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Die Bedeutung des Gymnasiums in unserer Zeit, ist. wie mir scheint, mehr als jemals irgend zuvor, eine ausserordentlich hohe. Ich sehe in diesen Anstalten nichts weniger, als die höhere Schule an sich, das Mittelglied zwischen der Elementarschule und der Universität, neben dem alle anders organisirten Anstalten nicht eine gleiche Stellung als allgemeine Bildungsstätten. sondern nur die Bedeutung von Fachschulen, welche für bestimmte Berufsarten erziehen, ein- nehmen. In den gewaltigen Kümpfen, welche in diesen Tagen die Geister unserer Nation tief innerlich erregen, sind daher unzweifelhaft die Gymnasien bestimmt eine äusserst ernste Rolle zu spielen: denn wenn wir sehen. wie die wichtigsten Lebensanschauungen, welche ein Jahrtausend lang fest, wie der Grund der Erde, standen und das Thun der Menschen leiteten, nunmehr ins Wanken kommen, wie das Alte sich löst und eine neue Welt aus der ungeheuren Gährung der Geister sich herauszuringen bestrebt ist, so leuchtet es von selbst ein, wie bedeutungsvoll die Pflanzstätten sein müssen, auf denen die einstigen Führer der Nation, die bewegenden Kräfte der Zeit, herangezogen werden sollen. So ist denn auch über Endziel, Einrichtung und Leitung dieser Pflanzstätten ein litterarischer Ringkampf entbrannt, wie er in ähnlicher Weise bisher noch niemals dagewesen ist. Soll ich es nun aussprechen, was ich aus all diesem Chaos als das unumstösslich Richtige erkenne, was ich als allein zum Heile führend ansehen muss und demgemäss auch auf unserer Anstalt mit allen Kräften festzuhalten bestrebt sein will, so ist es Folgendes:
Die Furcht des Herrn ist der Weisheit Anfang. In diesem Fundamentalsatz liegt meines Erachtens das Geheimniss aller Erziehung und der Kernpunkt alles Unterrichts. So will ich denn bestrebt sein unserem Gymnasium seinen Charakter als einer von religiösem Geiste durchdrungenen Bildungsstätte zu wahren, jenen christlich-evangelischen Charakter, welcher der Lutherstadt Eise- nach vor allen geziemt, und dieser Geist soll sich nicht bloss in den Lectionen des eigentlichen Re- ligionsunterrichts kundgeben, sondern er soll auch in der Erziehung der Jugend überall zu erkennen sein. Denn allerdings liegt uns Lehrern eine erzieherische Aufgabe ob, und es ist ein ganz thörichtes Verlangen, wenn man neuerdings wohl ausgesbrochen hat, das Gymnasium solle, von aller Erziehung absehend, sich bescheiden, der Jugend einfach den Lernstoff vorzutragen, etwa wie es auf den Uni- versitäten zu geschehen pflegt. Ich für meine Person stehe nicht an es öffentlich auszusprechen, dass ich noch heute mein Amt als Gymnasiallehrer niederlegen würde, wenn mir zugemuthet würde der erzieherischen Thätigkéit unserer Jugend gegenüber zu entsagen. Alle Erziehung nun hat unleugbar ihr natürliches Feld auf dem Gebiete der Ethik, die Basis aber der gesamten Sittlichkeit ist und bleibt allewege die Lehre Christi. Ich fürchte nicht missverstanden zu werden: Das religiöse Element soll sich in der Schule nicht also zeigen, dass viel äusseren Wesens davon hergemacht werde, sondern man soll es pflegen still und ohne viel davon zu reden, wie man heilige Gefühle nicht gern an die Oberfläche zieht. Es soll im Herzen begründet sein, aber im Handeln zur Blüthe kommen, wie es in einem schönen Gleichniss heisst, jenen wundervollen Pflanzengebilden gleich, die auf der Oberfläche des Sees zu schwimmen scheinen, aber durch lange unsichtbare Fäden im tiefen Grunde ihre nah- rungspendenden Wurzeln treiben. Auch nicht also soll es sich zeigen, dass ein schwächlicher Geist äusserlicher Liebe und weichlicher Gefühlsseligkeit unter uns walte. Unser Herr fertigte eine Geissel aus Stricken und hieb mitten hinein, als Frevler sich im Heiligthum eingenistet hatten: So soll ein Geist scharfer Zucht die Schule durchdringen, falls es noth thut. Fest und treu also wollen wir halten an unserm Gott, dabei schlechtweg unsre Schuldigkeit thun: dann bin ich der guten Zuversicht, es wird ein rechtes Gedeihen nicht ausbleiben.
Ein zweiter Grundgedanke aber, der das Wirken auf unserem Gymnasium durchdringen soll, ist die Liebe zu unserm Vaterland. Ist es ja doch ein beneidenswerthes Geschick, das uns vor unzählichen Geschlechtern unverdient betroffen hat, einem Volke anzugehören, in einer Zeit zu leben, deren Thaten mit Flammenzeichen in das Buch der Geschichte geschrieben sind. So soll denn unser Streben und insbesondere der Unterricht in der Geschichte und Litteratur, in


