Jahrgang 
1888
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den Preis von 400 000 Mark an den sächsischen Staat ab, und zur Zeit bildet die einzig in ihrer Art dastebende Sammlung den wertvollsten Teil der Bibliothek der Buchhändlerbörse in Leipzig. Sie trägt jetzt den NamenKöniglich Sächsische bibliographische Sammlung zu Leipzig und enthält eine erstaunliche Fülle von alten Erzeugnissen der Buchdruckerkunst; einen beschreibenden Katalog mit, bibliographischen Erläuterungen und Nachweisen, 510 Seiten enthaltend, hat Klemm im Jahre 1884 herausgegeben.

Durch seine Vertrautheit mit alten Drucken und durch seine grosse Geschäftskenntnis ist es ihm pei dem lebhaften Eifer, mit welchem er diesen Plan verfolgte, in sehr kurzer Zeit gelungen auch diese Sammlung zusammenzubringen, welche jetzt einen so hervorragenden Teil der vereinigten Samm- lungen ausmachtt. Seine erste Sendung für die Wartburg-Bibliothek erfolgte Anfangs September 1885, die letzte, die er noch selbst besorgte, Anfangs November 1886, wenige Wochen vor seinem Tode. Er war erfreut, von Zeit zu Zeit, von Monat zu Monat melden zu können, dass es ihm gelungen sei, wieder neue Originaldrucke zu erwerben; er machte auch alter Gewohnheit gemäss Rundreisen bei Antiquaren..

Ich glaube schreibt er die nach meiner Überzeugung letzte Gelegenheit benutzen zu müssen, um eine solche Bibliothek zusammen zu bringen, denn die Vorräte im Handel gehen reissend schnell ihrem Ende entgegen. Noch ein zweites Mal getraue ich mir selbst kaum einen solchen Schatz zu sammeln. Es war sein besonderer Wunsch, dass von dieser Sammlung ein genauer und sorg- fältiger Katalag mit bibliographischen Nachweisen und Erläuterungen angefertigt und gedruckt werde. Ein solcher befindet sich in Vorbereitung.

Die Bibliothek des früheren Appellationsgerichts enthält, wie bereits(a. a. O.) mitgeteilt worden ist, eine nicht geringe Zahl von wertvollen Werken geschichtlichen, litterarischen und allgemein wissen- schaftlichen Inhalts, namentlich auch aus älterer Zeit und aus der Zeit der Eisenacher Herzöge.

Hierzu ist durch testamentarische Verfügung noch die Schenkung des am 8. April 1887 zu Wiesbaden verstorbenen Hofrats Dr. Alexander Ziegler gekommen, zu deren Annahme das Grossher- zogliche Staatsministerium durch Verfügung vom 9. Juni 1887 seine Genehmigung erteilt hat. Als Gelehrter und Schriftsteller hat Ziegler auf dem Gebiete geographischer Forschung und auf verwandten Gebieten der Kultur oder der technischen Betriebe, wie allgemein bekannt ist, einen weitreichenden Namen sich erworben; nicht minder aber war er, wie in einem Nachruf der Weimarischen Zeitung vom 11. und 18. September 1887 in beredter Weise ausgesprochen wird, ein edler für das Wohl seiner Nächsten thätiger und trefflicher Mensch.

Und als er in Ruhla am 10. März 1886 testamentarisch über seine Bibliothek verfügte, da ge- dachte er des Gymnasiums, das er von 1835 bis 1839 besucht hat, und bestimmte:Meine Bibliothek in meiner Villa vermache ich der Volksschule zu Ruhla Eisen. Anth. resp. der von mir gestifteten Schul- und Volksbibliothek daselbst und dem lateinischen Gymnasium zu Eisenach, dessen Schüler ich gewesen bin; hierzu ist aus seinem Nachlass noch ein grosses Bücherbrett gefügt worden.

Der zum Testamentsvollstrecker ernaunte Herr Banquier Albert Ziegler hier nahm gemeinschaft- lich mit dem Unterzeichneten und dem Bibliothekar Herrn Dr. Oesterheld mit liebenswürdiger Zuvor- kommenheit in Ruhla die Ausscheidung der für die Gymnasial-Bibliothek bestimmten Werke vor und sorgte für deren Ueberführung. Eine Reibe der wertvollsten wissenschaftlichen Bücher, namentlich auf dem besonders von Alexander Ziegler gepflegten Gebiete, sind auf diese Weise in unseren Besitz übergegangen. Sämtliche aus dieser Schenkung herrührende Bücher sind durch eingeklebte Zettel mit der AufschriftAlexander Ziegler's Vermächtnis 18864 für alle Zeit kenntlich gemacht worden, wie es ehemals mit dem Funkhaänelschen Vermächtnis geschehen ist.

So hat nun die bisherige Gymnasialbibliothek, der bereits die Funkhänelsche Bibliothek einen bedeutend grössern Wert als vordem verliehen hat, durch diesen verschiedenartigen Zuwachs drei neuer Sammlungen eine weit über ihren ursprünglichen Bestand hinausgehende Vermehrung erfahren. Sobald die Neuordnung der Büchervorräte durchgeführt ist, wird die Bibliothek allgemeiner Benutzung zugänglich gemacht werden. Für die Anstalt, die Stadt Eisenach und für weitere Kreise ist durch diese neu geschaffene Bibliothek ein Förderungsmittel der Bildung und der Wissenschaft erwachsen, wie es vordem nicht bestanden hat.