Jahrgang 
1883
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des Wesentlichen vom Unwesentlichen die sorgfältigste Arbeit zuzuwenden. Dahin gehört unter anderem ein festzusetzender Kanon von Jahreszahlen für die Geschichte. Denn von diesem Punkte aus lässt sich am leichtesten die Last des Stoffes mindern, ohne diesem selbst die wertvollsten Teile zu entziehen; für den geographischen Unterricht, dem bisher bei uns in der Tertia 4 St. zur Verfügung standen, ist die nun nôtig gewordene Sichtung und Anordnung. des Stoffes durch Herrn Dr. Kühn entworfen, die auch die Bedürfnisse der oberen Klassen und die in denselben in bestimmten Zwischenräumen stattndenden Wiederholungen und den physikalischen Unterricht berücksichtigen wird, um dann in einer gemeinsamen Beratung der Lehrer-Konferenz ihren Ab- schluss zu finden. Vor allem aber hat sich diese diaskeuastische Thätigkeit des Lehrerkollegiums auf die griechische und lateinische Grammatik erstreckt. Es ist unleugbar, dass durch unsere gangbaren Schulgrammatiken und Uebungsbücher eine den Schüler beschwerende und hemmende Ueberfülle an Stoff in Umlauf gekommen ist; über die letzteren hat die Circularverfügung des Königlich Preussischen Ministers S. 8 ein für alle Mal ein vernichtendes Urteil in der verbind- lichsten Form gefällt. Die schriftlichen grammatischen Uebungen sind vollständig gemissbraucht worden, um an eine oft mit Unrecht beliebte Phrase aus einem Paragraphen der Schulgrammatik zu erinnern, die bei Schriftstellern nur selten, in den Uebungsbüchern desto häufiger vorkömmt. Und wieder werden die Grammatiken gestützt und getragen durch solche Bücher, die eine aus- gesuchte Kasuistik enthalten, wie von Philologen für Philologen geschrieben. Es würde eine dem Umfange nach zwar leichte, aber um so widerwärtigere Arbeit sein, an weit verbreiteten Gram- matiken alle die didaktischen Verirrungen und die scholastischen Seltsamkeiten einzeln aufzu- zeigen, welche die Auguren grammatischer Schul-Weisheit ängstlich kultivieren.Die jetzt ge-

bräuchlichen Grammatiken sagt die Generalverordnung des Königl. Sächsischen Minist. an die Rektoren sämmtlicher Gymnasien vom 10. März 1882 sind ganz von jener Richtung(auf fach-

männische Philologie) beherrscht; in jeder neuen Auflage bieten sie neue, zum Teil höchst zweifel- hafte syntaktische Subtilitäten, deren praktische Applikabilität oft völlig unsicher und deren Er- lernung in der Form abstrakter Dogmen für die Gymnasialzwecke unfruchtbar ist. Vielfach wirken diese Grammatiken sodann auf die Art der Einrichtung der Scripta ein, die statt die Grundlage zu einfachen und natürlichen Versuchen der Uebertragung in das fremde Idiom zu sein, bisweilen den Eindruck von künstlichen Sammlungen syntaktischer Fallen machen und statt im Schüler das frohe Gefühl des Könnens die ängstliche Empfindung gequälter Arbeit erzeugen. Dies ganz be- sonders, wenn auch das obnedies in seinem pädagogischen Werte überschätzte Extemporale in diesem Sinne ausgebeutet wird. Für den ältern Gymnasialgrundsatz, dass die Syntax vorzugs- weise bei der Lektüre zu zeigen sei, hat die jetzige Gymnasialpraxis eine abstrakte subtile Dog- matik eingetauscht, welche dem Geiste der Jugend fremdartig ist und die frühere Freudigkeit, wie sie der Eintritt in die antike Welt mit sich brachte, nur zu leicht verdrängen kann.

Diese schmarotzerhaften Auswüchse hindern nur das natürliche Wachstum und gefährden eine gedeihliche Entwickelung sicheren Wissens. Je mehr Hindernisse, desto schlimmer für den Passanten, sodass man mutatis mutandis von diesen Büchern(wie auch von vielen sogenannten Schulausgaben alter Schriftsteller) die Goetheschen Worte gebrauchen darf:

Sie machen immerfort Chausseen, Dass niemand vor Wegegeld reisen kann.

Es bandelt sich vor allem heisst es an einer andern Stelle jener Vero[rdnung um strenge Prüfung der jetzt gangbaren lateinischen und griechischen Schulgrammatiken und um die Sekretierung eines nicht geringen Teiles ihrer syntaktischen Regeln, um die Hebung der Lektüre in ihrer Bedeutung für die sittliche und ästhetische Erziehung, um die zweckmässige Einrichtung der schriftlichen Arbeiten und um Verhütung einer Verdrängung der für die unteren und mittleren Klassen allein zuträglichen Elementarmethode.

Was ich selbst seit Jahren bei dem Unterrichte im Lateinischen und Griechischen erprobt und bewährt gefunden habe, das habe ich als Grundlage benutzt, um unter bereitwilligster Unter- stützung meiner Herren Kollegen ein Normalexemplar der jetzt bei uns gebrauchten lateinischen und griechischen Grammatik herzustellen, welches das Mass des Stoffes für den speziellen grammatischen Unterricht genau begrenzt. Ohne Schonung und ohne alle Rücksicht auf gewisse gran matische Traditionen und Liebhabereien ist alles über Bord geworfen worden, was nicht