Gymnasium vermacht. Die Sammlung ist ungetheilt beisammen gelassen worden und hat mit Ge- nehmigung des hohen Ministeriums an hervorragender Stelle in der Schulbibliothek einen würdigen platz erhalten. Bei der Anordnung und Aufstellung hat Herr Dr. Schneidewind dem Unterzeich- neten mit freundlicher Bereitwilligkeit beigestanden.
Im Uebrigen ist über die Ereignisse des verflossenen Schuljahres Folgendes zu berichten:
Durch Ministerialrescript vom 30. Mai wurde die durch den Landtag des Grossherzog- thums genehmigte Erhöhung der Lehrergehälter mitgetheilt. Der Unterzeichnete spricht auch an dieser Stelle dafür seinen ehrerbietigen Dank aus,
Am 24. Juni beging das Gymnasium durch einen Redeactus die Feier des Geburtstags Sr. königlichen Hoheit des Grossherzogs. Da der eigentliche Festredner, Herr Oesterheld, plötzlich erkrankt war, wies Prof. Weniger in kurzen Worten auf die Bedeutung des Tages hin.
Am 2. September wurde die Erinnerung an die Schlacht von Sedan durch einen Decla- mationsactus begangen. Am Abend fand der übliche Fackelzug statt, nachdem auf der Höhe des Petersberges ein mächtiges Feuer entzündet worden war.
Am 8., 9. und 10. September wurde das schriftliche, am 24. und 25. das mündliche Herbstexamen abgehalten, am 26. mit der Vertheilung der Censuren das Sommersemester geschlossen.
In der letzten Woche vor Schulschluss entstand in Unter- und Obertertia, vereinzelt auch in andern Klassen, eine leichte, wie es schien, ansteckende Augenkrankheit, welche auch nach Beginn des Wintersemesters wieder auftrat. Unter der Fürsorge des Grossherzogl. Physikus Me- dicinalrath Dr. Matthes gelang es genügende Vorkebrungen gegen ein weiteres Umsichgreifen des Uebels zu treffen.
Das Wintersemester begann am 12. October. Die Studientage wurden in der bisherigen Weise beibehalten.
Am 22. October feierten die Lehrer mit den confirmirten Schülern das heilige Abend- mahl, nachdem Dr. Benseler die Vorbereitungsandacht gehalten hatte.
In der Woche vom 15. bis 21. November fand im Auftrage des hohen Ministeriums eine Revision des Gymnasiums durch Herrn Geheime Hofrath Dr. Rassow statt.
Am 25. November hielt der Primaner Arno Kessler der Stiftung gemäss die deutsche Rede zum Andenken an die Reichsgräfin Katharina von Elmpt.
Unter dem 12. December wurde durch gnädigsten Beschluss Sr. königlichen Hoheit des Grossherzogs die erledigte Directorstelle an den bisherigen ersten Lehrer des Gymnasiums, Professor Dr. Weniger, übertragen. Derselbe hatte sich demgemäss am 19. December in Weimar einzufinden, um auf dem Ministerium für sein neues Amt verpflichtet zu werden. Ferner ward demselben die Ehre einer Audienz vor dem Landesherrn zu Theil, in welcher Se. königliche Hoheit der Grossher- zog wiederholt sein warmes Interesse für das Gedeihen unsrer Anstalt aussprach.
Gleich nach Ablauf der Weihnachtsferien, Donnerstag den 7. Januar, fand in der Aula des Gymnasiums vor versammelten Lehrern und Schülern die feierliche Einführung des neuen Directörs durch den Chef des Grossherzoglichen Cultusdepartements statt. Nach einleitendem Ge- sang des Schülerchors ergriff Herr Geheimerath Dr. Stichling das Wort und gedachte in längerer Rede der hohen Verdienste, welche sich der entschlafene Funkhänel sowohl, wie der, bei der Feier als Ehrengast anwesende, Hofrath Dr. Weissenborn um das Gymnasium erworben; auf das Beispiel dieser Männer hinweisend richtete er warme Worte an den neuen Director, das Leh- rercollegium und die Schüler. Darauf sprach Director Weniger seinen Dank aus und entwickelte in der oben S. 15 ff. abgedruckten Rede die Grundsätze, welche er bei Leitung der ihm anver- trauten Anstalt festzuhalten gedenkt. Gesang einer Motette schloss die Feier.
Da Herr Professor Dr. Schwanitz, welcher seit dem Jahre 1836 zuerst provisorisch, dann definitiv als Lehrer am Karl-Friedrichs-Gymnasium thätig gewesen, bei der hohen vorge- setzten Behörde seine Versetzung in den Ruhestand für Ostern 1875 beantragt hatte und dieser Antrag genehmigt ward, beschloss die Grossherzogliche Staatsregierung sämtliche Lehrer in ihren Stellen aufrücken zu lassen. Dadurch sind die Verbältnisse der Lehrer von neuem in erheblicher Weise gebessert worden; der hohen Regierung gebührt dafür unser ehrerbietiger Dank. Für die erledigten Stellen wurden zwei neue Kräfte in den Herren Dr. G. Kühn und R. Schläger ge- wonnen, welche zu Ostern in ihr neues Amt eintraten. Herrn Dr. Kühn wurde die fünfte Lehrer-


