Das Winterhalbjahr begann am 10. Oktober.
Die Studientage wurden in der üblichen Weise abgehalten, die Primaner lasen Homer und Horaz, die Sekundaner Homer, Xenophon und Cicero.
Zu der am 10. November stattfindenden Aufführung von Bildern aus Luthers Leben im hiesigen Theater stellte Herr Kommissar Dittenberger für die Schüler freie Eintrittskarten und solche zu ermässigten Preisen gütigst zur Verfügung. Wir statten ihm auch an dieser Stelle unsern ergeben- sten Dank dafür ab. 3
Am Katharinentag, dem 25. November, war der Saal infolge der UÜbersiedelung der Gymnasial- bibliothek noch nicht zugänglich. Deshalb musste die Feier verschoben werden. An dem für sie be- stimmten Tage hielt der Oberprimaner Marbach die deutsche Rede zur Erinnerung an die Stipen- dienstiftung der Reichsgräſin Elmpt..
Am 20. Dezember fand eine musikalische Aufführung in dem gütigst bewilligten Saale der Clemda-Gesellschaft durch den Chor des Gymnasiums und des Seminars unter der kundigen Leitung des Herrn Prof. Thureau statt. Der Ertrag war für gelegentliche Unterstützung von Schülern be- stimmt, namentlich zu dem Zwecke, um ihnen die Teilnahme an Ausflügen mit ihren Kameraden zu- sammen zu ermöglichen oder zu erleichtern. Allmählich hoffen wir den nötigen mässigen Betrag an- sammeln zu können, der hinreicht, um von seinen Zinsen diese Bedürfnisse zu bestreiten. Gegen- wärtig ist ein Betrag von 134 Mk. auf der hiesigen Sparkasse verzinslich angelegt; ausserdem ist noch ein kleiner Baarvorrat(18,67 Mk.) vorhanden. Die Verwaltung dieser Beträge führt Herr Dr. Oesterheld.
Bald nach dem Wiederbeginn des Unterrichts nach den Weihnachtsferien erkrankte Herr Dr. Oesterheld von neuem. Da derselbe voraussichtlich bis Ostern verhindert war, sein Amt zu ver- sehen, so wurde mit Bewilligung des Grossherzogl. Staatsministeriums die Vertretung ähnlich der früheren für ihn eingerichtet(M.-N. 20. Jan. 1888). Herr Dr. Unrein übernahm seine Vertretung als Klassenlehrer und zugleich 7 Stunden Griechisch(in IIIa.); die übrigen Stunden wurden unter Mitglieder des Lehrkörpers verteilt.
Am 7. März fand unter dem Vorsitz des Herrn Oberschulrat Dr. Leidenfrost als Grossher- zoglichen Kommissars die mündliche Reifeprüfung der Oberprimaner statt. Das Ergebnis der gesamten Prüfung war, dass 21 Schüler das Reifezeugnis erlangten, sieben derselben wurden auf Grund ihrer schriftlichen Prüfungsarbeiten und ihrer Leistungen während des zweijährigen Aufenthalts in der obersten Klasse von der mündlichen Prüfung befreit.
Der Geburtstag Sr. Majestät des deutschen Kaisers wird am 22. März durch eine festliche Feier begangen. Herr Dr. Nicolai hält die Festrede. Im Namen der abgehenden Schüler spricht in la- teinischer Rede der Oberprimaner Crämer. Mit dieser Feier ist die Entlassung der abgehenden Schüler verbunden. Gesang unter Leitung des llerrn Prof. Thureau beginnt und schliesst die Feier.
Der Schluss des Winterhalbjahres findet am 24. März statt, der Beginn des Sommerhalbjahres am 9. April.
Zu Ostern scheidet nach Vollendung des Probejahres von hier Herr Dr. Unrein, um eine Lehrerstelle am Carl Alexander-Gymnasium in Jena zu übernelmnen. Für die guten Dienste, welche er dem Gymnasium erwiesen hat, statten wir ihm herzlichen Dank ab mit besten Wünschen für seine Zukunft.
im Anschluss und unter Bezugnahme auf die im Jahresbericht von 1886 und 1887 bereits ge- machten Mitteilungen habe ich noch über die neue Bibliothek zu berichten.
Die in der alten Predigerkirche hergerichteten Ränme wurden im Spätherbst fertig gestellt. Herr Bezirks-Baumeister Dittmar und Ierr Baukontroleur Harnisch führten den Bau aus. Die Bib- liothek besteht aus zwei übereinanderliegenden und durch eine Wendeltreppe verbundenen Sälen, die beide heizbar sind. Der untere Saal ist zugleich für den Bibliothekar zum Geschäftsraum bestimmt und dient auch als Lese- und Arbeitszinnner. Der obere Raum ist hoch und hell beleuchtet durch die Spitzbogen des früheren llauptschiffs der Kirche, welche hier ausmünden; die Vorderwand ist mit dem Grossherzoglichen Wappen und dem Thüringer Wappenschild geschmückt, an den beiden Seitenwänden und auf der Rückwand belinden sich nach der Bestimmung Sr. Königlichen loheit


