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I. Geschichte.
Auch das verflossene Schuljahr stand unter dem Zeichen des Krieges. Für die Schule galt wie für das ganze deutsche Volk die Losung„Durchhalten“. Trotz der Unruhe der Zeit und trotz erheblicher Verminderung der Lehrkräfte ein arbeitsfähiges, pflichttreues, an Körper und Geist starkes Geschlecht für die großen Aufgaben der Zukunft heranzubilden, war eine dankbare, aber nicht leichte Aufgabe für die in der Heimat gebliebenen Jugenderzieher. Von den Lehrern unserer Schule erfüllten drei die Ehrenpflicht im Heere. Die Herren Ober- lehrer Zugwurst und Oberlehrer Dr. Dietrich standen seit Beginn des Schuljahres bei den Fahnen, kurz vor Schluß der Sommerferien wurde auch Herr Oberlehrer Dr. Koch einbe- rufen. Infolgedessen waren 62 Unterrichtsstunden zu besetzen. Herr Prof. Dr. Kühner, Oberlehrer am hiesigen Realgymnasium, hatte wiederum die Güte, den französischen Unter- richt in der Prima zu übernehmen. Für den erneuten Beweis seiner Hilfsbereitschaft und für seine treue Mühewaltung sei ihm der aufrichtigste Dank ausgesprochen. Für den latei- nischen Unterricht in Obersekunda und Untertertia, sowie für den deutschen in letzterer Klasse hatte sich Herr cand. phil. Böttger aus Eisenach freundlichst zur Verfügung gestellt. In die übrigen 45 Stunden teilten sich neben dem Unterzeichneten die Herren Flex, Helm- bold, Heydenreich, Preuß und Fleischer. Durch Vereinigung der Primen in den meisten Fächern und der Tertien in Religion und in Geschichte-Erdkunde war es gelungen, Lehr- kräfte für Aufgaben in anderen Klassen freizumachen. Die Freudigkeit, mit der alle Herren sich zu zeder Vermehrung ihrer Pflichten bereit erklärten, verdient rühmend hervorgehoben zu werden. Infolge dieser selbstlosen Anspannung ihrer Berufstätigkeit waren wir in der agt. bei ganz geringfügigen Einschränkungen der Stundenzahlen*) die Klassenziele zu er- reichen.
Auch anderen Schulen Eisenachs liehen unsere Amtsgenossen ihre Hilfe. Am Ende des vergangenen und am Anfang des laufenden Schuliahres vertraten die Herren Zimmer- mann und Hoßfeld einen eingezogenen Mathematiklehrer der Sekundarschule. Die Herren Fleischer und Dietrich hatten im letzten Vierteliahr des Schuljahres 1914/15 mit ihrer ge- schichtlichen Lehrbefähigung am Großh. Semünar ausgeholfen.
Unsere Schüler bemühten sich auch unter dem Druck der Kriegsverhältnisse ihre Schulpflichten in derselben Weise zu erfüllen wie in friedlichen Zeiten. Sicherlich wurde ihre Willenskraft durch die verschiedensten Hemmungen auf eine harte Probe gestellt, aber sie haben sich, Gott sei Dank, als ein widerstandsfähiges Geschlecht erwiesen.
Eine ausführliche Darstellung der Einwirkungen des Krieges auf das Schulleben muß
einer nach dem Kriege geplanten, alle höheren Lehranstalten des Großherzogtums umfassen- den Denkschrift vorbehalten bleiben.
In Kürze sei nur folgendes erwähnt: Aus Anlaßz der glänzenden Waffentaten der deutschen oder verbündeten Heere waren schulfrei der 4. Mai(Durchbruch Mackensens bei Tarnow-Gorlice), der Nachmittag
*) In der Oberprima wurde mit Genehmigung des Großh. Staatsministeriums nach der Notreifeprüfung der deutsche Unterricht auf 2, in der Untertertia der französische zeitweilig auf 2 Stunden herabgesetzt.


