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solche Zusendungen finden bis heute noch statt. Möge auch fernerhin der Aufruf noch als fortbe- stehend erachtet werden.
Einen ungemein reichen Zuwachs erhielt die Sammlung durch die Zuwendungen des Königlich Sächsischen Kommissionsrates Heinrich Klemm, eines Mannes, der in bemerkenswerter Weise aus den bescheidensten Anfängen durch eigene Tüchtigkeit und Thätigkeit nicht bloss zu Reichtum gelangt war, sondern der auch auf dem Gebiete bibliographischer Sammlung und Forschung sich einen wohl- begründeten, dauernden Namen erworben hat. Es war ihm zu einer der wichtigsten Aufgaben seines Lebens geworden, alle wertvollen Drucke aus dem 15. und 16. Jahrhundert zu sammeln. In langen Jahren brachte er eine Sammlung zu Stande, welche in ihrer Art einzig ist und gegenwärtig die „Königlich Sächsische bibliographische Sammlung“ der Bibliothek der Buchhändlerbörse in Leipzig bildet. Zugleich war es ein Zeichen seines edeln Sinnes, dass er diese Sammlung, für welche ihm das Ausland eine Million Mk. geboten hatte, für weniger als die Hälfte dieses Betrags an den sächs. Staat verkaufte, um sie seinem Vaterlande zu erhalten. Durch Richard Voss ward er angeregt, für die Wartburg-Bibliothek eine Sammlung von Drucken des 16. Jahrhunderts, von geschichtlichen Werken über diese Epoche wie namentlich auch über Thüringen aus alter und neuer Zeit zusammenzubringen: denn Niemand war für die Herstellung einer solchen geeigneter als Heinrich Klemm. Bei seiner Geschäftskenntnis, bei seiner grossen Vertrautheit mit alten Drucken und bei der Beharrlichkeit, mit welcher er den neuen ihm lieb gewordenen Plan verfolgte, ist es ihm in der kurzen LZeit eines Jahres, vom September 1885 bis Anfang November 1886, gelungen, eine solche Sammlung zu vereinigen, die er durch fortgesetzte immer neue Ankäufe zu vermehren gedachte. Sein Tod setzte seinen Wohl- thaten ein Ziel, er starb am 28. November 1886 in Dresden. Seinem Andenken zu Ehren ist ihm auf Anordnung Sr. Königl. Hoheit des Grossherzogs in der Bibliothek eine Gedächtnistafel ge- stiftet worden.
Die zweite grössere Sammlung, welche in die neue Bibliothek aufgenommen worden ist, besteht aus dem nicht-juristischen Teile der Bibliothek des früheren Appellationsgerichts. Nicht wenige wertvolle Werke älterer Zeit befinden sich in ihr, namentlich auch aus dem Besitz der Eisenacher Herzöge. Im vorigen Jahrhundert hatte diese Bibliothek den Namen„Kanzleybibliothek.“„Zur Ll-
richtung derselben— berichtet C. W. Schuhmacher in den„Merkwürdigkeiten der Stadt Eisenach“ 1777, S. 28— hat zwar der Herzog Johann Ernst bereits 1636 die Erlaubnis erteilt, auch 400 Thlr.
mit der Verordnung darzu angewiesen, dass man bei Anschaffung neuer Bücher vorzüglich auf prak- tische, das bürgerliche, canonische und sächsische Recht betreffende Werke sehen sollte. Dieses löb- liche Vorhaben geriet aber bald wieder ins Stocken und die jetzige Kanzleybibliothek hat einen jüngeren Ursprung. Die ersten Anlagen zu derselben scheinen verschiedene von Eisenachischen Landesfürsten, seit des Herzogs Johann Georgs des Ersten Zeiten, hinterlassene Handbibliotheken gewesen zu sein. Vor dem Jahre 1753 konnte man indessen dieser Büchersammlung nicht den Namen einer ordentlichen und noch viel weniger einer öffentlichen Bibliothek beilegen. Um diese Zeit fing vielmehr dieselbe erst an, den Namen einer erheblichen und öffentlichen Bibliothek zu verdienen. Die damaligen Mitglieder der Hochfürstlichen Landesregierung waren, als Kenner und Beförderer der Wissenschaften, eifrig darauf bedacht, die fürstliche Bibliothek ihrer vieljährigen Vergessenheit zu entreissen, solche durch Festsetzung gewisser Einkünfte mit nützlichen Werken zu vermehren und zu einem öffentlichen Gebrauche zu widmen. Seit dieser Zeit nun ist diese Bibliothek, der gnädigsten Instruktion gemäss, vorzüglich mit solchen Büchern geziert worden, welche sich wegen ihres hohen Wertes wenige Privatpersonen anschaffen können. Dahin gehören sowohl die grossen und kostbaren vom Deutschen Staatsrechte handelnden Werke, als auch die vielen Sammlungen der Schriftsteller, welche von der Deutschen und Sächsischen Historia geschrieben haben.“
Die dritte hinzugekommene Sammlung stammt aus dem Vermächtnis Alexander Zieglers, welcher dem Gymnasium, dessen Schüler er gewesen war, die wissenschaftlichen Werke seiner Bibliothek vermachte. Nach seinem am 8. April 1887 zu Wiesbaden erfolgten Tode sorgte der zum Testaments- vollstrecker ernannte Bankier Albert Ziegler hier für die Überführung der Bücher von Ruhla in die hiesige Bibliothek. Eine Reihe der wertvollsten wissenschaftlichen Bücher, namentlich auf dem Gebiete der geographischen Forschung, ist auf diese Weise in unseren Besitz übergegangen. Sämmtliche aus


