der Zeit befahl jedoch S. K. H. der Großherzog von anderen als kirchlichen und schulischen Gedenkfeiern abzusehen und solche mit der Feier Höchstseines Geburtstages zu vereinigen.*)
Die Wiederimpfung der zwölfjährigen Schüler nahm Herr Medizinalrat Dr. Brauns am 3. Mai vor.
Der Schularzt, Herr Medizinalrat Dr. Sarnow, untersuchte am 3. Mai und am 5. No- vember die neueingetretenen. sowie die nach Untertertia und Obersekunda versetzten Schüler. Zu ernsteren Ausstellungen fand er keine Veranlassung. Auch Schulhaus und Turnhalle besichtigte er und wohnte einmal dem Turnunterricht bei.
Trotz des Krieges konnten wir ungestört am 10. Mai unter der Gunst herrlichsten Wetters unseren Maigang unternehmen.
Die Pfingstferien dauerten vom 22. bis zum 31. Mai.
Am 27. Mai starb in Eisenach der Vor gänger des Unterzeichneten, Herr Gymnasial- direktor a. D. Professor Dr. Hißbach, an den Folgen eines erneuten Schlaganfalls. Auch
*) Ostern 1915 erschien als Festschrift des Eisenacher Gymnasiums eine Abhandlung von Oberlehrer Karl Zugwurst unter dem Titel„Weimar und Preußen 1849— 1851“.


