Jahrgang 
1889
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Herrn Richard Voss der Bibliothek einen längeren Besuch ab, bei welchem der Unterzeichnete die Ehre hatte, über den Stand der Arbeiten, über Einrichtung der Bibliothek und über die künftige Verwaltung derselben eingehende Auskunft zu geben. Se. Königl. Hoheit sprach dabei Seine Zu- stimmung zu den getroffenen Massnahmen aus und bestimmte, dass ein Buch künftig bereit gehalten würde, in welchem die Namen der die Bibliothek benutzenden Gelehrten einzutragen sind. Das Buch trägt auf dem ersten Blatte den eigenhändig aufgezeichneten Namen des hohen Stifters der Carl Alexander-Bibliothek.

Die Eröffnung fand am 9. Januar statt; die Bibliothek erfreute sich des Besuchs nicht weniger angesehener Männer und Frauen hiesiger Stadt. Herr Richard Voss sprach durch Drahtnachricht, seine Glückwünsche aus, indem er zugleich mitteilte, dass er durch sein Befinden am persönlichen Erscheinen verhindert sei.

Ein Aufsatz des Unterzeichneten, in den beiden hiesigen Zeitungen wenige Tage zuvor abge- druckt, giebt genauere Auskunft über die Entstehung und die Bedeutung der 3ibliothek. Deshalb wird er nachstehend auch hier mitgeteilt.

Eröffnung der Carl Alexander-Bibliothek. Die Carl Alexander-Bibliothek wird am Mittwoch den 9. Januar des neuen Jahres vormittags um 11 Uhr zur allgemeinen Benutzung er- öffnet werden.

Seit langer Zeit hegte Se. Königl. Hoheit unser gnädigster Grossherzog den Gedanken, in Eisenach eine öffentliche Bibliothek zu gründen und hatte als Stätte für dieselbe die Räume der alten Predigerkirche ins Auge gefasst, von welcher der östliche Teil mit einem geringen Kostenauf- wand für diesen Zweck eingerichtet werden konnte. Das Grossherzogl. Staatsministerium stellte infolgedessen an den im Jahre 1886 versammelten Landtag den Antrag, den für die Herstellung des Baues nötigen Kostenaufwand zu bewilligen. Unser Mitbürger und Landtagsabgeordneter Landge- richtspräsident J. Appelius erstattete im Namen des Finanzausschusses Bericht und Se. Excellen⸗ Staatsminister Dr. Stichling wies in wohlwollenden und empfehlenden Worten noch ganz besonders auf die Bedeutung hin, welche eine Bibliothek für Stadt und Kreis Eisenach und darüber hinaus für weitere Kreise hat. Der Landtag bewilligte einstimmig die Forderung der Regierung.

Im Spätherbst 1887 waren die neuen Räume soweit fertig gestellt, dass eine UÜbersiedelung der für dieselben bestimmten Büchervorräte stattfinden konnte. Das Gymnasium besass ursprünglich nur eine sehr bescheidene Bibliothek. Durch das Vermächtnis des Direktors Geh. Hofrats Dr. Funkhänel, welcher testamentarisch seine ganze Büchersammlung dem von ihm so lange Jahre rühmlich geleiteten Gymnasium als Besitz bestimmte, erhielt die Gymnasialbibliothek, namentlich für einzelne Zweige der griechischen und römischen Litteratur einen ersten wertvollen Zuwachs. Durch die bei der Gründung der neuen Bibliothek hinzugekommenen Sammlungen ist der Gesammtbestand der nun ver- einigten Vorräte um mehr als das Vierfache gewachsen.

Se. Königl. Hoheit ordnete gnädigst an, dass die gesamte Bibliothek, welche sich auf der Wartburg befand, mit Ausnahme verhältnismässig weniger Stücke, die auf der Burg verbleiben sollen, hierher übergeführt wurde und als ein Teil des Grossherzogl. Kronguts hier eine besondere Aufstellung erhielt. Oberstlieutenant von Arnswald und der Bibliothekar der Wartburg Richard Voss übernahmen im Allerhöchsten Auftrag die Ausführung dieser Anordnung.

Die Bibliothek der Wartburg besteht aus mehreren Teilen, zunächst aus demjenigen Vorrat von Büchern, welche durch besondere dafür besimmte Mittel im Laufe der Jahre erwachsen ist. Dazu kömmt die erhebliche und wertvolle Vermehrung, welche man der Kühn'schen und Klemm'schen Sammlung verdankt. Auf Anlass des vierhundertjährigen Lutherjubiläums erliess Kommissionsrat, Buchhändler Kühn in Weimar mit Genehmigung Sr. Königl. Hoheit des Grossherzogs einen Aufruf zu einer Sammlung für die Luther-Bibliothek auf der Wartburg, namentlich zu einer Sammlung der verschiedenen Ausgaben von Bibeln und Katechismen. Der Aufruf hatte zur Folge, dass mehrere Hunderte von Büchern von Buchhandlungen und aus der Hand von Privatpersonen dem Kommissionsrat Kühn zugesendet wurden, welche derselbe der Grossherzogl. Kommandantur für die Wartburg-Bibliothek überwies. Auch unmittelbar an die Grossherzogl. Kommandantur wurden Bücher eingesendet und