5
ferner die Gedichte Von der forstin rätgebin und Der Rittersbiegel.“) Die Schrift von des Rates Zucht ist, wie F. Bech nachgewiesen hat, dem Reinhard Pinkernail gewidmet, der seit 1384 im Rate saß, 1380, 1304 und 13098 Ratsmeister war und 1402 Zzum letz- tenmal als Ratsherr genannt ist. Die Abfassung dürfte demnach in Rothes Stadtschreiber- jahre fallen, etwa in das letzte Jahrzehnt des 14. Jahrhunderts.
In der Vorrede zu der älteren, kürzeren Thüringer Chronik ¹⁹) finden sich die Worte:
Sidlir mich begunde
Nach woltat abir dorstin
. Ich sammente als ich hunde
Zeweèei buchir ouch den forstin. Unter diesen zwei Büchern kann man wohl die beiden Gedichte„Von der Fürsten Ratgebern“ und„Der Ritter Spiegel“ verstehen, doch hat Petersen ¹¹) beachtenswerte Gründe dafür an- geführt, daß der Ritterspiegel nicht fürstlichen Personen, sondern der jungen KRitterschaft gewidmet sei. Dann wäre das zweite den Fürsten gewidmete Buch irgend ein anderes, viel- leicht uns unbekanntes. Wir wissen nur von einem späteren Werke bestimmt, daß es in fürstlichem Auftrag verfaßt ist. Das ist die erwähnte Dürin gische Chronik. In den Akro- stichen der Vorrede und des Werkes selbst nennt er seine Auftraggeberin, die Landgräfin Anna, und das Jahr der Abfassung 1421. Das Buch ist danach noch bis 1440 weitergeführt worden, aber wohl von anderer Hand, auch bis zu Rothes Todesjahr 1434. Dieser großen Chronik geht eine kürzere voraus, die oben schon erwähnt ist und von der noch weiter die Rede sein wird.
Der späteren Zeit seiner schriftstellerischen Tätigkeit gehört wohl auch das gereimte Lebenderhl. Elisabeth ¹²) an. Rothe verehrte, wie schon die Düringische Chronik erken- nen läßt, mit Hingebung die Heilige, der ja auch sein Altar in der Frauenkirche gewidmet war. Freilich ist das Gedicht kaum eine Dichtung zu nennen, sondern eher gereimte und ver- wässerte Prosa. Besser ist ein Gedicht ähnlicher Art. Es ist genannt das Buch von der Passion Jesu Christi, jedoch haben wir nur ausgezogene Teile des Ganzen, die Leidensgeschichte Christi selbst fehlt ganz. Erhalten ist die Sage vom Leben des Judas Ischarioth, ein Abschnitt von der ersten Münze und den 30 silbernen Pfennigen, die Pilatus- legende und eine Schilderung der Zerstörung Jerusalems. ¹³)
Im ganzen scheinen die juristischen Schriften der früheren Zeit, die sittlich belehren- den der mittleren, die erzählenden Darstellungen aus Legende und Geschichte den Alters- jahren Rothes anzugehören. Was ihn am frühsten und am weitesten bekannt gemacht hat, ist seine Tätigkeit als Chronist. Und doch ist gerade diese Tätigkeit umstritten. Daß die Düringische Chronik, nach dem Herausgeber Liliencron der Kürze halber L. genannt, auf Rothe zurückgeht, kann natürlich niemand mehr in Zweifel ziehen. Dagegen will man die kürzere Thüringer Chronik noch nicht allgemein als das Werk unseres Chronisten gelten lassen. Des- halb seien zunächst ihr einige Ausführungen gewidmet.
8) Herausgegeben mit der nächstgenannten Schrift vereinigt von Vilmar unter dem Titel„Von der stete
ampten und von der fursten ratgeben usw. Marburg 1835. Eine kritische Neuausgabe nach besserer Handschrift plant Herr Dr. A. Heinrich in Tempelhof-Berlin.. 9) Das Bruchstück eines Gedichtes Von den eygin kunsten(= Handwerken, Petersen S. 19) weist
Bech ebenfalls unserm Rothe zu, ohne es freilich des Näheren beweisen zu können. Der Ritterspiegel ist ab- gedruckt von K. Bartsch in den„Mitteldeutschen Gedichten“(Bibl. d. lit. Vereins 53. Stuttgart 1860 S. 98 ff.).
1⁰0) Handschr. der Herzogl. Bibl. in Gotha, s. u.
14) A. a. O. S. 38 ff.
12) In sehr schlechter Uberlieferung gedruckt bei Mencken Scriptt. rer. Germ. II S. 2033 ff. Vgl. dazu A. Witzschel Ub. das Leben d. heil. Elisabeth von Joh. Rothe in der Ztschr. des V. f. thür. Gesch. u. A. 7(1870) S. 361 ff.
13) Johannes Rothes Passion, mit einer Einleitung und einem Anhange herausgegeben von Alfred Heinrich, Breslau 1906.


