Jahrgang 
1899
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stimmtheit einen moralischen Fortschritt der Menschheit. Fries hält einen Fortschritt hier durchaus nicht für unmöglich, wenn auch weder für notwendig noch für unbedingt stetig.

Für notwendig nicht, denn dann würde die Sittlichkeit aufhören ein Werk der Freiheit zu sein. Wahre Sittlichkeit kann nicht das Erzeugnis äusserer zwingender Kräfte sein. Zwar wider- streitet Notwendigkeit an sich nicht der Freiheit, wohl aber Naturnotwendigkeit; und um diese handelt es sich hier., da nicht unser ewiges, sondern unser endliches Sein dabei in Frage steht. Mit den Naturgesetzen steht die Freiheit in Widerspruch, also kann die Sittlichkeit nicht ihnen unter- worfen gedacht werden. Wohl aber kann und soll sie eine Aufgabe sein, die der Mensch sich selbst zu stellen hat und deren Ausführung in seine Hand gelegt ist.

Für stetig nicht, denn jedes Zeitalter und jedes Volk kann sittlich tüchtig sein, wenn es nur ernstlich will, und das Ende aller Geschichte bat darin nichts voraus vor den vorhergehenden Zeit- altern. Eine Heiligung des Menschengeschlechts vollends nach Fichte'schem Weltplan ist von vorn- herein ausgeschlossen als der Natur des Menschen hier auf Erden unerreichbar.

Dies die in den wesentlichen Punkten nahe zusammengehenden Ansichten zweier grosser Forscher. Von verschiedenen Seiten ausgehend gelangen sie zu der nämlichen Auffassung, einer Auffassung, die dem Historiker die Freude am Forschen nicht nimmt, sondern sie weckt, die uns nicht zu dem Dünkel der Erhabenheit über unsere Ahnen reizt, aber auch nicht zu der kleinmütigen Vorstellung herabbeugt, dass wir geringer und schlechter seien als unsere Enkel.

Denn jede Zeit kann eine Zeit sein der Erfüllung, wenn man sie nur durch gute Thaten dazu macht. Und getrost mit unserem Schillen:

darum rufen wir

Wir, wir leben, unser sind die Stunden Und der Lebende hat Recht.

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