Jahrgang 
1897
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Nahezu vier Jahrzehute haben Sie Ihre beste Lebenskraft dem Grossherzoglichen Schuldienste gewidmet. Als Lehrer, als Anstaltsleiter, als Vertreter der Schulaufsicht und als Berater der höchsten Staatsbehörde haben Sie in sämtlichen Zweigen des reich ausgestalteten Schulwesens unseres Landes segensreich gewirkt.

Was die Unterzeichneten Ihren Rücktritt vom Amte so schmerzlich empfinden lässt, das ist die Erinnerung an die Eigenschaften lhrer Amtsführung, die ihnen bei solchem Anlass vor die Seele treten.

Zehn Jahre sind es, dass die Leitung der höheren Schulen in Ihre Hand gelegt wurde, und diese Hand hat sich sanft und Kräftig, beschwichtigend und stärkend, versagend, wo die Notwendig- keit es gebot, und reichlich gebend, wo es möglich war, in dieser Zeit erwiesen. Bei der Neu- ordnung der Lehrpläane und Lehraufgaben und anderer Einrichtungen, wie sie bis in die jüngsten Tage die Zeit gebieterisch forderte, haben Sie, alte Oberlieferung schonend, neuen vernünftigen An- forderungen den Weg öffnend, Ihres schweren Amtes glücklich gewaltet.

Wir vermögen es nicht anders zu denken, als dass alle, die bishner an Ihrem ungezwungenen und freundlich zuvorkommenden Verkehre sich erfreuen durften, auch ferner in gleicher Weise, wie bisher, dem Manne begegnen, der von tiefem Pflichtbewusstsein erfüllt, das seine Stellung von ihm forderte, im übrigen in seinem Wesen und in seinen Mienen uns allen natürlich begegnete, der, von Ernst durchdrungen, auch dem Scherze sein Ohr öffnete und seinen Mund ihm nicht verschloss.

Und für alles das wollen Sie den herzlichen Dank willig annehmen, den wir alle Ihnen nach Ihrer Amtsführung gern aussprechen.

Möge ein gnädiges Geschick des Höchsten, der über uns waltet, und den Sie mehr im Herzen verehren, als auf den Lippen tragen, Ihnen in den nun begonnenen Tagen der Ruhe Schutz und Schirm gewähren!

Weimar Eisenach Jena Apolda Neustadt a. O. am 1. November 1896.

Für die Lehrerkollegien der höheren Schulen und der Seminarien die Direktoren: (Unterschriften)

An seiner Stelle ist der erste Lehrer am Weimarischen Gymnasium, Herr Prof. Dr. Friedrich Urtel unter Verleihung der DienstbezeichnungRegierungs- und Schulrat vom I. Januar ab zum vortragenden Rate im Ministerialdepartement des Kultus ernannt worden.

Am 13. Dezember fand unter der Leitung des Herrn Professors Thureau eine musikalische Auf- nührung durch Schüler statt, zu deren Besuch durch eine Ankündigung in den hiesigen Zeitungen eingeladen wurde. Sie fand den Beifall der sehr zahlreichen Zuhörer, die sich eingefunden hatten. hie Weihnachtsferien dauerten vom 24. Dezember bis einschl. 6. Januar. Der Geburtstag Sr. Majestät des deutschen Kaisers ward festlich begangen. Herr Schmiedel hielt die Festrede über das Thema:NVaterlandsliebe und Christentum. Gesänge unter Leitung des Herrn Professors Thureau und Vorträge von Schülern aus allen Klassen begleiteten die Feier. Auf Anordnung des Gross- herzogl. Staatsministeriums fand am 16. Februar vor Beginn des Unterrichtes eine Feier zum Ebren- gedächtnis Philipp Melanchthons statt, bei der Herr Schmiedel die hohe Bedeutung des Reformators an der Darstellung seines Lebens darlegte. Gesang leitete die Feier ein und beschloss sie.

Die schriftliche Reifeprüfung fand in den Tagen vom 15. Februar ab statt, die mündliche unter dem Vorsitz des Regierungs- und Schulrates Herrn Dr. Urtel am 9. Maärz. Siebzehn Schüler traten in die Reifeprüfung ein: sie erhielten das Reifezeugnis, sechs von ihnen unter Befreiung von der mündlichen prüfung. Am 22. März fand die Entlassung der mit dem Reifezeugnis abgehenden Schüler statt. In ihrem Namen sprach in deutscher Rede Liebetrau, dann händigte ihnen der Direktor nach einer Ansprache die Zeugnisse ein.

Die Entlassung war verbunden mit der Feier des 100 jährigen Geburtstages des hochseligen Kai- sers Wilhelm I., bei der der Direktor ein Bild des Lebens und Wirkens des hohen Verblichenen und seiner Verdienste um die Wiederaufrichtung des deutschen Reiches zu entwerfen suchte und dabei zu- gleich auch das Gedaächtnis an die Kaiserin Augusta, die Tochter unseres hohen Fürstenhauses, er- neuerte. Gesänge unter Leitung des Herrn Professors Thureau und der Vortrag des GedichtesDer deutsche Kaiser von Karl Siegen durch den Unterprimaner Schmuck begleiteten die Feier.