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Volk würde einen Raub an sich begehen, wenn es das, wodurch es geistig mündig und gross geworden, von sich werfen wollte. Dazu hat es sich selbst zu lieb.
Gewiss würde es der Bedeutung der classischen Studien nichts schaden, wenn das Gold der alten Sprachen auch heute noch in unmittelbar dem Verkehre dienendes Geld ausgemünzt werdeu könnte. Aber je weniger das der Fall ist, um so höher ist ihr idealer Werth anzuschlagen. Was jst selbstloser und jedem Krämergeist ferner, was dem leidigen Getriebe des. Markteshum das Mein und Dein mehr entrückt, was ist, Kantisch zu reden, uninteressirter und dabei azugleich doch interessanter als die Erlernung des Griechischen? Um ihres Gedankenreichtums, ihrer Schönheit, ihres inneren Wertes willen dringen wir in die Litteratur der Griechen ein und scheuen nicht die Schwierigkeiten, welche sich der Aneignung ihrer unendlich wohllautenden, aber auch erstaunlich formenreichen Sprache entgegensetzen. Da lässt sich nicht berechnen und bestimmen, für welche Lage des Lebens wir dieses, für welche wir jenes Stück des Erlernten anwenden können, für welches Berufsgeschäft das eine, für welches das andere tauglich sei. Vielleicht haben wir in wenigen Jahren nach Abgang von der Schule unser Griechisch so gut wie vergessen, weil das Leben eben keine Verwendung dafür bot und darum der Anlass fehlte, es lebendig zu erhalten oder aufzufrischen— und gleichwohl hat unvermerkt die Erlernung dieses weltfremden Griechisch uns den allergrössten Nutzen gebracht: an ihm ist unser Geist gereift und frei, unser Herz empfänglich gewordenl für das geistig Hohe und Bedeutsame, an ihm haben wir gelernt auch noch anderen Interessen zu huldigen, als den unmittelbaren Forderungen des Berufes.
Und ein Hauch dieses Geistes, dieser selbstlosen Hingabe an das zu Erlernende rein um seiner geistigen Bedeutung willen, soll über dem ganzen Unterricht ruhen. Der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig. Gewiss, es giebt sehr vieles im Unterricht, was ohne Weiteres überliefert und eingeprägt, vieles, was unerbittlich sicher und fest auswendig gelernt werden muss, teils um der Sache willen, teils zur Übung und Stärkung des Gedächtnisses. Aber die Hauptsache ist doch, dass wir, natürlich sehr verschieden nach Alter und Fassungskraft der Schüler, immer darauf hinarbeiten, eigenes Denken an die Stelle mechanischen Nachsprechens, wirkliche Einsicht an die Stelle urteils- losen Hinnehmens, feste Ueberzeugung an die Stelle schwankender Meinung zu setzen. Wir müssen uns bemühen, die Schätze des Gedächtnisses in wirkliche Nahrung des Geistes umzusetzen. die auf- nehmende Thätigkeit immer zum Ausgangspunkt für die Selbstthätigkeit zu machen.
Die Lektüre z. B., sei es im Deutschen, sei es in der fremden Sprache, sei so gewählt, dass sie den Geist überall zum Vergleichen, Unterscheiden, Zusammenfassen, zum Nachprüfen durch eigenes Urteil und eigene Schlussfolgerungen herausfordert. Es bedarf dann nur eines durchgebildeten und selbstdenkenden Lehrers, um den Stoff fruchtbar zu machen für die eigene Denkthätigkeit der Schüler.
Auf grammatisch-sprachlichem Gebiet— und dies gilt für das Französische so gut wie für die alten Sprachen— soll und muss zwar die sprachliche Regel wortgetreu in das Gedächtniss eingesenkt
werden. Aber sie bleibt toter Besitz ohne die Fähigkeit der Anwendung. Diese erst scheidet den gelbst arbeitenden Geist von dem mechanischen Kopf. Das Feld der Anwendung mit seinen uner- schöpflichen Abwechselungen ist hier der eigentliche Turnplatz für die Gymnastik der Geister.
Auch der Religionsunterricht enthält, neben der erbaulichen Anregung des Gemütes, die seine edelste Aufgabe bildet, sowie neben reichlicher geschichtlicher Belehrung, ein nicht unbedeutendes Moment der Denkarbeit in sich. Er soll nicht bloss den Katechismus und den sonstigen Memorir- stoff auswendig lernen lassen, sondern die Wahrheiten des Christenthums mit lebendigem Geist erfassen
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