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gleich auf den Schluss des Septerion, wenn auch nicht an demselben Tage, und fand noch vor den eigentlichen Pythien statt, in der Zeit, wo der rrs αιʃσιαõJs auf der Tempefahrt unterwegs war. Das Wort jyewic ist eigentlich Adjectiv, zu ergänzen ist wohl soorE oder svvdsrheis, es be- zeichnet also ein Heroisirungs-, d. h. Vergötterungsfest. Aus den dνμνενα schliesst Plutarch, dass die Anagoge der Semele aus dem Hades in den Olymp dargestellt war. Darauf bezog sich also der uνασατννες νoc, welchen die Thyiaden wussten. Dass diese bei den doαμνα wirkten, ist nicht ausdrücklich gesagt, liegt aber nahe. Zu ermitteln, wie diese Darstellung vor sich ging, ist nicht mehr möglich; es war wiederum eine Mimesis des Mythos, wobei dem eigentlichen Act der Anagoge eine Evocation der Gottesmutter durch Hymnen vorangehen mochte. Wie die Alten den mythischen Vorgang sich gedacht haben, lässt sich aus dem ersten der neunzehn deτνmtem̈ᷣgnα vom Tempel der Apollonis zu Kyzikos schliessen, wo Dionysos die Mutter emporführt, während Hermes vorausschreitet, Satyrn und Silene mit Fackeln dem Paar das Geleit geben.¹) Die Rolle der letzteren könnten bei der Herois die Thyiaden übernommen haben.— Bei der grossen ennaete- rischen Katharsis zu Delphi durfte die Mutter des Dionysos nicht im Hades weilen bleiben, sonst war Dionysos Selbst unrein, während er nach Auferstehung der Semele als ein αντσ ιαά‿μ—εα gelten konnte. Also lag der Feier derselbe Zug zu Grunde, demzufolge ja auch Dionysos nach der Zerreissung nicht unter den Todten bleiben durfte. So sehen wir jetzt ausdrücklich, wie der Gott, und zwar nicht Zagreus, sondern eben der Semele Kind, auch im Sommer, der Apollinischen Jahreszeit, von Delphi nicht völlig abwesend galt. Denn dass er selbst es gewesen, der die Mutter aus dem Hades herausholte, darin stimmen die Ueberlieferungen der viel verbreiteten Sage überein²), und man wird schwerlich annehmen dürfen, dass der Vorgang zu Delphi anders, als gewöhmlich, etwa als plosse Evocation der Heroine durch die Thyiaden ohne Mithilfe des Dionysos, aufgefasst wurde.
Die dritte Ennaeteris, welche bald auf die Herois folgte und bei der die Archegos der Thyiaden thätig mitwirkte, ist die Charila. Auch hier ist die mimetische Darstellung charak- teristisch. Die tiefere Bedeutung dieses Cultactes aber zu erkennen ist schwierig. Dionysische Beziehung hineinzulegen ist kein triftiger Grund. vorhanden, denn die Aehnlichkeit mit der Sage von der Erigone und dem Schaukelfest im Attischen Demos Ikaria genügt dafür nicht. Vieles spricht für die neuerdings aufgestellte sinnreiche Deutung Usener s¹), welcher in der symbolischen Beerdigung der Charila das Zugrabetragen einer abgelaufenen Periode, nämlich des achtjährigen Cyklus erkennen will und sich auf Analoga aus Sagen und Gebräuchen anderer Völker stützt. Ohne Bedenken ist aber auch diese Erklärung nicht: denn die Charila fiel nicht ans Ande des Delphischen Jahres, sondern in den ersten Monat(oder gar in die ersten Tage des zweiten Monats) im neuen Jahre, sie fiel ferner gewiss noch vor die Pythien, also auch nicht an das Ende der Lustration, denn zu dieser gehören die letzteren ihrer Grundidee nach doch mit. Mir scheint das
¹) Die Ueberschrift des ersten Epigrammes lautet: eis Au6ννσονv‿τ νννεμειτꝙετυʒGℛe⁷⁹⁹p(ε i OuOαeνσν ςᷣνοντ τρσοι‿ youueron Boαον ruo ds z Sedn uεrd 2uναν ποοmπτειιασντυ νoνς. Anthol. Pal. Ic. 3 p. 57. Anschauung für solche rolonidri bieten jetzt die Funde vom Ephesischen Artemision; s. E. Curtius Arch. Ztg. 1873 S. 72 ff. Taf. 65. 66. Aehnlich ist übrigens auf dem Albanischen Relief die Anagoge der Eurydike durch Orpheus, den 0. Müller das menschliche Abbild des Dionysos nennt, Orch. S. 376. Vgl. Diod. IV, 25. Dagegen Gerhard, Orpheus und die Orphiker S. 11. 48. Anm. 23. 25.
²) cf. Apollod. III, 5, 4. Diod. IV, 25. Paus. II, 37, 5, womit zu vgl. Plut. de Is. 35 p. 364 f; de sera num. vind. 22 p. 566 a. Paus. II, 31, 2.
3) Rh. Museum XXX, S. 203 ff. Aehnlich schon M. Ross de Baccho Delphico p. 8, irre ich nicht, auf O. Jahn's Anregung.


