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in der Tat im Gegensatz zu der Vorrede G keinen Bezug auf ein vorausgehendes Reim- werk, sondern meint nur, die Empfängerin als seine Fürstin könne wohl ein Werk in gebun- dener Form erwarten(Str. 20 f.):
Anna die lantgrafynne Nu Sulde dis buch geschreben syn hat dießer Rronichen begert, gar Rostlich unde gur reyne, die erluchte fürstynne, das zemete wol der frawen myn;, unde ist dießer arbeit wol wert dieße gabe ist zwar zu eleyne.
Schließlich muß ich noch einem Finwand begegnen, der zwar nicht erhoben worden ist, aber erhoben werden kann. Die hs G bricht nämlich mit Bl. 190 plötzlich ab, läßt etwa zwei Seiten leer und fährt dann ohne Zusammenhang mit dem Vorhergehenden fort. Die vorausgehende Darstellung nimmt auch z. T. das nachher Erzählte vorweg, enthält aber arge Widersprüche, nennt z. B. als Erbauer der Wartburg Ludwig den Bärtigen, den Karl der Große ausgesandt hätte. So könnte man sagen, nur bis zu der Lücke gehöre die Chronik zu der Rotheschen Vorrede, das Ganze sei ungeschickt aus Zwei Chronikteilen zusammen- gesetzt. Aber die Sache erklärt sich einfach Sso. Dem Schreiber Schlorf, der ia neben der Chronik G noch allerlei Stoff aus der thüringischen Geschichte bringt, lag auch die kleine Schrift von der Bekehrung der Thüringer und dem Landgrafengericht vor, die in lateinischer Fassung bei Mencken I, 834 ff. und in deutscher, aber von der unsrigen abweichender Gestalt ebenda S. 851 ff. und ferner deutsch durch v. d. Gabelentz in Ztschr. f. th. G. 6(1865) S. 238 ff. abgedruckt ist. Mochte nun Rothe der Verfasser oder Ubersetzer sein— was bei dem rechts- kundigen Rothe gar nicht so unwahrscheinlich ist— oder mochte es ein anderer sein, jeden- falls beschloß Schlorf, die kleine Schrift an geeigneter Stelle in die Chronik G einzufügen, und da sie ihm nicht zur Hand war, ließ er einen ihm genügend érscheinenden Raum frei, Nach der Aufnahme jener kurzen Geschichte erwies sich aber der frei gelassene Raum als zu groß und es blieben noch etwa zwei Seiten leer.*⁵a)
Es ergibt sich also: Johannes Rothe hat, etwa im Jahre 1418 oder 1419, eine deutsche Landgrafengeschichte verfaßt und sie durch eine gereimte Vorrede dem damaligen Amtmann auf Wartburg, Bruno von Teutleben, gewidmet.
III. Die Chronik Kr. 1.
Es gibt noch eine dritte deutschgeschriebene Chronik Eisenachs und Thüringens, die aus jener Zeit stammt. Es ist die oben schon(von Petersen) erwähnte, von Schöttgen und Kreysig Dipl. et Script. Hist. Germ. I S. 85 ff. als Chronicon Thuringicum herausgegebene. Sie geht bis zum Jahre 1400. Nach dem Herausgeber Kreysig nenne ich sie Kr. Sie ist u., à. erwähnt bei Witzschel, Germ. XVII S. 146, in desselben Abhandlung„Uber das Leben der hl. Elisabeth von Joh. Rothe“ in der Ztschr. f. th. Gesch. 7(1870) S. 378, im Literaturverzeich- nis zu Wencks Altester Geschichte der Wartburg im Wartburgwerk, ferner ist sie für die Eisenacher Ortsgeschichte benutzt worden, zuletzt von mir in„Straßennamen u. a. Ortsbez.
25a) Für ein Einschiebsel Schlorfs oder eines früheren Schreibers halte ich auch eine kleine Stelle auf Blatt 252, die sich— ein seltener Fall— in G ganz allein findet: Da ginę(1251) frawe Sophia czu demée thore czu ysenache, also die stat vor or czugeslossen was, vnde hyesch yn vnde da man sie nicht in lassen wolde, da nam ste eynée ax vnde hyw en ſin) sente jeotigen thor das män die warczeichen co fate sach in das eichene hollz. Als Rothe lchrieb, waren seitdem noch keine 170 Jahre vergangen. Offenbar hat es ein Abschreiber aus der örtlichen Ueber- sieferung hinzugefügt.


