3
Die Frau Grossherzogin hat die Gnade gehabt, ein Exemplar der neuen kritischen Aus- gabe von Luthers Werken dem Gymnasium als Geschenk zu bestimmen. Es sei mir gestattet, an dieser Stelle nochmals den ehrerbietigen und aufrichtigen Dank auszusprechen, zu welchem diese kostbare Gabe uns verpflichtet.
Die Studientage wurden in der üblichen Weise abgehalten, die Primaner lasen Horaz und Homer, die Sekundaner Homer, Xenophon und Cicero.
Am Katharinentage, dem 25. November, hielt der Primaner Weitemeyer die deutsche Rede zur Erinnerung an die Stipendienstiftung der Reichsgräfin von Elmpt.
Vom 20. bis 23. Februar fertigten die Abiturienten ihre schriftlichen Arbeiten an, die münd- liche Prüfung fand in Gegenwart des Herrn Oberschulrat Dr. Rassow am 7. und 8. März statt. Von 15 Abiturienten erhielten 13 das Zeugnis der Reife.
Ein Konzert der Schüler zum Besten des für Eisenach beabsichtigten Lutherdenkmals am 23. Februar unter Leitung des Herrn Professor Thureau in der Aula gegeben, ward mit zahl- reichem Besuche beehrt und hatte guten Erfolg
Der Geburtstag Sr. Majestät des deutschen Kaisers wurde am 22. März durch eine fest- liche Feier begangen. Herr Dr. Oesterheld hielt die Festrede über die Wiederherstellung Preussens und die Begründung des deutschen Bundes. Mit dieser Feier war die Entlassung der Abiturienten verbunden. Der Direktor richtete eine Ansprache an dieselben und händigte ihnen ihre Zeugnisse ein.
Die öffentlichen Prüfungen der einzelnen Klassen wurden vom 1. bis 3. April gehalten, am 5. April mit der Verteilung der Censuren und mit der Bekanntmachung der Versetzung an die Schüler das Winterhalbjahr geschlossen.
Durch zweimaliges Auftreten der granulösen Augenentzündung erlitt der Unterricht Störungen. Bereits in der letzten Woche des Juni kamen einzelne Erkrankungen unter den Schülern vor. Ungeachtet diese aufs sorgfältigste beachtet wurden und der Schulbesuch jedes einzelnen der Er- krankten von ärztlichem Ausspruche abhängig gemacht wurde, um eine Weiterverbreitung der Krankheit durch Ansteckung möglichst zu verhindern, so nahmen doch diese Erkrankungen zu, nach wenigen Tagen stellte die ärztliche Untersuchung sämtlicher Schüler des Gymnasiums durch den Physikus Herrn Geh. Medizinalrat Dr. Matthes eine so grosse Anzahl von Erkrankungen fest, dass noch einige Tage vor dem gesetzlichen Anfang der Sommerferien die Schüler in die Ferien entlassen wurden. Während der Ferien wurden nach ärztlicher Anweisung alle irgendwie nötigen und vorteilhaften Massregeln zur Reinigung der Klassenzimmer vorgenommen, demunge- achtet trat unmittelbar nach den Ferien die Krankheit von neuem in heftiger Weise auf und griff binnen kurzem so um sich, dass im ganzen nur einige dreissig Schüler gesund blieben, die übrigen leichter oder ansteckend erkrankten. Erst nach einigen Wochen nahm die Zahl der Er- krankten merklich ab bis gegen Michaelis hin. Jedoch ist der Unterricht nicht ausgesetzt worden, wenn er auch mit empfindlichen Stärungen zu kämpfen hatte.
Durch Verfügung des Grossh. Staatsministeriums vom 27. November 1883 wurde mitgeteilt, dass höchster Entschliessung zufolge Herr Dr. Otto Zimmermann und Herr Dr. Rudolph Flex von gleichem Datum an als ordentliche Lehrer angestellt worden sind(vgl. Programm 1882 S. 4. 1883 S. 7).
Einen schmerzlichen Verlust erlitt das Gymnasium durch den Tod des Dr. Schläger. Im Laufe der Weihnachtsferien erkrankte er so bedenklich, dass er völlig ausser stande war, seine Thätigkeit nach den Ferien wieder aufzunehmen und sich genötigt sah, bei der Staatsbehöride einen längern Urlaub nachzusuchen, um bei gänzlicher Befreiung von allen Amtsgeschäften in Jena unter ärztlicher Pflege seine Gesundheit wieder herzustellen. Es war im Rate der Vor- sehung anders beschlossen. Er starb bereits in der Nacht vom 25. zum 26. Januar in Jena, wo er auch bestattet worden ist. Herr Professor Kunze als Vertreter des Lehrerkollegiums und eine Deputation der Schüler gaben ihm nebst einer Anzahl Freunde und Kollegen das letzte Geleite. Er war am 17. Juni 1847 geboren, hat also ein Alter von noch nicht ganz 37 Jahren erreicht. Uber seine weiteren Lebensverhältnisse gibt das Programm von 1875 S. 23 nähere Auskunft. Seit Ostern 1874 gehörte er unserer Schule als Lehrer an und hat durch sein liebenswürdiges Wesen, das im geselligen Kreise in anregendem und harmlosem Scherz sich gern offenbarte, sich ein freundliches Andenken in weiten Kreisen erworben. In seinem Amte ist er pfichtgetreu,


