Jahrgang 
1888
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5 des Grossherzogs die Wappen von neun Städten des Grossherzogtums(Eisenach, Kaltennordheim, Weida, Allstedt, IImenau, Apolda, Geisa, Jena, Weimar) und unter den die Wände nach oben ab- schliessenden Arabesken und Städtewappen Sprüche, wie sie wohl einem solchen Orte ziemen.

Die innere Ausstattung ist ganz durch das einheimische Handwerk hergestellt worden, Herr Ilofmaler Rosenthal führte die Malereien aus, Herr Fabrikbesitzer Degenring die eiserne Wendeltreppe, Ilerr Tischler Dorschel die nötigen Tische und Stühle. In der Zeit vor Weihnachten fand die Ein- räumung der Bücher statt.

Die jetzt vereinigten Sammlungen bestehen aus folgenden Teilen: der bisherigen Gymnasial- bibliothek, einschliesslich des Funkhänel'schen Vermächtnisses, den nicht-juristischen Büchern der früheren Bibliothek des Appellationsgerichtes, der sogen. Luther-Bibliothek der Wartburg und dem Vermächtnis Alexander Zieglers.

Bereits im Jahresbericht 1885/6 S. 6 ist mitgeteilt worden, dass Se. Königliche Hoheit der Grossherzog auf der Wartburg eine Bibliothek besitzt, welche aus Anlass des vierhundertjährigen Lutherjubiläums durch den Kommissionsrat Buchhändler Kühn in Weimar infolge eines demselben von Allerhöchster Seite gestatteten Aufrufes und durch eine besondere Stiftung erheblichen Zuwachs erhalten hatte.

Diese besondere Stiftung rührt von dem am 28. November 1886 in Dresden verstorbenen Königl. Sächs. Kommissionsrat Heinrich Klemm her und enthält ausser zahlreichen geschichtlichen auf die Reformation und auf Thüringen bezüglichen Werken namentlich eine äusserst wertvollesammlung von gegen 900 Originaldrucken des 16. Jahrhunderts, Schriften Luthers wie anderer Reformatoren und ihrer Gegner, darunter grosse und kostbare Seltenheiten, die überhaupt nur noch in wenigen Exemplaren vorhanden sind.

Da die Lage und die Räume der Wartburg sich nicht dazu eignen, um diese Sammlung für den Gebrauch und die Benutzung zugänglich zu machen, so ordnete Seine Königl. Hoheit an, dass sie in der neuen Bibliothek, an besonderem Platze, aufgestellt und dein Grossherzogl Krongut zuge- rechnet würde. Herr Oberstlieutenant von Arnswald, Kommandant der Wartburg, sorgte für deren

doppelte Katalogisierung ein Exemplar des angelegten Zettelkatalogs ist auf der Wartburg zurückge- blieben und liess sie hierher überführen.

IEs dürfte daher gerechtfertigt sein, zum Andenken des Mannes, welchem die Wartburg-Bibliothek diese Werke verdankt, die Mitteilungen hier zum Teil zu wiederholen, welche die Weimarische Zeitung

am 2. Dezember 1886 über seinen bemerkenswerten Lebenslauf gegeben hat. Er war heisst es daselbst ein selbstgemachter Mann im wahren Sinne des Worts. 1818 geboren ward er auf Kosten

seiner Heimatsgemeinde erzogen und dann zu einem Schneider in die Lehre gegeben. Er machte sich die wissenschaftliche Fortbildung der Bekleidungskunst, sowie die Veredlung des Modengebietes zur Aufgabe. Zunächst suchte er durch Zeitungsartikel für sein Ziel zu wirken, und durch diese lenkte er die Aufmerksamkeit massgebender Kreise auf sich. Infolgedessen ward er vom Verlags- buchhändler Voigt nach Weimar berufen und mit der Redaktion der ersten, von Voigt begründeten Modezeitung betraut. Mit der Zeit ward ihr Redakteur zu ihrem selbständigen Eigentümer und nachdem er noch ein auf dem Gebiete der Bekleidungskunst bahnbrechendes Buch veröffentlicht hatte, gründete er in Dresden, zusammen mit einem Berufsgenossen, die Genossenschaft. Europäische Moden- Akademie, die dann unter dem NamenDeutsche Bekleidungs-Akademie eine eigene Fachschule ins Leben rief, und die von ihm als erstem Direktor bis an sein Ende geleitet wurde. Inzwischen steigerte sich der Erfolg seinerEuropäischen Modezeitung immer mehr, und dies ermöglichte es dem unermüdlich thätigen Manne, sich in seinen Mussestunden auch einer Liebhaberei hinzugeben, die schon seit seinem Knabenalter in ihm gekeimt hatte. Damals hatte sein Wissensdrang zum ersten Male in den alten bedruckten Blättern Nahrung gefunden, die Klemm sich zuweilen von einem Händler mit Makulatur für einen erübrigten Pfennig kaufte. Hieraus war später sein bibliographisches Interesse erwachsen. Er kaufte alle wertvollen alten Druckwerke, besonders erste Originaldrucke auf, die er erlangen konnte, und so setzte er sich allmählich in den Besitz einer kostbaren Bibliothek, die als Klemms bibliographisches Museumt in den weitesten Kreisen bekannt wurde und für die man ihm vor einigen Jahren von Amerika aus eine Million Mark bot. Klemm aber wollte die Früchte seines langjährigen mühevollen Sammelns nicht aus seinem Vaterlande gehen lassen, trat sie vielmehr für