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auf Seite 27 vom Director ausgesprochene Wunsch in schöner Weise in Erfüllung gegangen. Dem hochherzigen Geber sei auch an dieser Stelle der Dank des Gymnasiums ausgesprochen.
Am 22. September veranstaltete die Schule eine musikalische Aufführung zum Besten der Abgebrannten von Vacha, welche den Betrag von 225 Mark einbrachte.
Die schriftlichen Herbstprüfungen fanden vom 16. bis 18. September, die mündlichen vom 24. bis 27. September statt; am 28. September wurde mit Vertheilung der Censuren das Sommer- semester geschlossen.
Das Wintersemester begann am 13. October. Am 24. October feierten die Lehrer und die confirmirten Schüler gemeinsam das heilige Abendmahl. Die Beichtrede hielt Herr Diaconus Dr. Gilbert, dem wir dafür zu herzlichem Danke verpfichtet sind.
Die monatlichen Studientage der drei obersten Klassen wurden in hergebrachter Weise beibehalten; die Primaner lasen Sophokles, die Secundaner Homer.
Am 5. November starb der seit Ostern 1873 hierselbst in ehrenvollem Ruhestand lebende frühere Lehrer des Gymnasiums Hofrath Dr. Wilhelm Weissenborn. Die wissenschaftliche Bedeutung dieses ausgezeichneten Mannes ist bei den Fachgenossen über die Grenzen unseres Vaterlandes hinaus bekannt; was er als Lehrer geleistet, wird in den weiten Kreisen seiner Schüler unvergessen bleiben. Am 8. November gaben ihm die Lehrer und die älteren Schüler das Geleite zur letzten Ruhestätte. Den unten folgenden Abriss seines Lebens hat der Sohn des Entschlafenen, Herr Professor Dr. Bermann Weissenborn, Lehrer am hiesigen Realgymnasium. dem Unterzeichneten auf seine Bitte freundlich zur Verfügung gestellt. 1
Am 25. November hielt der Primaner Max Stöhr die deutsche Rede zur Erinnerung an die Stipendienstiftung der Reichsgräfin Katharina von Elmpt.
Vom 19. bis 22. Februar 1879 wurden die schriftlichen Prüfungsarbeiten der Abiturienten und zugleich die der Unterprimaner angefertigt, am 17. 18. und 19. März die der übrigen Klassen. Die mündliche Prüfung der Abiturienten erfolgte am 8. März in Gegenwart des Grossherzoglichen Regierungscommissars, Oberschulrath Dr. Rassow.
Am 22. März feierte die Schule in einem Festactus zugleich den Geburtstag Sr. Majestät des deutschen Kaisers und die Entlassung der Abiturienten. Nach einer Festrede des Herrn Dr. Schmidt über die Entwickelung des Königthums und der lateinischen Abschiedsrede des Oberprimaners Karl Unte utsch entliess der Director die Abiturienten mit einer Ansprache und händigte ihnen das Reifezeugniss ein.
Am 2. 3. und 4. April fand die öffentliche Prüfung aller Klassen des Gymnasiums statt. am 5. Censur und Versetzung.
Das Schuljahr schloss mit einem schmerzlichen Trauerfall. Am 4. April starb ein hoff nungsvoller Schüler, der Obertertianer Friedrich Fretwell, an Diphtheritis. Lehrer und Schüler werden ihm ein freundliches Andenken erhalten.
Zur Erinnerung an Wilhelm Weissenborn.
In der Ueberzeugung, es werde auch in weiteren Kreisen nicht unerwünscht sein, Näheres äber das Leben meines verewigten Vaters, Hofrath Professor Dr. Wilhelm Weissenborn, zu erfahren, und angegangen um Notizen über denselben. erlaube ich mir Folgendes mitzutheilen, in der Hoffnung, es werde, was der Sohn zu berichten vermag, obschon er als Mathematiker über Philologie mitzureden sich nicht erlauben darf und die Beurtheilung der wissenschaftlichen Lei- stungen des Verstorbenen gern Sachverständigen überlässt, auch bei letzteren eine gütige Auf nahme finden.
Wilhelm Weissenborn war geboren zu Riethnordhausen, einem Dorfe im Weimarischen
Kreise, den 23. November 1803. Sein Vater und seine Mutter gehörten alten Predigerfamilien an:
der erstere starb sehr früh, und die Witwe zog nunmehr zurück in ihren Geburtsort. Dankmars- hausen, ein Dorf in der Nähe von Eisenach. woselbst sie sich nach einigen Jahren wieder ver heirathete. Hier besuchte mein Vater die Dorfschule, lernte lesen, schreiben, rechnen,
ja sogar


