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Es ist immer die Aufgabe der Gymnasien gewesen und wird es. so lange das Gymnasium seinen Namen noch verdient, bleiben, seinen Schülern die Wege zu weisen zur Erlangung wahrer Geistes- bildung oder dessen, was man mit dem Namen Humanität bezeichnet.
Wahre Geistesbildung aber ist nicht jener gleissende äussere Schliff, der sich den Formen feinerer Geselligkeit gewandt anzuschmiegen weiss, der aber nur zu oft bloss die blendende Hülle innerer Hohlheit ist, darauf berechnet der inneren Nichtigkeit den Schein der Wichtigkeit zu geben.
Auch nicht jene bei uns jetzt so viel bemerkte Fähigkeit, über alles mitsprechen zu können, über Musik und Komponisten, über Gemälde und Maler, über Freihandel und Schutzzoll. Das Ideal dieser Bildung wäre schliesslich, aus dem Menschen eine Art wandelndes Konversationslexikoh zu machen, ihn auszurüsten mit einer möglichst grossen Summe fertiger, d. h. auswendig gelernter Urteile. Das ist äusserlich aufgerafftes Flitterwerk, nicht innerlich angeeigneter Erwerb.
Auch nicht die blosse fachmännische Routine und Tüchtigkeit, so unentbehrlich und schätzens- ... wert sie gleich ist.
Selbst nicht die Gelehrsamkeit als blosse Gelehrsamkeit, denn sie kann bestehen ohne die lebendige Anerkennung der höchsten Zwecke des Lebens, die der Gelehrsamkeit erst ihre Weihe giebt, sie zum Priestertum der Wahrheit macht.
Wahre Bildung ist jene freie, rein geistige Bildung, welche dem Wahren, Guten, Schönen um sein selbst willen huldigt, die sich nicht nur bezieht auf das, was einer brauchen und noch weniger auf das, wofür einer gebraucht werden kann, so wenig dies etwa verachtet oder vernachlässigt werden soll. Diese Bildung seinen Schülern wenn nicht unfehlbar zu vermitteln, so doch ihre Vermittelung anzustreben, in ihrem Geiste die Arbeit des Lernens zu gestalten und sie als Leitstern anzuerkennen, das ist die schöne, aber auch schwere Aufgabe der höheren Schulen und vor allem der Gymnasien. Von ihrem Gelingen hängt zum grossen Teil die Wohlfahrt unseres Volkes ab, hängt es ab, ob brutaler Eigennutz und stumpfsinniger Werkeltagsgeist, oder Achtung vor allem Edlen und Hohen, frische Begeisterung für das Ideale die Herrschaft bei uns haben soll. In den grössten Momenten seiner Geschichte, in der Reformation, den Freiheitskriegen, auch 1870, hat unser Volk stets dem Letzteren den Preis gegeben und dadurch seine edlere Anlage bewährt. Sollte es dieser Sinnesart abtrünnig werden, dann würden uns alle technischen Fortschritte unserer Kultur nichts helfen; es wäre, als ob wir mit all unseren staunenswerten Errungenschaften in einem Sumpfklima lebten, das uns trotz aller Erfindungen und Vervollkommnungen nicht zu rechtem Lebensmut, zu
rechter Lebensfreude kommen liesse. Darum sagen vir:
Wer nicht erstens gelernt hat, die Hoheit der Wahrheit— der wissenschaftlichen Wahrheit meine ich hier— rein um ihrer selbst willen und abgesehen von dem Nutzen, den sie gewährt oder
gewähren kann, zu achten und in Ehren zu halten, der hat ihres Geistes keinen Hauch verspürt. Wer zweitens für das Schöne in Natur, Kunst, Dichtung kein Herz, keine Empfänglichkeit hat, wer nicht gelernt hat, den inneren Wert des Schönen und den unvergleichlichen Vorzug, den es vor allem bloss die Sinne Reizenden verdient, anzuerkennen, dem fehlt das Kennzeichen wahrer Bildung. Und wer drittens nicht wenigstens zu dem ernsten Vorsatz sich erheben kann, die Pflicht um der Pflicht, das Gute um des Guten willen zu thun, der glaube nicht im Besitze wahrer Bildung zu sein. Nach diesen drei Gesichtspunkten, des Wahren, Schönen, Guten, lassen Sie uns die Anforderungen
an wahre Bildung und die Bedingungen ihrer Grlernung betrachten. Die Natur der Sache bringt es mit sich, dass wir bei dem ersten Punkte am längsten verweilen werden.
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