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des 8. Juni(Fall von Przemysl), der 23. Juni(Einnahme von Lemberg), der 20. August(Er- oberung von Nowo Georgiewsk) und der 27. August(Besetzung von Brest-Litowsk). Vor der Entlassung der Schüler fand jedesmal eine kurze Siegesfeier statt.
Als Kriegsfreiwillige traten in das Heer oder in die Flotte ein der Obersekundaner Handschumacher, die Unterprimaner Erfurth und Weih und die Oberprimaner Arnold, zum Felde, Herbst, Mentzel, Nicolai, Patzer, Röttcher, v. Weißenborn und Wiesen. Den ge- nannten Schülern aus Obersekunda und Unterprima wurde die Reife für die nächsthöhere Klasse zugesprochen. Die Oberprimaner gingen mit dem Reifezeugnis ab. Die schriftliche Notreifeprüfung legten sie am 14. und 15. Juni ab, die mündliche am 17. Juni. Der damals erkrankte Abiturient Patzer unterzog sich am 26., 28. und 20. Juni der schriftlichen und am 30. Juni der mündlichen Prüfung. Den Vorsitz bei beiden mündlichen Prüfungen führte der Direktor. Am 10. März 1916 wurden die Unterprimaner Hartz, Köllner und Marquardt, der Obersekundaner Adams und der Untersekundaner Bierschenk als Rekruten in das Heer eingestellt. Auch ihnen konnte die Versetzungsreife zugesprochen werden.
Zu unserer großen Freude hatten einige ehemalige Schüler des Gymnasiums die Lie- benswürdigkeit, uns in der Aula von ihren persönlichen Kriegserfahrungen zu berichten. Am 28. August erzählte Herr Dr. med. Geibel, Stabsarzt d. R.(Abiturient Ostern 1806) viel Interessantes von den Kämpfen unseres 94. Regimentes in der Narewgegend. Herr Dr. Wal- ter Flex, Leutnant d. R.(Abiturient Ostern 1906) gab uns am 18. Dezember eine lebendige Schilderung von den Leistungen der Heeresabteilung Eichhorn. Am 20. Dezember teilte Herr Marinestabsarzt Dr. Krüger-Kroneck(Abiturient 1904) seine fesselnden Erlebnisse von den Fahrten des Hilfskreuzers„Prinz Eitel Friedrich“ mit. Allen drei Herren danken wir herzlich für ihre genußreichen Darbietungen.
Zur Linderung der Kriegsnöte steuerte unser im Kreuzgang hängendes Sammelkäst- chen M. 100 bei. Eine musikalische Schüleraufführung am 12. Dezember ergab einen Rein- ertrag von M. 55. Der Schülerturnverein beteiligte sich an der Zeichnung für die zweite und dritte Kriegsanleihe. Für die vierte Kriegsanleihe im März 1916 wurden von unseren Schülern 8300 M. gezeichnet und Beträge von insgesamt 125 500 M. geworben. Für ihren vaterländischen Eifer gewährte ihnen die Schule am 27. März einen freien Tag.
Auch entfalteten die Schüler eine rege Sammeltätigkeit für Kriegswohlfahrtszwecke. Während der sogenannten Reichsbuchwoche im Juni brachten sie etwa 350 Bücher als Lese- stoff für die im Felde weilenden Soldaten zusammen, im November stellten sie eine zweite Büchersendung fertig für die in japanischer Kriegsgefangenschaft befindlichen Deutschen. Am 24. August nahmen mehrere ältere Schüler an einer Haussammlung entbehrlicher Gold- und Silbergegenstände zugunsten hilfsbedürftiger Hinterbliebener gefallener Krieger teil. Am 2. Februar 1916 wirkten die meisten Primaner mit bei der Haussammlung freiwilliger Geldbeiträge zum Vorteile des„Roten Kreuz es“.
Nach den Großen Ferien begannen die Schüler aller Klassen zur Vermehrung des Goldbestandes der Reichsbank nach Goldmünzen zu suchen. Da sie in drei Wochen über 2400 M. Gold in Papier eingetauscht hatten, bekamen sie als Belohnung am 13. September einen halben Tag frei. Die immer weiter fort gesetzte Sammlung hatte bis Anfang März ein Ergebnis von 3720 M. Das Unternehmen leitete Herr Dr. Preuß, dem anfänglich die Herren Prof. Heydenreich und Fleischer zur Seite standen.
Zum Weihnachtsfeste schickten alle Schüler entweder einzeln oder mehrere zusam- men an 92 bedürftige Krieger Pakete. Mancherlei Dankesbezeugungen sind ihnen von den erfreuten Empfängern zugegangen, mit denen sie weiter in Verbindung geblieben sind. Dieses Zweiges der Kriegsfürsorge hat sich außer dem Unterzeichneten vor allem Herr Professor Flex angenommen.
Das Schülerorchester spielte wiederholt in hiesigen Lazaretten.


