Jahrgang 
1884
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seinen Kollegen ein guter Genosse gewesen, jedem Schüler ein fürsorglicher und gewissenhafter Lehrer. Seine wissenschaftlichen Studien galten besonders den griechischen Philosophen; eine Frucht derselben war die Abhandlung im Programm 1878:Empedocles Agrigentinus quatenus Heraclitum Ephesium in philosophia secutus site. Er lebte in glücklicher Ehe, mit uns beklagt die zurückgelassene Gattin seinen frühen Tod, der für uns schmerzlich, für ihn selbst vielleicht eine Wohlthat war, die ihn vor langem Siechtum schützte. Vor einigen Jahren hatte er durch einen vom Dache fallenden Ziegelstein eine schwere Verletzung des Kopfes erlitten; seine Freunde, die ihn genauer kannten, glaubten seitdem in seinem Wesen eine allmähliche Veränderung zu bemerken; der sonst gesunde und kräftige Mann schien an seiner Frische eingebüsst zu haben und nicht mehr so gleichmässig wie früher die frohe Kraft der Jugend zu besitzen. Man muss annehmen, dass die Folgen jenes unglücklichen Zufalls seinen Tod herbeigefühft haben. Sein Andenken bleibe unter uns in Ehren!

Für den noch übrigen Teil des Winterhalbjahres war im Interesse der Schule ein Ersatz im Unterrichte für Dr. Schläger dringend nötig, da wir mit den vorhandenen Kräften denselben nur ungenügend hatten leisten können. Auf Antrag des Herrn Oberschulrat Dr. Rassow geneh- migte das Grossherz. Staatsministerium, dass Herr Dr. Richard Solbisky, zu der Zeit als Cand. prob. am Weimarischen Gymnasium beschäaftigt, hier eintrat und einen Teil der Stunden des Herrn Dr. Schläger übernahm. Bereits am 10. Januar begann derselbe seine Thätigkeit am hiesigen Gymnasium.

Herr Dr. Solbisky ist in Weimar am 24. Mai 1859 geboren und wurde auf dem Gymnasium daselbst vorgebildet. Von Ostern 1878 an studierte er in Jena Philologie, pro- movierte daselbst 1882 mit einer Dissertation ,de codicibus Propertianis: und bestand im Mai 1883 die Staatsprüfung. Mit dem Anfang des Juni begann er am Weimarischen Gymnasium sein Probejahr.

Mit Beginn des neuen Schuljahres ist Herr Dr. Paul Krumbholz eingetreten, um sein Probejahr am hiesigen Gymnasium abzulegen.

Herr Dr. Krumbholz ist in Weimar am 4. August 1861 geboren, besuchte von Ostern 1870 bis 1879 das dortige Gymnasium und studierte dann in Tübingen und Leipzig klass. Philologie und Geschichte. Im Jahre 1883 promovierte er in Leipzig mit einer Dissertation ,de Asiae minoris satrapis Persicis' und bestand daselbst im Jahre 1884 die Prüfung pro facultate docendi.

II. UNTERRIOHT.

Im neuen Schuljahr wird der Lehrplan vom 22. März 1883(vgl. das Programm 1883 S. 9) in der Weise weiter durchgeführt, dass dem Griechischen in Untertertia 7 Stunden, dem Latei- nischen 8 Stunden zugewiesen sind; dass ferner für Sexta, Quinta und Quarta der Zeichen- unterricht obligatorisch und unentgeltlich mit wöchentlich zwei Stunden begonnen worden ist (vgl. M.-V. v. 22. Febr. 1884).

Die Abgrenzung der Lehrpensen, soweit eine solche infolge des genannten Lehrplanes er- forderlich war, ist auch für den mathematischen und Rechen-Unterricht, für den französischen und geographischen Unterricht durchgeführt worden, wie dies durch M.-V. vom 3. Februar 1883 gefordert war(vgl. Programm 1883 S. 10). Seit Pfingsten 1883 ist es auch möglich gewesen, den Nachmittagsunterricht, mit Ausnahme des fakultativen Unterrichts im Hebräischen und der Singstunden, auf die Stunde von 34 Uhr zu beschränken und die übrigen bisher auf den Nachmittag von 2 3 Uhr fallenden Unterrichtssunden für die Klassen von Prima bis Untertertia auf Mittwoch und Sonnabend um 11(bez. 12) Uhr zu verlegen(vgl. a. O. S. 12).

Leider hat bald nach Beginn des Wintersemesters der Turnunterricht in der städtischen Turnhalle aus Gesundheitsrücksichten gänzlich eingestellt werden müssen. Die Verhältnisse, wie sie bisher bestanden haben, haben sich immer mehr als völlig unerträglich herausgestellt und schon längst ist das Bedürfnis einer neuen Turnhalle und eines geeigneten Turnplatzes als drin- gend von der Grossh. Staatsregierung erkannt worden. Es ist nun endlich gelungen, einen ge- eigneten Platz für das Turnen und zugleich für die neu zu belebenden Turnspiele zu gewinnen;