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auf Antrag der Grossb. Staatsregierung hat der Landtag im Herbst 1883 die zur Erwerbung und Einrichtung des dazu bestimmten Platzes und die zur Herstellung und Unterhaltung der Baulich- keiten nötigen Mittel bewilligt, der Bau wird nach den Plänen des Herrn Baurat Dittmar bereits so eifrig betrieben, dass die Vollendung der Anstalt im Laufe des Sommers zu erwarten ist. Der Turnplatz ist für die drei Staatsanstalten: das Karl-Friedrichs-Gymnasium, das Realgym- nasium und das Seminar bestimmt.
Abgesehen von andern Beratungen über Gegenstände des Unterrichts sind in der 2. Hälfte des Winters diejenigen didaktischen Fragen in Konferenzen behandelt worden, welche an Herbarts Namen und an seine pädagogischen Ideen angeknüpft worden sind, um diese Fragen, welche neuerdings so stark sich geltend gemacht haben, aus nächster Nähe kennen zu lernen, und durch eigene Versuche, namentlich auch für die höhern Stufen des Unterrichts, über die praktische Aus- führung und die Art der Anwendung ein begründetes Urteil zu gewinnen. Herr Professor Menge übernahm den einleitenden Bericht, welcher unter besonderer Berücksichtigung des Referats aus der Halleschen Direktoren-Konferenz(von Frick und Friedel, Berlin 1883) über die ganzen hier in Betracht kommenden Fragen orientierte; in einem zweiten Bericht erläuterte derselbe die didaktischen Formalstufen Herbarts und behandelte nach denselben die Schlacht bei den Ther- mopylen; Herr Dr. Schmidt gab den ausgeführten Entwurf einer solchen Behandlung über das griechische Medium; Herr Werneburg aus dem naturwissenschaftlichen Gebiete über die Biene; Herr Dr. Zimmermann bearbeitete einen Abschnitt über die Lehre vom Dreieck. Der Raum verbietet mir, einen dieser Entwürfe hier abdrucken zu lassen, der eine und andere derselben wird wohl anderweitig von den Verfassern veröffentlicht werden. Einige Bemerkungen, welche bei diesen eingehenden Verhandlungen, an denen sich alle rege beteiligten, in Bezug auf das Ganze oder auf Einzelheiten dieser Didaktik gemacht worden oder durch sie veranlasst worden sind, mögen hier ohne alle weitere Ausführung einen Platz finden, nicht um ein durchgehendes Urteil zu begründen, sondern nur um hier und da einen Umstand hervorzuheben, der vielleicht einige Beachtung verdient, namentlich auch um vor einer in didaktischen Dingen gar zu oft und zu leicht sich einstellenden ÜUbertreibung zu warnen. Wenn man glaubt, dass mit Herbartscher Didaktik das Heilmittel gegen Uberbürdung gefunden sei, so irrt man sich; immer und überall wird das Hauptmittel dagegen dasjenige Wissen des Lehrers sein, welches wirklich— wenn auch nicht überall, denn das ist nicht menschenmöglich— bis auf den gewachsenen Boden der Dinge reicht, die er zu lehren hat. Die Unterscheidung des Wichtigen und Unwichtigen erwächst allein aus einer gründlichen Kenntnis der Sache; keine formale Behandlung führt über diese Tiefe hinüber. Wer wahrhaft wissenschaftlich zu arbeiten gelernt hat, weiss vor allen Dingen auch anzugeben und zu zeigen, wie man zu den Dingen gelangt; er kennt nicht bloss die durch die Forschung festgestellte Thatsache, sondern weiss auch andere auf den Weg zu bringen, auf dem sie„etwas lernen“ können. Ohne ein solches Wissen wird sich der Lehrer nicht darauf ver- stehen, das Ziel seines Unterrichts einfach und richtig zu bezeichnen, wird er nicht verstehen, an das Wissensbedürfnis des Schülers und an seine schon erworbenen Kenntnisse auf dem geeig- neten Punkte anzuknüpfen, die Sache mit Einfachheit und Klarheit darzulegen, die frei hän-
genden Fäden seiner Kenntnisse durch Knoten zu verknüpfen, kurz— indem ich die weiteren Andeutungen der Formalstufen unterlasse— überhaupt ein lebendiges Wissen zu vermitteln.—
Mir will es scheinen, als wären die Entwürfe zu den Musterlektionen, die in letzterer Zeit ver- öffentlicht worden sind, viel zu sehr ins Einzelne ausgeführt, denn ein solcher bis ins Kleinste gehender Entwurf, welcher doch jungen Lehrern zum Muster dienen soll, muss auf denjenigen beschränkend wirken, der ihn ausführen soll. Wenn irgendwo, so ist in diesem Falle Toleranz am Platze; wird sie nicht geübt, so ist das ein Schaden für die jungen Lehrer, und selbständige Naturen werden je eher je lieber in diese engen Maschen ein Loch zu reissen sich versucht fühlen, um freiere Bewegung zu haben. Denn ganz so wie beim Gehen lernen der Kinder ist es doch nicht, und auch da gibt man Stützen mit einigem Spielraum.— Eine ganz besondere Vorsicht ist nötig bei der sogen.„Erweckung des ethischen Interesses“.„Wie gefällt dir diese Handlungs- weise?“ und ühnliche Fragen werden dem jugendlichen Gemüt oftmals als gar zu zudringlich und ausforschend erscheinen. Neigung und Abneigung gegen Helden und hervortretende Männer etc. empfindet die Jugend so lebhaft wie irgend wer, aber sich belauschen zu lassen in ihrer Liebe und ihrem Hass, sich— so zu sagen— verhören zu lassen, das widerstrebt ihrer Natur und


