Jahrgang 
1879
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Jahresbericht von Ostern 1878 bis Ostern 18789.

I. Chronik.

Das neue Schuljahr begann am 29. April mit der Prüfung der neu angemeldeten Schüler. Am 30. nahm der regelmässige Unterricht seinen Anfang, nachdem zuvor die beiden neuen Lehrer Dr. Schmidt und Dr. Delius in ihr neues Amt eingeführt worden waren.

Leider wurde der geordnete Unterricht in diesem Jahre mehrfach durch Erkrankung und Abberufung einzelner Lehrer gestört. So musste Herr Prof. Dr. Schneidewind wegen eines Augenleidens vom 16. Mai bis zu den Sommerferien vertreten werden. Am 23. Juni wurde Herr Dr. Bachof, am 1. Juli Herr Dr. Kühn zu militärischer Dienstleistung auf sechs Wochen einge- zogen. Für die Zeit vom 1. bis zum 24. Januar 1879 war der Director zur Theilnahme an den Verhandlungen der II. ordentlichen Landessynode in Weimar einberufen. Endlich erkrankte Herr Dr. Kühn zu Ende des Schuljahres auf einige Wochen.

Am 7. Mai wurden diejenigen Schüler, welche im Jahre 1866 geboren sind, durch Herrn Dr. Wedemann geimpft. Reichsgesetz vom 8. April 1874.

Am 18. Mai fand, vom schönsten Wetter begünstigt, der Schulspaziergang aller Klassen statt.

Nach den Pfingstfeiertagen bezog die Prima den nunmehr völlig hergestellten lichten und geräumigen Klassenraum gleich am Eingange neben dem Kreuzgang. Vgl. Jahresbericht von 1878 Seite 26.

Am 24. Juni feierte das Gymnasium den Geburtstag Seiner Königlichen Hoheit des Gross- herzogs durch einen Actus. In der Festrede gedachte Herr Dr Schläger des bevorstehenden Regierungs-Jubiläums unseres Landesherrn. Am 9. Juli wurde dasselbe von der Schule durch Theilnahme am Festgottesdienst und an dem im Marienthal veranstalteten Volksfest gefeiert. Der Director hatte die Ehre in Weimar vereint mit den Leitern der übrigen höheren Lehranstalten des Grossherzogthums Seiner Königlichen Hobeit eine von den Collegien gestiftete lateinische Begrüssungsschrift zu überreichen.

Mit Rücksicht auf die am 30. Juli stattfindenden Reichstagswahlen wurden auf Beschluss der vorgesetzten Behörde die Sommerferien auf die Zeit vom 1. bis 28. August, die Michaelis- ferien auf die Zeit vom 29. September bis zum 13. October verlegt. Da durch diese Verlegung die Vertretung der zu den Fahnen einberufenen Lehrer erschwert war, wurde mit Genehmigung des hohen Ministeriums Herr Dr. Paul Cauer, welcher zu dieser Zeit hierselbst seiner militäri- schen Dienstpflicht genügte, zu aushülfsweiser Vertretung zugezogen. Die Anstalt ist diesem Herrn, der mit Treue und Geschicklichkeit dem ihm übertragenen Amte oblag, zu eben so grossem Danke verpflichtet, wie seinen militärischen Vorgesetzten, welche mit. entgegenkommender Bereit- willigkeit seine Thätigkeit am Gymnasium gestatteten.

Am 2. September wurde die Erinnerung an die Schlacht von Sedan durch einen Actus gefeiert. Die Festrede hielt der Primaner Paul Feine. Auch an dem Volksfest im Marienthal und an dem zum Schluss stattfindenden Fackelzug nahm das Gymnasium Antheil.

Durch das freundliche Wohlwollen eines unserer Mitbürger ist dem Gymnasium ein lebensgrosses Standbild Luther's für die Wandnische am südlichen Giebel des Schulhauses gestiftet worden. Dasselbe ist in der March'schen Fabrik zu Charlottenburg in gebranntem Thon herge-

stellt und fand am 13. September seine Aufstellung. Dadurch ist der im vorjährigen Jahresbericht 1*