16 nennt er diese drei Entwickelungsstufen, deren Schilderungen bei ihm im Unterschied von Fichte in dem Glanze eines überreichen mythologischen Schmuckwerkes strahlen, das er den religiösen Uber- lieferungen aller Völker entnommen hat. Die ganze Menschengeschichte ist eigentlich nichts anderes als die Entzweiung und schliessliche Wiederversöhnung und Einheit mit Gott, der Gang durch die Indifferenz zur absoluten Identität, um es in Schellings eigener Sprache auszudrücken.
Bei Hegel endlich, dem dritten Führer der absoluten Philosophie, muss es sich der Fichtesche Grundgedanke, der auch hier stehen geblieben ist. gefallen lassen, in den dialektischen Dreieinig- Kkeitsschematismus, Thesis, Antithesis, Synthesis d. i. Satz, Gegensatz, Vermittelung, eingezwängt zu werden, in dem bekanntlich das Alles beherrschende und Alles ermöglichende Hauptkunststück der Hegelschen Logik besteht. In der Weltgeschichte stellt sich uns die Entwickelung des Weltgeistes dar, jenes fabelhaften Collectivgeistes, der sich aus den Geistern aller Menschen zusammensetzt, und von dem man nicht recht weiss, ob er die Gottheit selber oder nur ihr oberster Diener ist. Dieser Weltgeist kann aber nicht eher zur vollen Verwirklichung seiner selbst und Befriedigung mit sich selbst gelangen, als er die drei Stufen der These, Antithese und Synthese durchlaufen hat, d. h. in diesem Falle, nicht eher, als er von der Unbändigkeit des natürlichen Willens zu der niederen, noch nicht vom Verstande erleuchteten, oder, wie Hegel es nennt, zur substantiellen Sittlichkeit über- gegangen ist und von dieser zu der subjectiven Sittlichkeit, d. h. zur vollendeten, auf Reflexion be- ruhenden Freiheit des Willens, mit der die Synthese erreicht ist. Die Entwickelung der Weltgeschichte ist in der Regel an ein herrschendes Volk gebunden, das Träger des Weltgeistes in seiner derzeitigen Entwickelungsstufe, sozusagen Generalpächter aller Rechte ist, dem gegenüber die Geister der andern Völker rechtlos sind. So stehen die Völkergeister um den Thron des absoluten Geistes, als Voll- bringer seiner Verwirklichung, als Zeugen und Zierraten seiner Herrlichkeit.
So eigenartig das Fichtesche Thema mit seinen Variationen bei Schelling und Hegel sich aus- nehmen mag, so würde man doch irre gehen, wenn man Fichte die völlige Originalität zusprechen wollte. Wer rückwärts blickt, der erkennt bei näherem Zusehen als den Ahnherrn dieser geschicht- lichen Hellseherei den grossen Philosophen von Königsberg. Denn so wenig man ihn, den alles durchbohrenden Denker, in Verdacht haben wird, sich in so ausschweifende Phantasien verloren zu haben, wie die eben vorgetragenen, so wird man doch nicht in Abrede stellen können, dass er das nüchtern gehaltene Vorbild geliefert hat zu den phantastisch freien Nachbildern der Späteren. Was die absolute Philosophie mit Kant gemeinsam und von ihm geborgt hat, ist der Gedanke eines not- wendigen, von dem Willen des Menschen unabhängigen, seiner Einsicht aber fassbaren Endziels der Menschengeschichte. Aber erscheint bei Fichte, Schelling, Hegel die ganze geschichtliche Entwickelung als eine sittlich-religiöse, ja wohl gar als die Entwickelung der Gottheit selbst, so fehlt der Kanti- schen Ansicht durchaus diese theologische Wendung: nicht die Rechtfertigung und Heiligung, nicht die Verschmelzung mit Gott ist bei ihm der Zweck der Geschichte, sondern die Steigerung der Kultur bis zur Bildung eines weltbürgerlichen, das gasammte Erdenrund umspannenden friedlichen Ganzen. Das ist das letzte Ziel der Kultur, die grösste Aufgabe, zu deren Lösung die Natur selbst den Menschen zwingt.
Man sieht leicht, dass das Ziel, welches Kant der Menschengeschichte stellt, ein solches ist, welches die Menschen auch ohne Naturzwang, wenn sie nur den Weisungen ihrer Vernunft folgen wollten, aus eigener Kraft und eigenem Vorsatz erreichen könnten, während jene Rechtfertigung und Heiligung, die der Fichtesche Plan vorzeichnet, in dieser Zeitlichkeit überhaupt nicht erreicht werden
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