Erst regierte Saturnus, schlicht und gerecht, Da war es heute wie morgen,
Da lebten die Hirten, ein harmlos Geschlecht, Und brauchten für gar nichts zu sorgen.
Sie liebten und thaten weiter nichts mehr, Die Erde gab alles freiwillig her.
Gewiss! Aber was bei Schiller als holdes Spiel einer bilderreichen Phantasie erscheint, für deren Zusammenstimmen mit der Wirklichkeit er eine Bürgschaft vermutlich ebenso abgelehnt haben würde, wie ein Ovid und andere antike Dichter für ihre bestrickenden Schilderungen des goldenen Zeitalters, das tritt bei Fichte mit jenem Unfehlbarkeitsanspruch auf, der jeden Zweifel durch das unwidersprechliche Recht aprioristischer Vernunfteinsicht niederschlägt. Würde Schiller im Ernst dies als Ausgangspunkt einer Weltgeschichte gewählt haben, würde er überhaupt dieser Fichteschen Geschichtsconstruction haben Geschmack abgewinnen können? Das lässt sich aus mehr als einem Grunde bezweifeln. In seiner Jenaer Antrittsvorlesung spricht er zwar mit jenem edeln Schwung, der alles auszeichnet, was seiner Feder entstammt, von einem planmässigen Gang der Weltgeschichte, doch ist er weit entfernt, sich das Vermögen zuzutrauen, diesen Plan, dies Gesetz der Weltgeschichte fest zu bestimmen.„Der Mensch, sagt er, sieht seine Gedanken über den Zweck der Menschen- geschichte durch tausend bestimmende Facta bestätigt, und durch ebenso viele andere widerlegt; so lange in den Weltveränderungen noch wichtige Bindungsglieder fehlen, so lange das Schicksal über so viele Begebenheiten den letzten Aufschluss noch zurückhält, erklärt er die Frage für unent- schieden, und diejenige Meinung siegt, welche dem Verstande die höhere Befriedigung und dem Herzen die höhere Glückseligkeit anzubieten hat.“ Wie scharf sticht das ab gegen den Ton der Unfehlbarkeit, mit dem Fichte das Gesetz der Weltgeschichte uns erschliessen zu können meint. Und weiter! Würde Schiller, der in der nämlichen Antrittsvorlesung so warm und erhebend von der ausgleichenden Macht der Gerechtigkeit in der Geschichte spricht, würde er es mit der Idee dieser Gerechtigkeit vereinbar gefunden haben, dass wir, die Lebenden, wie alle vergangenen Geschlechter nur die Handlanger und Zuträger sein sollen für die Glückseligkeit eines dereinstigen, aller Mängel ledigen Geschlechts? Dass wir bauen sollen an einem Haus, das nicht uns, sondern erst wer weiss welchen späten Enkeln als behagliche Wohnung dienen soll? Denn das ist ja der klare Sinn der Fichteschen Aufstellung: unser Dasein wie das aller bisherigen Völker hat nicht für sich seinen Wert, sondern nur als Vermittler der Seligkeit anderer, deren unwürdige, wenngleich unentbehrliche Vorläufer wir nur sind. Andere, nicht wir, sollen ernten, da, wo wir geackert, gerodet, gesäet haben. So optimistisch sie klingt, die Verkündigung, dass es mit der Menschheit immer besser gehen werde, bis die vollendete Heiligung alles Besserwerden unnötig mache, im Grunde ist sie doch pessimistisch, denn wir alle liegen in der Verdammniss, auf dass andere selig werden. Eine trost- lose Ansicht, verglichen mit den Verheissungen unserer Religion, nach der doch jeder Sünder zur Prüfung, und wenn es gelingt, zur Rechtfertigung und Heiligung gelangen kann; in diesem historischen Drama aber sind andere zur Rolle der Sünder, andere zu der der Gerechtfertigten, noch andere zu der der Geheiligten berufen.
Nicht dem Gehalte nach, wohl aber in der Art der Ausführung unterscheiden sich von diesen Phantasien Fichtes die Ideen Schellings. Auch er nämlich führt die Menschen von einem goldenen Weltalter der Unschuld durch die Sünde zur Rechtfertigung hinüber. Schicksal, Natur, Vorsehung


