18 eigene Tendenz, wie Ranke es gern nennt, und der Fortschritt besteht nicht darin, dass in jeder Epoche das Leben der Menschheit sich höher potenzirt, sondern darin, dass eine gewisse Bewegung des menschlichen Geistes in jeder Periode sich darstellt, welche bald die eine, bald die andere Seite menschlichen Strebens und Könnens hervorkehrt. Wäre das erstere der Fall, so würden, wie Ranke mit Sehr bezeichnendem Ausdruck sagt, die früheren Generationen gleichsam mediatisirt werden und für sich eine Bedeutung nicht haben. Sie würden nicht in unmittelbarem Bezug zum Göttlichen stehen, während er behauptet, dass jede Epoche unmittelbar zu Gott sei und ihr Wert gar nicht berube auf dem, was aus ihr hervorgehe, sondern in ihrer Existenz selbst, in ihrem eigenen Selbst. Dadurch bekomme die Betrachtung der Geschichte und zwar des individuellen Lebens in ihr éeinen ganz eigentümlichen Reiz, indem nun jede Epoche als etwas für sich Giltiges angesehen werden müsse und der Betrachtung höchst würdig erscheine.
Diesem Zug seines Herzens zu liebevoller Versenkung in das einzelne Volksleben, gleichviel welche Staffel es auf einer geträumten Leiter der Vollkommenheit einnimmt, wenn es nur kräftig bewegt, bedeutend und eigenartig ist, hat Ranke den schönsten Ausdruck gegeben, nicht in diesen Vorträgen vor König Max, sondern in einem nachgelassenen Bruchstück, das uns der Herausgeber unserer Vorträge dankenswerther Weise in der Vorrede mittheilt.„Um den wahren Historiker zu bilden, heisst es da, sind meines Bedenkens zwei Eigenschaften erforderlich: erstlich eine Teilnahme und Freude an dem Einzelnen an und für sich. Hat man eine wirkliche Neigung zu dem Geschlecht dieser vielgestaltigen Geschöpfe, aus welchen wir selber sind, zu diesem Wesen, das immer das alte und immer wieder ein anderes, das so gut und so bös, so gebildet und so roh, so sehr auf das Ewige gerichtet und dem Augenblick unterworfen, das su glücklich und so unselig, mit Wenigem befriedigt und mit Begier nach Allem: hat man Neigung zu der lebendigen Erscheinung des Menschen schlechthin, so wird man ohne allen Bezug auf den Fortgang der Dinge sich daran erfreuen, wie er allezeit zu leben gesucht; man wird mit Aufmerksamkeit die Tugenden, denen er nachge- trachtet, die Mängel, die an ihm zu spüren, sein Glück und sein Unglück, die Entwickelung seiner Natur unter mannigfaltigen Bedingungen, seine Institutionen und Sitten, die Reihenfolge der Begeben- heiten, die Entwickelung der Hauptunternehmungen zu verfolgen suchen, ohne weiteren Zweck, bloss aus Freude an dem einzelnen Leben; so wie man sich der Blume erfreut, ohne daran zu denken, in welche Klasse des Linnäus oder zu welcher Ordnung und Sippe Okens sie gehören. Indessen ist es damit nicht gethan; es ist notwendig, dass der Historiker sein Auge für das Allgemeine offen habe. Er wird es sich nicht vorher ausdenken, wie der Philosoph, sondern während der Betrachtung des Einzelnen wird sich ihm der Gang zeigen, den die Entwickelung der Welt im Allgemeinen genommen.“
Wie nun? Will Ranke von einem stetigen Fortschritt in der Geschichte überhaupt nichts wissen? Das nicht. Aber er sucht den Fortschritt nicht, wie jene Philosophen, in einer nothwendigen sitt- lichen Entwickelung, sondern in einer Steigerung auf dem Gebiete der materiellen Interessen. Hier erkennt'er einen sehr entschiedenen Fortschritt an, während er ihn in moralischer Hinsicht gänz- lich leugnet.
Was Ranke hier Fortschritt auf dem Gebiete der materiellen Interessen nennt, darf nicht in zu engem Sinne genommen werden. Es ist ungefähr das, was gemeinhin mit dem Namen Kmultur bezeichnet wird. Diese ist in eminentem Sinne ein Werk des Verstandes, nicht des Charakters, daher man sie wie Ranke zur Moralität sogar in einen gewissen Gegensatz stellen kann. Ranke lässt sich
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