Jahrgang 
1904
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besteht, von denen der erste, 30 Artikel umfassend. die wesentlichsten Privilegien und Freihbeiten enthält, während der zweite, aus 7 Artikeln bestehende, teils nur Wiederholungen, teils aber auch Zusätze bietet, die sich namentlich auf die Rechtsverhaältnisse der Fremden und der Juden beziehen. Schon äusserlich verrät dieser zweite Teil seinen jüngeren Ursprung dadurch, dass in der lateinischen Original-Urkunde zwischen ihm und den 30 ersten Artikeln die landesherrliche Bestätigung Landgraf Albrechts steht, inhaltlich kennzeichnet er sich als Zusatz teils durch die Wiederholung von schon dagewesenem, teils durch die eben erwähnten Bestimmungen über Fremden- und Juden-Recht, die sich aus weiterer Entwickelung des städtischen Verkehrs seit der ersten Verleihung erklären.

Nun zum Inhalt des jus municipale selbst.

Die wesentlichste Bestimmung enthält zunächst Artikel 2: quicunque nostram civitatem(Eisenach) per annum unum et diem inhabitaverit, non requisitus ab aliquo, liber civis semper habeatur; das ist nichts anderes, als der altgermanische Grundsatz, der sich in allen Stadtrechten, im Kölnischen, wie im Magdeburgischen und Lübischen findet:Stadtluft macht frei, nur mit der Modification, dass das Aufhören einer etwa vorher bestandenen Untertänigkeit hier nicht unmittelbar, wie wohl sonst, an das Betreten des städtischen Weichbildes geknüpft wird, sondern abhängig gemacht ist von dem Aufenthalt während der Dauer eines Jahres und eines Tages in der Stadt und zwar weiter auch noch unter der Bedingung, dass innerhalb dieser Frist keine requisitio, keine Reklamation seitens des früheren Herrn, erfolgt.

Hieran schliessen sich als besondere Freiheiten und Privilegien der Eisenacher Bürger in einer Reihe von Abschnitten ¹) der ursprünglichen Urkunde wie des Zusatzes die Zusicherung der Freiheit des Kaufes und Verkaufes von Grundbesitz seitens der Bürger[Art. 1: quilibet ad nostram civitatem Vsenach accedat... possessionem et omnia bona sua tam hereditaria quam feudalia, secundum beneplacitum suum vendat], das wertvolle Privileg des Asylrechts der Bürgerhäuser[Art. 6: si aliquis burgensium, quacunque necessitate ingruente, domum vel curiam comburgensis sui intraverit, in fugam conversus illaesus et absque omni gravamine manebit, sed hospes pro ipso respondebit], sowie die Bestimmung, dass der Besitz rechtlich verurteilter Bürger unangetastet in den Händen der leib- lichen Erben verbleiben muss, also eine Konfiskation nicht eintreten darf[Art. 3: si perpetrator

homicidii aut vulneris.... aufugerit, uxor ejus et liberi per circualum unius anni et diei... possessionem illaesam tenebunt.... Art. 4: si quis.... commiserit, aedificia sua non sunt de- struenda, sed omnibus modis illaesa permanebunt. Art. 22: si quis... morte damnatur, uxor ejus

et liberi omnia bona tam propria quam hereditaria, obtinebunt in possessione pacifica et quieta]. Damit im nächsten und unmittelbarsten Zusammenhang stehen die Bestimmungen einer weiteren Reihe von Artikeln, enthaltend erstens die Befreiung vom Geleit innerhalb der Grenzen der Land- grafschaft[Art. 28: cives nostri de Isenach in tota terra Thuringia penitus exemti sint ab omni ducatu in negotiis suis peragendis. Sed si ultra Salam perrexerint, extra terminos terrae dimidium ducatum solvent. Dazu Art. 31: nemo ducatum alicui ad civitatem nostram Isenach venienti prae- beat, nisi fuerit de licentia nostrorum burgensium et bona voluntate, und Art. 9: quicumque extrane- orum vel advenientium emit in praefata nostra civitate vina frumentum bernas(?) cerevisiam vel hujus- modi res mobiles, talis negotiator non dabit ducatum, sed theloneum, sicut ab antiquis est consuetum,

¹) Ich gebe den Inhalt des Jus municipale nicht nach der Reihenfolge seiner Artikel, sondern habe die inhaltlich zusammengehörigen Paragraphen zusammen geordnet.