Jahrgang 
1876
Einzelbild herunterladen

Jahresbericht

von Ostern 1875 bis Ostern 1876

I. Chronik

Das neue Schuljahr begann am 5. April 1875 mit einer Feierlichkeit zur Einführung der neuen Lehrer Dr. Kühn und Schläger, so wie des Probecandidaten Dr. Jungfer. Zugleich sagte der Director im Namen der Schule dem in den Ruhestand getretenen Professor Dr. Schwanitz lebewohl. Die Schüler brachten am Abend dieses Tages ihrem scheidenden Lehrer einen Fackelzug.

In Folge der starken Schülerzahl in Secunda sind die Klassenräume der Prima und Secunda vertauscht worden. Die Prima hat also gegenwärtig das erste Zimmer im Kreuzgang links inne, die Secunda das dann folgende. Zwischen beiden ist die neu angeschaffte Schlaguhr aufgestellt.

Der Unterricht war im verflossenen Schuljahr durch langandauernde Erkrankungen einiger Lehrer empfindlich gestört. Herr Diaconus Dr. Gilbert lag monatelang am Gelenkrheumatismus schwer danieder. Auch Herr Prof. Dr. Witzschel erkrankte wiederholt und musste im Sommer- halbjahr anderthalb Wochen, im Winterhalbjahr in Folge eines Beinbruchs von Michaelis bis nach Neujahr vertreten werden. Der Gesundheitszustand der Schüler befriedigte.

Am 31. Mai wurden die Schüler, welche im Jahre 1863 geboren sind und eine zweite Impfung noch nicht erhalten hatten, durch Herrn Dr. Wedemann geimpft(Reichsgesetz vom 8. April 1874).

Am 24. Juni beging das Gymnasium durch einen Actus die Feier des Geburtstages Seiner königlichen Hoheit des Grossherzogs. Die Festrede hielt der Director über die Geschichte des Eisenacher Gymnasiums in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts auf Grund alter Schulaktens).

Am 2. September wurde zugleich mit der Erinnerung an die Schlacht von Sedan auch das Gedächtniss Karl August's gefeiert, der am 3. September 1775 seine Regierung antrat; die Festrede hielt Herr Oesterheld. Abends fand der übliche Fackelzug auf den Petersberg statt.

Am 24. August besuchte Herr Geheimerath Dr. Stichling das Gymnasium und wohmnte dem Unterricht in einigen Klassen bei.

Am 6., 7. und 8. September wurde die schriftliche, am 22., 23. und 24. September die münd- liche Herbstprüfung abgehalten, am 25. mit der Vertheilung der Censuren das Sommerhalbjahr geschlossen.

Das Wintersemester begann am 10. October. Die Studientage wurden beibehalten, aber auf die beiden oberen Klassen beschränkt.

Am 21. October begingen die Lehrer mit den confirmirten Schülern die Feier des heiligen Abendmahls. Am Tage vorher fand eine kurze Vorbereitungsandacht statt.

Am 25. November hielt der Primaner Karl Stephanus der Stiftung gemäss die Deutsche Rede zum Andenken an die Reichsgräfin Katharina von Elmpt.

In den Tagen vom 14. bis 16. Februar 1876 fanden die schriftlichen Prüfungen statt. Die mündliche Prüfung der Abiturienten und eines Extraneus erfolgte am 13. März.

Am 22. März feierte die Schule in festlichem Actus den Geburtstag unseres Kaisers und zugleich die Entlassung der Abiturienten. Die Festrede hielt Herr Professor Kunze über die Symbolik der Blumen und Pflanzen vornehmlich bei den Germanischen Völkern. Der Oberprimaner

*) Es möge bei dieser Gelegenheit die Bemerkung gestattet sein, dass sich aus den alten Klassenbüchern unseres Gymnasiums ergibt, dass Johann Sebastian Bach in den Jahren 1693 95 Schüler der Anstalt war; er sass zwei Jahre in Quinta und wurde zu Ostern 1694 nebst seinem Bruder in die Quarta versetzt.