Jahrgang 
1897
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Am Abend des 23. März verschied Ihre Königliche Hoheit die Frau Grossherzogin Sophie in Weimar. Am Morgen des darauf folgenden Tages versammelte der Direktor Lehrer und Schüler im Saale und teilte diese tief schmerzliche Nachricht in einer kurzen Ansprache mit. Die Schule blieb den Tag geschlossen. Als Vertreter des Gymnasiums begaben sich die Herren Schmiedel und Dr. Flex nach Weimar, um einen Kranz am Sarge niederzulegen und der Beisetzung am 29. März peizuwohnen. Auch an diesem Tage blieb die Schule geschlossen. Im Namen des Gymnasiums richtete der Direktor ein Beileidsschreiben an Se. Königliche Hoheit den Grossherzog. Am 3. Abpril wird zu Ebren der hohen dahingeschiedenen Frau eine Gedenkfeier stattfinden, hei der Herr Schmiedel die Ansprache an die Versammlung der Lehrer und Schüler halten wird.

An der Abschlussprüfung nach dem 6 Schuljahre beteiligten sich sämtliche Untersekundaner, einer war durch Krankheit verhindert. In den Tagen vom 15. März an wurden die schriftlichen Arbeiten angefertigt, die mündliche Prüfung fand am 31. März statt.

Unter Bezugnahme auf die Mitteilung im Jahresberichte 1896 S. 4, einen von vielen Seiten ge- wünschten Neubau des Gymnasiums betreffend, wird Folgendes erwähnt: auf Wunsch des Ministerial- Departements des Kultus hatte das Ministerialdepartement des Innern die Grossherzogl. Medizinal- Kommission mit einer Besichtigung des Gymnasialgebäudes beauftragt. Diese Kommission, bestehend aus den Herren Geh. Hofräten Dr. Pfeiffer in Weimar, Prof. Dr. Schultze in Jena, Geh. Medizinalrat. Dr. v. Conta in Weimar, Vorsitzendem der Medizinal-Kommission, hat unter Führung des Direktors und in Begleitung des Herrn Medizinalrats Dr. Wedemann in Eisenach am 29. August v. Js. sämt- liche Räume mit Einschluss der Wohnung des Direktors einer Besichtigung unterzogen. Am 15. März hat auch der Chef des Kultus-Departements, Herr Geh. Rat v. Pawel, Exc., in Begleitung der Herren Oberbaurat Kriesche, Regierungsrat Dr. Schmid, Bauinspektor Dittmar und des Direktors persönlich die Gymnasialräume besichtigt.

Der Schluss des Winterhalbjahres erfolgt am 9. April im Laufe des Vormittags mit der Ver- setzung der Schüler und der Verteilung der Censuren.

In die Reihe der Stiftungen und Vermächtnisse, die dem Gymnasium im Laufe der Jahre zu Teil geworden sind, ist jetzt neu eingetreten die Carl Otto Hensgen-Stiftung im Betrage von 4500 Mark. Der Photograph Carl Wilhelm Hensgen und seine Ehegattin Caroline Marie Hensgen, geb. Langlotz hatten als einziges Kind einen Sohn, der im Jahre 1882 als Schüler der Obertertia starb. Zu seinem Andenken haben die Eltern in einem gemeinschaftlichen Testamente, Eisenach, den 15. Dezember 1886, diese Stiftung gemacht, die nach dem bereits vor mehreren Jahren erfolgten Tode des Ehegatten, jetzt, nachdem auch die Ehegattin am 26. Oktober 1895 verstorben war, dem Gymnasium zugefallen ist. Das Grossherzogl. Staatsministerium erteilte zur Annahme des Vermächtnisses durch Verf. vom 22. November 1895 seine Genehmigung. Die Zinsen dieser Stiftung sollen, sagen die Stifter in dem genannten Testamente,am 10. Mai jedes Jahres, dem Geburtstage unseres theuern entschlafenen Sohnes, an drei weniger bemittelte fleissige Schüler der Obertertia, deren Schüler unser Sohn zuletzt war, als Stipendia durch das Directorium des Gymnasiums verteilt werden, damit der Name unseres Sohnes fortlebe und er dadurch noch viele junge Herzen erfreue. Diese Zinsen werden zum ersten Male 1897 verteilt werden.

Die nachstehende Ausführung einiger kurzer Angaben in der Uebersicht der Lehrgegenstände ist durch einen ihrem Verfasser von dem Direktor besonders ausgesprochenen Wunsch veranlasst worden. Eigene Erfahrung wird wie überall so auch auf diesem Gebiete die beste Grundlage zu einem hin- reichenden Urteil bilden; daher darf man für die hier ausgesprochenen Beobachtungen und für die Forderungen, die aus ihnen erwachsen, bei Freunden der Jugend, der die etwa aus diesem Gegen- stande und seiner schulmässigen Behandlung entspringenden Vorteile zu gute kommen, immerhin auf teilnehmende Beachtung hoffen.